Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 47

1. 2010 Rekordjahr für wetterbedingte Naturkatastrophen:
2. Dena-Netzstudie II sieht 9-29 Mrd. Euro für den Ausbau bis 2020 vor:
3. Windenergie reduziert bis 2020 den Strompreis um 1,1 Cent pro Kilowattstunde:
4. PV-Branche hofft auf neue Eigenverbrauchsregeln:
5. Bundeskartellamt untersucht Stromoligopol und Strompreise:
6. Saudi Arabien setzt auf Solarnutzung und CSP- / PV-Produktion:
7. China hält 71,8% des Ausbaus der Produktion von Solarzellen in 2010:
8. Siemens baut Elektroautoflotte zu Testzwecken auf:
9. VW-Kleinkraftwerke gehen in Serienproduktion:
10. Neuer Filterlüfter senkt Energieverbrauch um 43%:
11. Größtes Geothermie-Kraftwerk Deutschlands im bayerischen Kirchweidach:
12. Materialeffizienzpreis für neues Herstellungsverfahren für Zement:
13. CO2-Vergleichsrechner für Flugzeug, Auto und Bahn online:

 

2010 Rekordjahr für wetterbedingte Naturkatastrophen:
Laut dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re nähert sich das Jahr 2010 für wetterbedingte Naturkatastrophen einem neuen Rekordwert. Mit 800 wetterbedingten Schadensereignissen bis Mitte November sei nach Einschätzung von Munich Re jetzt schon klar, dass 2010 sowohl bei der Anzahl der Ereignisse als auch bei dem Ausmaß der Schäden einen vorderen Platz in der Statistik einnehmen wird. Demnach hat sich die Zahl schadenrelevanter Überschwemmungen weltweit seit 1980 mehr als verdreifacht, auch die Zahl schadrelevanter Sturmereignisse hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Den Daten nach ist das Jahr 2010 zudem das bislang wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen vor ca. 130 Jahren.

 

Dena-Netzstudie II sieht 9-29 Mrd. Euro für den Ausbau bis 2020 vor:
Die Netzstudie II der Deutschen Energieagentur (dena) errechnet aufgrund der Integration erneuerbarer Energien und des zunehmenden europäischen Stromhandels einen Investitionsbedarf von 9-29 Mrd. Euro in die deutschen Stromnetze bis 2020. Insgesamt müssen rund 3.500 km Netzleitung neu gebaut werden. Je nach Technik – Freileitungstechnik, Hochtemperaturleiterseilen oder erdverlegten Gleichspannungstrassen – variieren die Kosten zwischen rund 9 Mrd. Euro und bis zu 22-29 Mrd. Euro für die erdverlegte Variante. Bereits in der 2005 herausgegebenen dena-Netzstudie I war ein Ausbaubedarf von 850 km bis 2015 ermittelt worden. Davon wurden bislang allerdings erst 90 km fertiggestellt.

 

Windenergie reduziert bis 2020 den Strompreis um 1,1 Cent pro Kilowattstunde:
Die European Wind Energy Association EWEA hat auf der internationalen Netz-Konferenz Grids2010 die neue Netzstudie „Powering Europe: wind energy and the electricity grid“ vorgelegt. Aufgrund des Merit-Order-Effekt wird demnach die Windenergie bis 2020 den Preis jeder Kilowattstunde Strom um mindestens 1,1 Cent reduzieren. Bei einer prognostizierten Windkraftleistung in Europa von 265.000 Megawatt im Jahr 2020 wird jede Kilowattstunde Strom aufgrund der Windkraft 1,08 Cent pro Kilowattstunde billiger sein. Für Europa ergibt das insgesamt eine jährliche Kostenersparnis von 41,7 Mrd. Euro ab 2020. Für die Berechungen wurde ein relativ niedriger Strompreis angenommen, daher führt eine Verteuerung der Preise für fossile Energie zu einer zusätzlichen preisdämpfenden Wirkung durch die Windenergie. Hinzu kommen die volkswirtschaftlichen Nutzen der Windkraft durch zusätzliche Arbeitsplätze und die Vermeidung von Klimaschäden.

