Wirtschaft

Deutschland EU-weites Schlusslicht bei Bezahlung von Leiharbeitern

In keinem Land der EU sind die Unterschiede zwischen Leiharbeitern und der Stammbelegschaft größer als in Deutschland. Innerhalb Deutschlands wird dabei der Negativwert im Großraum München erreicht. Dies ist das Ergebnis einer Auswertung von Zahlen der Arbeitsagentur durch den DGB München. Laut den Zahlen, die sich auf das Jahr 2009 beziehen, verdienen bayernweit Leiharbeitskräfte mit Berufsabschluss rund 45% weniger als Stammkräfte mit Berufsabschluss. Laut der IG Metall beweise dies, dass die Leiharbeit nicht nur zum Abfangen kurzfristiger Auftragsspitzen eingesetzt wird, sondern viel mehr systematisch zum Absenken des Lohnniveaus. Beide Gewerkschaften kritisierten in diesem Zusammenhang den jüngsten Kompromiss zu Hartz IV, bei dem der Grundsatz gleiches Geld für gleiche Arbeit, überraschend aus dem Kompromiss entfernt worden war. Ursprünglich war angedacht worden, den Leiharbeitern nach einer Übergangszeit die gleiche Bezahlung zuzugestehen, wie ihren fest im Betrieb angestellten Kollegen – lediglich über die Länge der Übergangszeit hatte man zunächst gestritten. Die IG Metall hat nun „betriebliche Aktionen“ in 20 Münchner Firmen angekündigt, in denen Leiharbeiter über ihre Rechte informiert werden sollen. Dabei kann der Verlust des Augenmaßes bei der Entlohnung von Leiharbeitern dem Arbeitgeber extrem teuer zu stehen kommen: Mitte Dezember 2010 wurde per Gerichtsentschluss der Zeitarbeitsorganisation CGZP die Tarifmächtigkeit aberkannt. Diese war zuvor durch Dumpingabschlüsse ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Durch den Gerichtsentscheid mussten die vertretenen Firmen ihren beschäftigten Leiharbeitern (betroffen waren bis zu 280.000 Leiharbeiter in 1.600 Firmen) auf einen Schlag denselben Lohn wie der Stammbelegschaft zahlen (bis zum Abschluss eines neuen, gültigen Tarifvertrags), sowie Sozialleistungen von bis zu 2 Mrd. Euro nachzahlen. Aufgrund des Managementfehlers, Menschen über die Gebühr auszubeten zu wollen, entstanden also hohe finanzielle Schäden, die die fragwürdigen Einsparungen letztlich deutlich überwogen. Auch die Kosten des Imageverlusts wie beispielsweise bei Schlecker sind nicht zu unterschätzen.

ElSchnuppero

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