Management

GSA Experten Express: Prof. Dr. Niels Brabandt im Interview über nachhaltige Führung

 

Die German Speakers Association (GSA) ist eine internationale Plattform für alle deutschsprachigen Trainer, Referenten, Coaches und die weiteren Akteure im Weiterbildungsbereich. Am 18. Oktober veranstaltet die GSA in München den “GSA Experten Express“, bei dem fünf Experten und Top-Speaker referieren werden. AGITANO, das Wirtschaftsforum für den Mittelstand, hat dies zum Anlass genommen, um die fünf Speaker im Vorfeld zu ihren Themen zu befragen. Heute: Prof. Dr. Niels Brabandt zu seinem Vortrag “Leadership 20XX – Warum wir jetzt umdenken und sofort handeln müssen

 

1. Schönen guten Tag Herr Prof. Brabandt. Sie sprechen in Ihrem Vortrag dringend benötigte klare Handlungsanweisungen für eine nachhaltige Führung an. Was charakterisiert für Sie nachhaltiges Leadership?

Zahlreiche Führungskräfte zentrieren das Leadership noch viel zu sehr auf ihr Ego bzw. ihre Person. Daher gilt die erste Grundregel: nehmen Sie das Ego aus dem Business. Niemand möchte ihre Geschichte hören, was sie wann wo erreicht haben und wie großartig sie welchen Abschluss erreicht haben. Dies wird vor allem dann umso irrelevanter, wenn Sie die gesteckten Ziele nicht erreichen. Ein nachhaltiges Leadership ist vor allem ergebnisorientiert. Die Zeiten des Mikromanagements sind bereits lange vorbei. Es ist nicht ihre Aufgabe eine Kontrollinstanz in der Unternehmung zu sein. Sie setzen Ziele, delegieren die richtigen Aufgaben an die richtigen Personen und, dies ist die wichtigste Aufgabe, sie tragen die Konsequenzen wenn das Ziel nicht erreicht wird. Nachhaltiges Leadership orientiert sich an Verantwortung (Accountability) und nicht an Zuständigkeit. Es gibt bereits zahlreiche Fälle in denen Manager sich für Erfolg feiern ließen und in unter ihnen gelegenen Hierarchieebenen personelle Konsequenzen bei Misserfolgen androhten bzw. umsetzten.

Führen Sie mit einer maximalen Freiheit für ihre Manager und Mitarbeiter und orientieren Sie sich vor allem an erreichten Zielen. Dies hält Strukturen schlank, flexibel, effektiv und effizient.

2. Welche Fort- und Weiterbildungsbereiche sollte ein Manager kontinuierlich in Anspruch nehmen, um einen qualitativ hochwertigen Führungsstil praktizieren zu können?

Hier sind vor allem drei Bereiche wichtig. Zum einen sind dies die Management-Fähigkeiten. Dies sind die Fähigkeiten, die auf die Person als Manager hinauslaufen. Diese Fähigkeiten sind jedoch wertlos, wenn nicht die dazugehörigen Organisationsfähigkeiten beherrscht werden. Die Management- und Organisationsfähigkeiten zusammen sorgen dafür, dass sie gut qualifiziert als Führungskraft sind. Sie sind jedoch immer noch eines unter vielen. Als besonderen Manager wird man sie erkennen, wenn sie in einer Sache richtig gut sind. Steve Jobs war bekannt für seine sehr guten Präsentationsfähigkeiten – als Manager und Führungskraft war er eher gefürchtet als wirklich akzeptiert. Die sogenannten Exzellenz-Fähigkeiten sind das was sie von Anderen absetzt.

Hüten Sie sich stets vor sogenannten „Gießkannen-Vorschlägen“. Zahlreiche Institute bieten die angeblichen „Nonplusultra-Lösungen“ für Manager an. Dies sind oftmals hochgradig standardisierte Seminare mit mäßigem Inhalt, durchgeführt von wahllos und oftmals über den Preis eingekauften Freelancern. Achten Sie stets auf die wissenschaftliche Qualifikation und Fundierung der Personen mit denen Sie arbeiten und achten sie besonders darauf, ob diese Institute selbst leben was sie versprechen. Ein Führungskräftetrainer der selbst keine Führungskraft ist oder zumindest lange Zeit war und entsprechende Erfolge vorzuweisen hat ist per se weder glaubwürdig noch qualifiziert Ratschläge zu geben. Sobald sie selbst aktiv an ihren persönlichen Management- sowie den übergreifenden Organisations-Fähigkeiten arbeiten, dazu ihre besonderen Kenntnisse herausarbeiten und verfeinern sowie mit qualifizierten Profis an ihrer Seite arbeiten, so können Sie nur stets besser und somit erfolgreich werden.

3. Einige Manager agieren aber nach wie vor autoritär. Welche Nachteile ergeben sich aus so einem Führungsstil? Gibt es Studien, die den daraus resultierenden Schaden für die Unternehmen quantifizieren?

