Energie & Umwelt

Informationsdienst Energie und Umwelt: KW 48

1. Neuer Weltrekord bei Windkraftanlagen:
2. Bundesnetzagentur verurteilt höhere Strompreise als ungerechtfertigt:
3. Zu hohe Strompreise summieren sich seit 2007 auf 19,4 Mrd. Euro:
4. Fraunhofer Leistungselektronik kann gesamten Energiebedarf um 20% reduzieren:
5. Energieausweis 2.0 soll Anreize zur energetischen Sanierung von Gebäuden erhöhen:
6. Einsparpotenziale für Unternehmen bei Pumpen weit im zweistelligen Bereich:
7. Süddeutschland will Windkraft über Nutzwäldern nutzen:
8. Fraunhofer-Plattform für Elektromobilität online:
9. Photovoltaik wächst 2011 weltweit um 42,3%:
10. China forciert „grüne“ Technologien, darunter massiv die Atomkraft:
11. Stadtwerke in NRW schließen sich zusammen:
12. Leistungsstabilität von Photovoltaik-Modulen nachgewiesen:
13. Umweltbundesamt zu Quecksilber aus zerbrochenen Energiesparlampen:
14. Solarworld will Lithium im Erzgebirge abbauen:

 

Neuer Weltrekord bei Windkraftanlagen:
Der WEA-Hersteller Enercon hat auf seinem eigenen Werksgelände in Magdeburg die leistungsfähigste Windenergieanlage der Welt errichtet. Eine einzige dieser Anlagen kann mit 7,5 MW rund 6.000 Haushalte versorgen. Die E-126 ist 135 m hoch, der Rotordurchmesser beträgt 127 m. 2009 betrug die durchschnittliche Leistung der neu installierten WEA 2,3 MW, die Nennleistung aller WEA in Schleswig Holstein 1,05 MW. Damit ergibt sich auch ein zunehmend größeres Potential bei dem so genannten Repowering – dem Ersatz veralteter Anlagen durch leistungsstärkere moderne Weiterentwicklungen.

 

Bundesnetzagentur verurteilt höhere Strompreise als ungerechtfertigt:
400 der 1.000 deutschen Energieversorger haben zum Jahreswechsel Preiserhöhungen angekündigt – und ernten Kritik der Bundesnetzagentur. Seit Mitte 2008 ist der Großhandelspreis für Strom kontinuierlich gesunken, die Verbraucher zahlen dennoch immer mehr. Die Agentur rief daraufhin die Verbraucher zum Anbieterwechsel auf, um den Wettbewerb auf dem Energiemarkt endlich zu forcieren. Auch die Begründung für die Preiserhöhung aufgrund des steigenden Anteils an Ökostrom wurde zurückgewiesen: Im Gegenteil, die erneuerbaren Energien würden dämpfend auf die Großhandelspreise wirken, „da sie sukzessive teure Kraftwerke aus dem Markt verdrängen“. Somit gebe es sogar einen Spielraum für Preissenkungen.

 

Zu hohe Strompreise summieren sich seit 2007 auf 19,4 Mrd. Euro:
Laut dem Vergleichsportal Verivox hat die Zurückhaltung der Verbraucher beim Wechsel zu günstigeren Stromanbietern seit 2007 vermeidbare Mehrausgaben von 19,4 Mrd. Euro zur Folge. Zugleich wies das Portal darauf hin, dass die Strompreise ohne entsprechenden Kundendruck (und damit verschärften Wettbewerb) nicht sinken würden.

 

Fraunhofer Leistungselektronik kann gesamten Energiebedarf um 20% reduzieren:
Das Fraunhofer IAF hat eine neuartige, hocheffiziente Leistungselektronik auf der Basis des neuen Halbleitermaterials Galliumnitrid entwickelt, deren Einsparpotenzial bei weit über 20% des gesamten Bedarfs an elektrischer Energie liegt. Leistungswandler kommen überall dort zum Einsatz, wo elektrischer Strom genutzt wird. Die geringe Gleichspannung bei gleichzeitig hoher Stromstärke einer Photovoltaik-Anlage muss beispielsweise für die Einspeisung in das öffentliche Netz in Wechselstrom hoher Spannung umgesetzt werden. Dieser Umwandlungsprozess ist derzeit noch hochgradig verlustbehaftet, d. h. der effektive Wirkungsgrad der Solarstromanlage sinkt. Entsprechendes gilt auch bei anderen elektrotechnischen Anlagen. Das riesige Einsparpotential ergibt sich aus den physikalischen Eigenschaften des relativ neuen Halbleitermaterials Galliumnitrid. Dieses hat gegenüber dem etablierten Halbleiter Silizium den großen Vorteil, dass es bei hohen elektrischen Spannungen und Strömen wesentlich energieeffizienter als Silizium ist. Dadurch lassen sich auch die Wirkungsgrade von Photovoltaikanlagen oder des Ladevorgangs von Elektroautos wesentlich erhöhen. Die Forscher erwarten durch den Einsatz dieser neuen Technologie insgesamt ein Einsparpotential von mehr als 50%.