 

PV-Branche hofft auf neue Eigenverbrauchsregeln:
Die Fachzeitschrift Sonne Wind & Wärme hat deutliche Einbußen für das Solar-Handwerk in Deutschland festgestellt. Die Absenkung der Solarstromförderung im Sommer hatte zunächst zu einem Boom im ersten Halbjahr geführt. Zum Jahreswechsel wird die Vergütung für Strom aus Photovoltaik-Anlagen erneut gesenkt. Beides zusammengenommen hat für zwei Drittel der betroffenen Handwerksbetriebe insgesamt zu einem Auftragsrückgang von mindestens 30% geführt, für 42% der Betriebe sogar zu einem Rückgang um über 50%. Das Interesse an Solarstrom sei nach wie vor sehr hoch, die geringere Auftragslage hänge jedoch mit den schwarz-gelb generierten Unsicherheiten über die Rendite der Anlagen zusammen. Das Handwerk hoffe derzeit, dass die neue Eigenverbrauchsregelung wieder ein gesteigertes Interesse generiert.

 

Bundeskartellamt untersucht Stromoligopol und Strompreise:
Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hat erklärt, dass die Behörde das Oligopol bei der Stromerzeugung erneut überprüfen müsse. Trotz des mit dem Ausbau der dezentralen Erneuerbaren Energien zunehmenden Wettbewerbs wird der Strommarkt immer noch von den vier großen Energiekonzernen RWE, Eon, EnBW und Vattenfall dominiert. Auch der Großhandel und die Preispolitik der großen Vier soll durch das Bundeskartellamt untersucht werden. Erste Ergebnisse werden im Januar 2011 vorgelegt. Mundt hob auch die Bedeutung der Markttransparenz hervor, wodurch Manipulationen im Stromhandel vorgebeugt werden könne.

 

Saudi Arabien setzt auf Solarnutzung und CSP- / PV-Produktion:
Das weltgrößte Erdölunternehmen, die Saudi Aramco, will 2011verschiedene CSP- und PV-Pilotanlagen installieren, um die geeignete Technologie für die extremen Bedingungen auf der arabischen Halbinsel zu finden. Bis 2014 sollen dann große Solarparks im Gigawattbereich realisiert werden. Auch weitere saudische Großunternehmen haben bereits eine eigene Solar-Roadmap aufgestellt. Hintergrund ist, dass Saudi Arabien jährlich rund 320 Millionen Barrel Rohöl für die eigene Stromerzeugung aufwenden muss, das entspricht rund 10% der Förderung. Bei einem derzeitigen Preis von 85 Dollar pro Barrel entspricht das 27,2 Mrd. Dollar pro Jahr. Saudi Aramco wurde in den 1970ern verstaatlicht. Mit einem Jahresumsatz von 250 Mrd. Dollar und einem rechnerischen Unternehmenswert von 781 Mrd. Dollar gilt es als wertvollstes Unternehmen der Welt und ist Quelle des Reichtums der Saud-Dynastie. Mit seinem hohen und jährlich um sechs Prozent steigenden Energiebedarf, der großen Land- und Kapitalressourcen sowie der hohen Sonneneinstrahlung hat Saudi-Arabien das Potenzial, zu einem der führenden Solarmärkte zu werden. So wird für das Jahr 2014 eine kumulierte installierte Leistung von 14 GW erwartet. Weiterhin kann das Königreich führender Standort für die Solarproduktion in der MENA Region werden. Die Standortvorteile für die Solarproduktion in Saudi-Arabien sind niedrige Kosten für Strom, Zugang zu Kapital und ein großer Wachstumsmarkt. Drei Polysilizium-Produktionsprojekte mit einer Gesamtkapazität von 16.500 Tonnen sind derzeit in Planung.

 

China hält 71,8% des Ausbaus der Produktion von Solarzellen in 2010:
Unter den zehn Unternehmen mit dem größten Zuwachs bei der Produktion von Solarzellen und -modulen sind sieben aus China. Mit einer Kapazitätssteigerung von 6,4 GW stehen sie für 71,8% des insgesamt für 2010 geplanten Ausbaus von 8,98 GW. Führend ist hier die LDK Solar Co. Ltd mit einem Zuwachs von 1,3 GW an c-Si Modulen und 120 MW an c-Si Zellen.

 

Siemens baut Elektroautoflotte zu Testzwecken auf:
Siemens hat die ersten 20 Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen. An den Standorten München und Erlangen soll eine eigene Elektroautoflotte mit insgesamt 100 Fahrzeugen aufgebaut werden. Der Flottenversuch soll dabei helfen, sowohl intelligente Ladesäulen als auch die Antriebstechnik weiterzuentwickeln. Das Produktportfolio reicht von der Ladeinfrastruktur über Komponenten im Elektroauto bis hin zur notwendigen Informations- und Kommunikationstechnologie. Derzeitige Ladesäulen benötigen für das Aufladen eines üblichen Elektroautos rund ein bis zwei Stunden. Siemens peilt einen Schnellladevorgang von höchstens einer Viertelstunde an. Steht mehr Zeit zur Verfügung, soll der Ladevorgang im Sinne der „Smart Grid Applications and Electromobility“ so gesteuert werden („Smart Grids“), dass dafür vor allem Überschüsse aus Sonnen- und Windkraft verwendet werden, für die es bislang noch keine ausreichenden Speichermöglichkeiten gibt.