Wichtig ist vor vornherein zu unterscheiden zwischen einem notwendig autoritären und unnötig autoritären Führungsstil. Grundsätzlich ist der autoritäre Führungsstil heute zu Recht wenig anzutreffen. Meist beschränkt er sich auf inhabergeführte Mittelständler, im freiwirtschaftlichen Management ist dieser kaum noch zu finden. Befindet sich ihr Unternehmen jedoch in einer entscheidenden Situation und das Management zeigt sich zerstritten, wobei bereits dies auf Führungsmängel hindeutet, so ist eine klare Entscheidung wichtig und notwendig. Hier kann und muss ein autoritärer Führungsstil durchaus zielführend sein. Dies ist jedoch die Ausnahme.

Das Hauptproblem eines rein autoritären Führungsstils ist der Mangel an Partizipation ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wirklich gutes Personal wird sich dies nicht dauerhaft gefallen lassen und ihre Unternehmen verlassen. Eine hohe Mitarbeiterfluktuation (employee turnover) verursacht immense Kosten. Hier entstehen Kosten von bis zu einem Jahresgehalt pro verlorenem Mitarbeiter bzw. pro verlorener Mitarbeiterin.

Durch die mangelnde Partizipation verlieren sie wertvolles Feedback sowie Hinweise und Ideen zu Verbesserungsmöglichkeiten in ihrem Geschäftsfeld. Ihre Kreativitätskurve wird sich dem EKG eines toten Menschen angleichen, ihre Innovationskurve ebenso. Am Markt können sie somit höchstens noch Glück haben, dass sie kaum Wettbewerb haben oder ein Wettbewerber wird sie überholen, denn final werden vor allem ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch den Mangeln an unternehmerischer Beteiligung nicht mehr für ihr Unternehmen tun als der Buchstabe ihres Arbeitsvertrages es von Ihnen verlangt. Wenn es unmöglich wird sich selbst in der Unternehmung einzubringen, und somit jede Form von Intrapreneurship als unerwünscht deklariert wird, ist ihrer Unternehmensperformanz eine bereits frühe und vor allem klare Grenze gesetzt.

Zuletzt hat die Harvard University eine neue Studie zur Motivation von Vertriebspersonal veröffentlicht. Hier wird klar aufgezeigt wie heute Führung durchgeführt und Motivation gezielt gefördert werden kann. Leider sind diese Studien oftmals sehr teuer. Mit meiner Firma bieten wir durch unseren garantiert werbefreien und ebenso kostenlosen Expert Letter sowie den regelmäßige Podcast, das Expert Briefing, hier freien Zugang zu wichtigem Unternehmenswissen.

Die reine, branchenübergreifende Quantifizierung ist nicht nur wissenschaftlich unhaltbar sondern auch durch die volatilen und sich ständig verändernden Umstände gerade heute unhaltbar. Sollte ihnen jemand ein angebliches Patentrezept anbieten, so können sie sicher sein, dass sie es genau bei dieser Person garantiert nicht finden werden.

4. Der Begriff Managerismus steht ja für einen Führungsstil, bei dem Unternehmen vereinnahmt werden, um den größtmöglichen Nutzen für sich herauszuholen – Stichwort überzogene Boni und kurzfristiges Gewinnstreben. Gibt es erprobte Wege, wie beispielsweise Angestellte etwaiges Fehlverhalten im Sinne einer nachhaltigen Unternehmensausrichtung erfolgreich sanktionieren können?

Ganz klar: ja. Wichtig ist jedoch hier den richtigen Weg zu beschreiten. Was von der Management-Ebene in richtig der operativen Ebene als Mobbing bekannt ist, ist leider auch umgekehrt öfter der Fall als es in der breiten Presse bekannt wird. Das sogenannte Staffing bezeichnet den Prozess in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv Sabotage an Führungskräften ausüben. Es ist wie Mobbing, nur in umgekehrter Hierarchiefolge.

Erst einmal ist es wichtig, dass eine Unternehmung ein aktives Beschwerdewesen betreibt. Oftmals sind hier Betriebs- bzw. Personalrat Ansprechpartner, dies ist ein möglicher Weg. Es ist jedoch auch möglich dies über die Personalabteilung abzubilden. Ein zentraler Punkt hierbei ist, dass die Beschwerde beantragende Person selbst entscheiden kann, ob anonym oder personifiziert im Prozess vorangegangen werden soll. Dieser Prozess ist bei einigen wenigen Unternehmungen bereits eingeführt, bei vielen jedoch noch völlig unbekannt. Eine alternative Möglichkeit neben dem formalen Beschwerdeprozess ist der Weg der Personalbeurteilung.

Die Personalbeurteilung wird im Normalfall lediglich von der höheren Hierarchieebene in Richtung der niedrigeren Hierarchieebene gegeben. Dies dann zumeist auch noch personifiziert, da ohnehin meist klar ist welcher Vorgesetzte bzw. welche Vorgesetzte welche Mitarbeiterin und welchen Mitarbeiter beurteilt. Hierdurch sind dem ehrlichen, wertschätzenden, an Wachstum und Optimierung orientierten Feedback klare Grenzen gesetzt.

