Kolumnen

Eine Reise in sich hinein und über sich hinaus

Die wöchentliche Business-Kolumne von Ulrich B Wagner.

 

Heute: Alle Jahre wieder. Ein Versuch über die guten Vorsätze

 

„Gute Vorsätze… sind Schecks, auf eine Bank gezogen, bei der man kein Konto hat.“, formulierte Oscar Wilde vor langer Zeit in seiner süffisanten Art. Und doch geschieht es Land auf und Land ab in einer monotonen Gleichmäßigkeit jedes Jahr zur selben Zeit.

 

Prost Neujahr. Über 50% der Mitmenschen fassen um die Jahreswende herum gute Vorsätze für das kommende Jahr. Doch nur 8% aller Vorsatzlemminge gelangen auch an das ersehnte Ziel. 60% aller Veränderungsprojekte in Unternehmen scheitern bereits im ersten Halbjahr. Warum? Was macht Veränderung so enorm schwierig?

 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Fast 90% unseres Alltags läuft halbautomatisch ab, quasi in gewohnter Art und Weise. Unsere Gewohnheiten und Routinen sind wie neuronale Trampelpfade in unserem Gehirn oder wie tief eingefahrene Furchen in unserem Verhalten. Die moderne Hirnforschung geht davon aus, dass unser Gehirn die Zeit einer normalen Schwangerschaft benötigt, um aus einem neuen Verhalten, das ja aus unserem guten Vorsatz hervorgehen soll, eine „neue“ Gewohnheit entstehen zu lassen, die uns routiniert und leicht von der Hand geht. Frei nach dem Motto Gut Ding will Weile haben bedeutet das Zeit, Geduld, Ausdauer, Training, Willenskraft und insbesondere auch die Fähigkeit, kleinere oder größere Rückschläge zu verkraften, um nicht beim ersten Widerstand zurückzurudern.

 

Hier treffen wir wieder auf die Janusköpfigkeit mancher evolutionärer Errungenschaften. Gewohnheiten helfen uns zwar in unserem Alltag, nicht jede Tätigkeit, jedes Verhalten, jede Antwort auf die äußere Welt immer wieder von vorne analysieren, bewerten oder erlernen zu müssen. In Zeiten der Neuausrichtung und der Veränderung erweisen sie sich dadurch jedoch als Bremsklötze und somit als die besten Freunde unseres inneren Schweinehundes. Sie sind die Verführer, Motivatoren und Antreiber des status quo. Und sie sind äußerst zäh und hartnäckig!

 

Was also tun? Motivation, Selbstkontrolle und Handeln sind die Werkzeuge auf dem Weg zur nachhaltigen Veränderung, zur gelungenen Umsetzung der guten Vorsätze. Am Anfang steht der Wunsch, der Tagtraum eines veränderten Lebens. Dies geschieht täglich und verschwindet in der Regel noch im selben Moment. Aus diesem Wunsch muss schließlich eine Idee entstehen, die zu einem Wollen führt, einer Anleitung zur Veränderung. Soweit so gut. Wir holen uns Berater, Ratgeberbücher und schlaue Tipps von vermeintlichen Fachleuten. Wir häufen Wissen über Wissen an, versuchen das Warum unserer „schlechten Gewohnheiten“ zu analysieren und zu verstehen. Schließlich beschäftigen wir uns ausschließlich mit dem Alten, dem zu Verändernden. Wir hängen mit dem Kopf in der Vergangenheit und versuchen mit dem „Hinterteil“, die Zukunft zu gestalten. Hier ist sie wieder, die notwendige Richtungsänderung des Blickwinkels. Nur durch sie kann es schließlich erst zu dem kommen, was Veränderung nachhaltig ermöglicht: HANDELN, UMSETZEN, BEGREIFEN. Denn Begreifen, das haptische Gefühl des Anfassenkönnens, ist Verstehen mit allen Sinnen.

 

Das Wissen um die Notwendigkeit der Veränderung reicht nicht aus. Denn der reine Verstand versagt angesichts der Verführungen der Gewohnheit, oder, wie Richard David Precht formulierte,“Was das Gefühl nicht einfärbt, bleibt dem Verstand blass“.

 

Möglichkeitsbilder der Veränderung, emotionale Aufladungen, kleine, kurzfristig erreichbare Zwischenziele bieten nicht nur erste Belohnungen, sondern sichern das Neue auch ab. Dokumentieren Sie diese ersten Erfolge, wechseln Sie bei den ersten Hürden und Stolpersteinen in eine teilnehmende Beobachterrolle und hinterfragen Sie die Beweggründe. Was passiert in diesen Momenten? Woher kommen die Blockaden? Wie sehen sie aus? Seien Sie barmherzig mit sich selbst, statt sich zu bestrafen, Schuldzuweisungen auszusprechen oder mit dem kommunikativen Totschläger: „Ich hab’s doch eh gewusst“, alle guten Vorsätze der Veränderung über Bord zu werfen.

 

Zur nachhaltigen Veränderung gehört ein Verständnis der Komplexität der unterschiedlichen Aufforderungscharaktere, die uns bestimmen und lenken, ein werturteilsfreies Verständnis unserer Widersprüchlichkeit und der uns bestimmenden Automatismen. Veränderung geschieht nicht en passant (im Vorübergehen), einmal Angestoßen, zwangsläufig. Veränderung ist kein Selbstläufer.

Achtsamkeit, eine sensibilisierte Aufmerksamkeit für die begleitenden Prozesse, für die ersten Abweichungen, und eine kontinuierliche Anpassung der Ziele und Vorsätze an die veränderte Lebenswelt sind notwendige Begleiter auf dem Weg.

 

Vor allem denken Sie immer daran: Es gibt nicht den perfekten Augenblick zur Veränderung. Das Aufwarten, Abwarten, das Aufschieben sind die Erfüllungsgehilfen des inneren Schweinehundes.

Handeln Sie jetzt! Und schaffen sie Realitäten! Die normative Kraft des Faktischen sichert schließlich ihren Weg der Veränderung oder wie Franz Kafka sagte: “Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für 2011.

 

 

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Profil des Autors:

 

Ulrich B. Wagner, Jahrgang 1967, studierte Psychologie, Soziologie und Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Kommunikation, Coaching und Managementberatung (ikcm) mit Sitz in Bad Homburg und Frankfurt am Main und gleichzeitig Dozent an der european school of design für Kommunikationstheorie sowie Werbe- und Konsumentenpsychologie. Ulrich Wagner arbeitet als Managementberater und systemischer Coach mit den Schwerpunkten Business- und Personal Coaching, Kommunikations- und Rhetoriktrainings, Personalentwicklung, Begleitung von Veränderungsprozessen und hält regelmäßig Vorträge und Seminare.

 

Zu erreichen: via Website www.ikcm.de, via Mail uwagner@ikcm.de, via Xing und Facebook (Ulrich B Wagner).

            
 

 

 

 

ElSchnuppero

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