 

VW-Kleinkraftwerke gehen in Serienproduktion:
Der Autobauer VW und der Stromanbieter LichtBlick starten die Serienproduktion kleiner Energieanlagen für Firmen, Praxen und Wohnhäuser, die mit VW-Motoren laufen – so genannte Keller- oder ZuhauseKraftwerke. Bereits im September 2009 hatten beide Unternehmen angekündigt, Kleinkraftwerke bauen zu wollen. Die Blockheizkraftwerke laufen mit Zwei-Liter-Gasmotoren der VW-Modelle Caddy und Touran, werden mit Erdgas befeuert und erzeugen 19 KW elektrische Leistung. 100.000 dieser Kleinkraftwerke sollen bundesweit installiert und virtuell vernetzt werden, wodurch Deutschlands größtes virtuelles Gaskraftwerk mit der Kapazität von zwei Atomkraftwerken entstehen soll. Der Strom aus den Anlagen soll die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne ergänzen. Die entstehende Wärme wird für Heizung und Warmwasser in den jeweiligen Gebäuden genutzt. VW sieht in dieser Kooperation die Realisierung zukunftsfähiger Beschäftigungsfelder im automobilnahen Bereich, da jede Anlage langfristig Arbeitsplätze bei VW sichert. Gegenüber der konventionellen Wärme- und Stromerzeugung sinkt der Energieverbrauch nach Angaben von LichtBlick um bis zu 40 Prozent.

 

Neuer Filterlüfter senkt Energieverbrauch um 43%:
Das Unternehmen Rittal hat einen neu entwickelten TopTherm Filterlüfter vorgestellt. Die innovative Diagonal-Lüftertechnik sorgt für deutlich bessere Luftzirkulation in Gehäusen und Schränken und senkt den Energieverbrauch zudem um 43%. Die innovative Diagonal-Lüftertechnik ist eine Synthese aus Radial- und Axiallüftertechnik, so dass die Ausblasrichtung nicht wie bisher in Achsrichtung des Lüfters, sondern diagonal nach außen weg verläuft. Dadurch wird eine gleichmäßige und effizientere Luftverteilung im Gehäuse bzw. Schaltschrank erreicht.

 

Größtes Geothermie-Kraftwerk Deutschlands im bayerischen Kirchweidach:
Im oberbayerischen Kirchweidach entsteht mit einer permanenten Leistung von mehr als 10 Megawatt Deutschlands größtes Geothermie-Kraftwerk (Kosten: 50 Mio. Euro). Spätestens im übernächsten Jahr sollen mehr als 15.000 Haushalte mit Strom und über ein Nahwärmenetz weitere 3.500 Haushalte mit Heizenergie versorgt werden. Dafür wird 140 Grad heißes Thermalwasser aus rund 4.000 Metern Tiefe gefördert und anschließend wieder zurückgeführt. Bayern ist mit einer installierten Leistung von insgesamt über 81 MW Vorreiter Deutschlands in der Geothermie.

 

Materialeffizienzpreis für neues Herstellungsverfahren für Zement:
Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben ein neues Herstellungsverfahren für Zement entwickelt und dafür den Deutschen Materialeffizienz-Preis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erhalten. Das neue Herstellungsverfahren benötigt nur halb so viel Energie und emittiert im Vergleich zu bisherigen Verfahren auch nur halb so viel Kohlendioxid. Die benötigte Kalkmenge wird auf ein Drittel reduziert, auf den Zumahlstoff Gips kann vollständig verzichtet werden. Derzeit errichtet die Celitement GmbH auf dem Campus Nord des KIT eine Pilotanlage.

 

CO2-Vergleichsrechner für Flugzeug, Auto und Bahn online:
Der CO2-Vergleichsrechner „UmweltMobilCheck“ der Kampagne „Klima sucht Schutz“ vergleicht die Emissionen von Flugzeug, Auto und Bahn für Strecken in Deutschland und Europa miteinander und soll so die Wahl des passenden Verkehrsmittels erleichtern. Der Verkehrssektor ist einer der größten CO2-Verursacher.
 

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