Wirtschaft

Deutsche Bank verabschiedet sich von 25%-Renditegier

Mit dem von dem scheidenden Vorstandschef Josef Ackermann vorgegebenen Renditeziel von 25% war die Deutsche Bank vielfach angeeckt: Zu gierig war der Vorwurf, zu viel würde in die eigenen Taschen fließen – und jemand muss die Gewinne ja auch bezahlen.

Dies wird in einem Vergleich deutlicher: Die 500 größten börsennotierten Handels-, Dienstleistungs- und Industrieunternehmen in Europa haben im Geschäftsjahr 2010 die Nettoumsatzrenditen um rund 50 Prozent von 4,8 auf 7,3 Prozent steigern können. Die 500 größten US-Konzerne steigerten ihre Nettoumsatzrenditen von 6,1 auf 7,2 Prozent. Damit waren die europäischen Konzerne erstmals seit vier Jahren – und überhaupt erst zum zweiten mal – profitabler als ihre US-Konkurrenz. Mit Infineon, SAP, ProSiebenSat.1 und Wacker Chemie haben lediglich vier börsennotierte deutsche Unternehmen Umsatzrenditen von mehr als zehn Prozent erzielt.

Die Margen sind dabei, wie das Beispiel USA zeigt, sehr unterschiedlich: Die umsatzstarken Firmen Walmart, General Motors, der weltgrößte Pharmahändler McKesson und der Raffineriebetreiber Valero kommen gerade einmal auf 5 Prozent Umsatzrendite. In der Technologiebranche sind es zum Teil weit über 20 Prozent. Microsoft und Coca Cola übertreffen sogar die 30 Prozent. Kein großer deutscher Konzern schafft es, von seinem Produkt/Dienstleistung ein Drittel des Verkaufspreises als Gewinn abzuführen – was auch nicht gerade ein Indiz für funktionierenden Wettbewerb sondern eher für Wucher wäre. (Übersicht über die Umsatzrenditen in Deutschland.)

Zumal etwas Bescheidenheit seitens der Bankenbranche aufgrund der von ihnen angerichteten Billionenschäden durchaus angebracht wäre: Die gigantische Finanz- und Wirtschaftskrise 2007-2009 hat Vermögenswerte von 40 Billionen Euro vernichtet, die Staatshilfen weltweit belaufen sich auf 30 Billionen Euro. Während der Steuerzahler immer noch aufgrund der dadurch ausgelösten Schuldenkrise Milliardenbeträge zahlt, ist in der Bankenbranche von Reue oder Zurückhaltung keine Spur: Der Starinvestmentbanker und Vorstandschef der britischen Großbank Barclays, Bob Diamond, Mitte Januar 2011 in einem Plädoyer für das Ende der Banker-Demut und das Ende der Zurückhaltung bei Bonuszahlungen: „Es gab für uns die Phase des Bedauerns und der Entschuldigungen. Damit muss nun Schluss sein!“ Großbritannien wurde von der Finanzkrise sehr hart getroffen und musste das härteste Sparpaket der Nachkriegsgeschichte schnüren, hunderttausende Jobs sind weggefallen, die Phase der "Zurückhaltung" ist für die Bevölkerung und die britischen Steuerzahler somit – anders als für Diamond – noch lange nicht vorbei.

Laut einer Studie schafft jeder Banker in der City of London im Lauf einer 20-jährigen Karriere 4,71 Millionen Pfund an Werten, richtet dafür aber 33,4 Millionen Pfund Schaden am Gemeinschaftsvermögen an. Kindergärtnerinnen schaffen dagegen für jedes Pfund, das sie verdienen, den zehnfachen Wert.

Das Renditeziel der Deutschen Bank von 25 Prozent wurde übrigens von dem früheren IWF-Chefökonom Simon Johnson erst kürzlich scharf verurteilt. Er hält Josef Ackermann für „einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt“. Sein berüchtigtes Renditeziel von 25 Prozent ermögliche allein der deutsche Steuerzahler – weil er notfalls für eine Pleite hafte. Der Konsument und Kunde hat jedoch stets die disziplinierende Wahl, wo er sein Geld anlegt und wer damit verdienen darf – und ob ihm Werte wie ethisch-moralische Standards und Nachhaltigkeit wichtiger sind, als ein vollkommen überzogenes Renditeziel.

Nun hat sich der künftige Vorstandschef Jürgen Fitschen von dem provozierenden 25%-Ziel Ackermanns verabschiedet. Die Deutsche Bank werde sich, so Fitschen, künftig eher auf Sicherheit und Liquidität konzentrieren. „Wir treten in eine Periode niedrigerer Renditen ein", so Fitschen. Die Eigenkapitalrendite werde künftig eher bei 10-15 Prozent liegen.
 

 

ElSchnuppero

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