Wenn Sie hier wirklich proaktiv modern agieren wollen, so ist zuerst einmal der Feedback-Prozess generell anonym zu halten. Jede Managementposition beurteilt sein ihm zugewiesenes Personal, jedoch ebenso auch die Manager auf der eigenen Hierarchieebene. Ebenso erfolgt dies auf Mitarbeiterebene. Das Personal beurteilt sich zum einen gegenseitig und ebenso jedoch auch die Managerinnen und Manager mit denen es in Kontakt steht. Ein Feedback zur Unternehmensführung ist zudem ebenso gewünscht. Moderne Evaluations-Software macht diese Art der Befragungen, welche wir bereits oft durchgeführt haben, einfach, schnell, effizient und effektiv durchführbar. Die moderne Technik ermöglicht hier zudem eine zu 100% garantierte Anonymität, welche für die Ehrlichkeit ebenso wie die Realiabilität sowie Validität der Befragung unabdingbar wichtig sind. Ich kann jeder Unternehmung nur raten sich hier modern aufzustellen, bevor der Wettbewerb das beste Personal bereits an sich gebunden hat.

5. Haben Sie ein paar prominente Beispiele, wie gelungene und nachhaltige Führung in der Praxis erfolgreich angewandt wird?

Es gibt eine ganze Reihe erfolgreicher Beispiele, vielen von denen findet man im Mittelstand und diese haben, in vorbildlicher Art und Weise, nicht einmal Interesse daran in der Öffentlichkeit zu stehen. Dies ist natürlich auch dadurch bedingt, dass man nicht möchte, dass eigene Erfolgskonzepte kopiert und durch Wettbewerber gegen sie verwendet werden.

Schaut man jedoch auf prominente Beispiele so ist sicherlich Jack Welsh ein bis heute zeichengebendes Beispiel. Seine Art und Weise des nachhaltigen Managements hat zwar auch harte und eindeutig als unpopulär zu bezeichnende Entscheidungen mit sich gebracht, jedoch hat er es geschafft einen vor der Insolvenz stehenden Konzern wie GE (General Electrics) wieder für die heutige Zeit wettbewerbsfähig zu machen. Im deutschen Mittelstand sind Liqui Moly (von einem in der Presse prominent gezeigten Verfehlungsfall des Inhabers abgesehen – aus diesem hat diese jedoch sofort die Konsequenz gezogen sich aus der öffentlichen Darstellung nach außen hin zurückzuziehen und dies ist immerhin konsequent, auch wenn man sich im dargestellte Fall mehr Einsicht gewünscht hätte als lediglich eine Konsequenz) und Trigema sicherlich zwei Fälle in denen nachhaltiges Management den Erfolg absichert. Selbstverständlich könnte man hier noch weitere Fälle aus unserer täglichen Beratungspraxis nennen, jedoch, wie bereits eingangs erwähnt, respektieren wir natürlich den Wunsch unserer Kunden wenn diese ihre Erfolgsrezepte nicht in der Öffentlichkeit erwähnt wissen möchten. Anhand der hier gezeigten Methoden ist jedoch bereits eine große Veränderung in der Führung und eine nachhaltige Ausrichtung ihres Unternehmens-Managements machbar. Bei Fragen stehen wir jederzeit gerne zu Ihrer Verfügung.

Vielen Dank für das Interview Herr Professor Brabandt.

Ich habe zu danken und stehe Ihnen sowie Ihren Lesern auch in der Zukunft jederzeit gerne wieder zur Verfügung.

(Das Interview führte Marc Brümmer, Redaktionsleiter AGITANO.)

Rahmendaten des GSA Experten Express:

Cincinnatistr. 31
81549 München
Deutschland

Beginn: Do, 18.10.2012, 18:30

18:30 Einlass & Networking
19:00 Erster Vortragsblock mit Stephan Heinrich, Prof. Dr. Niels Brabandt und Marinda Seisenberger
20:30 Pause
21:00 zweiter Vortragsblock mit Felix A. Schweikert und Gaby S. Graupner
22:00 Ausklang und Networking

Weitere Informationen sowie Tickets unter www.amiando.com/ExpertenExpress2012Muenchen.html

 

Über Prof. Dr. Niels Brabandt:

Prof. Dr. Niels Brabandt promovierte im Themenbereich der nachhaltigen Führung und ist ein Experte, wenn es um Management sowie Leadership geht. Sein Praxiswissen im Bereich Führung erwarb er sich in seiner mehrjährigen Tätigkeit als Führungskraft im Vertrieb eines Pharmakonzerns. Sein Engagement als Fußball-Schiedsrichter brachte ihn in Situationen, in denen er unter extremen Druck, schnelle sowie auch unpopuläre Entscheidungen treffen und vermitteln musste. In seinen Seminaren, Trainings und Vorträgen begeistert er die Teilnehmer, indem er wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse humorvoll, leicht umsetzbar und praxisnah vermittelt.

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