Wirtschaft

Indien zwingt Bayer zur Herausgabe eines Krebsmittels zur billigen Produktion eines Generika

Der deutsche Chemie- und Pharmagigant Bayer muss Indien sein Patent für das Krebsmedikament Nexavar abtreten. Dies hat das indische Patentamt am Montag entschieden. Es ist die erste erzwungene Patentabtretung in der Geschichte Indiens. Das Medikament soll auf dem Subkontinent künftig von dem Generika-Hersteller Natco produziert werden und damit nur noch einen Bruchteil des jetzigen Preises kosten. Eine Behandlung mit dem Mittel kostet im Monat dann nur noch 175 Dollar statt bislang 5.500 Dollar (97% billiger). Bayer erhalte im Gegenzug für die Patentabtretung eine geringe Lizenzabgabe auf den Umsatz. Bayer hat indes eine Prüfung des Urteils angekündigt.

Die NGO Ärzte ohne Grenzen (MSF) zeigte sich über das Urteil erfreut. MSF-Direktorin Michelle Childs: „Diese Entscheidung ist eine Warnung, dass es Konsequenzen hat, wenn Pharmafirmen Preistreiberei betreiben und die Verfügbarkeit einschränken.“ MSF rechnet nun damit, dass künftig weitere, noch unter Patentschutz stehende Medikamente, beispielsweise zur Behandlung von HIV und Aids, zwangsweise als Generika zu einem Bruchteil des aktuellen Preises verfügbar sein könnten. Dr. Tido von Schön-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen: „Wir haben diesen Fall sehr genau beobachtet, weil als Folge des Patentschutzes auch neuere HIV/Aids-Medikamente in Indien für viele Menschen unerschwinglich sind. Diese Entscheidung stellt einen Präzedenzfall dar, der uns Hoffnung macht: Sie zeigt, dass neuere Medikamente, die unter Patentschutz stehen, trotzdem von Generika-Produzenten zu einem Bruchteil des Originalpreises hergestellt werden können, wenn gleichzeitig Lizenzgebühren an den Originalhersteller gezahlt werden. Auf diese Weise wird der Patentinhaber entschädigt, während gleichzeitig sichergestellt ist, dass die Preise durch Konkurrenzdruck insgesamt sinken.“

Laut der Hilfsorganisation sind Zwangslizenzen im internationalen Handelsrecht verankert. Dadurch wird es Staaten ermöglicht, bestehende Patente teilweise zu umgehen, um die öffentliche Gesundheit zu schützen, beispielsweise wenn durch zu hohe Preise der Zugang von Patienten zu Medikamenten beeinträchtigt wird. Die Generika-Hersteller werden dafür im Gegenzug dann zu der Zahlung einer Lizenzgebühr an den Patentinhaber verpflichtet.

Bayer hat 2011 einen Umsatz von 36,5 Milliarden Euro, einen Gewinn vor Steuern von 3,36 Milliarden Euro und Ergebnis nach Steuern von 2,47 Milliarden Euro realisiert.
(mb)

 

ElSchnuppero

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