 

Energieausweis 2.0 soll Anreize zur energetischen Sanierung von Gebäuden erhöhen:
Laut einer Umfrage der Deutsche Energie-Agentur GmbH spricht sich die Mehrheit der Gebäude-Energieberater für eine Weiterentwicklung und Ergänzung des Energieausweises aus. Damit sollen die Anreize zur energetischen Sanierung von Gebäuden gestärkt werden. Auf den Gebäudebereich entfallen rund 40% des deutschen Energieverbrauchs, dabei verbrauchen die privaten Haushalte rund 85% ihres Energiebedarfs allein für Heizung und Warmwasser. Laut den befragten Energieberatern würde eine Darstellung der langfristigen Energiekosteneinsparung im Energieausweis eine wichtige Impulswirkung für die energetische Modernisierung liefern. Erforderlich sei auch eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit. Beobachter diskutieren auch, inwiefern Subventionen alleine Vermieter zu einer energetischen Sanierung bewegen können, da ja die erhöhten Kosten allein der Vermieter trägt. Im Gespräch ist insofern eine vernünftige Ergänzung der Subventionen um entsprechende Sanktionen.

Einsparpotenziale für Unternehmen bei elektrischen Pumpen weit im zweistelligen Bereich:
Elektrisch angetriebene Pumpensysteme kommen in fast allen deutschen Industriebetrieben zum Einsatz, unabhängig von Größe und Branche. Sie gehören zu den größten Stromverbrauchern in Deutschland – dementsprechend groß sind hier die Einsparmöglichkeiten. Laut der Deutschen Energie-Agentur GmbH können Energieverbrauch und Kosten durch die systematische Optimierung der Pumpsysteme um mindestens 20 bis 30 Prozent reduziert werden. Die erzielten Kapitalrenditen sind dabei durchweg zweistellig und reichen von 30 bis weit über 100 Prozent. Das Projektmodul „Leuchttürme energieeffizienter Pumpensysteme in Industrie und Gewerbe“ ist eine bundesweite Kampagne der dena und wird im Rahmen der Initiative EnergieEffizienz durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Die Ergebnisse sowie Datenblätter und Pressegrafiken zu den einzelnen Projektunternehmen sind unter www.industrie-energieeffizienz.de abrufbar.

 

Süddeutschland will Windkraft über Nutzwäldern nutzen:
Rund 30% der Fläche der Bundesrepublik ist mit Wald bedeckt und daher für die Windkraft bislang nicht nutzbar. Die Schlusslichter in Sachen Windenergie, Baden Württemberg und Bayern, die sich bislang häufig gegen eine „Verspargelung“ ihrer Landschaft gewehrt hatten, prüfen nun, ungenutzte Waldgebiete (Nutzwälder) für die Windkraft zu erschließen. Dies bietet auch den Vorteil, dass die WEA weiter von bewohntem Gebiet entfernt liegen würden. Dennoch bieten Onshore-WEA den Vorteil, dass sie leichter und kostengünstiger an das Stromnetz anzuschließen sind als Offshore-Anlagen. Am 8. Dezember wollen die beiden südlichen Bundesländer nun den „Windatlas für Bayern und Baden-Württemberg“ als Grundlage für die Erschließung der süddeutschen Wälder herausgeben. In den Bayerischen Staatsforsten prüfen bereits Experten des TÜV-Süd 100 Standorte auf ihre Eignung als Windparks. Bislang galten Wälder als ungeeignete Standorte, weil der Wind zu schwach und zu turbulent über den Wipfeln weht. Mit über 100 Meter Turmhöhe erreichen die neuen Anlagen jedoch Höhen, in denen der Wind stark und gleichmäßig genug weht. Gleichzeitig bleibt eine mögliche Belästigung von Anwohnern aus. Im fränkischen Gattendorf entsteht derzeit mit fünf Zwei-Megawatt Anlagen der erste oberfränkische Wald-Windpark, der ab Ende 2010 Strom für 7.500 Haushalte liefern und jährlich rund 17.500 Tonnen CO2 einsparen soll.

 

Fraunhofer-Plattform für Elektromobilität online:
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat alle Arbeiten und Studien rund um die Elektromobilität thematisch zusammengefasst und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben aktuellen Forschungsthemen und Zwischenergebnissen noch laufender Studien bietet die Homepage auch bereits veröffentlichte Zusammenfassungen zu unterschiedlichsten Themen, die übersichtlich in einzelne Forschungsbereiche unterteilt sind, wie beispielsweise Wirtschaftlichkeit und Umweltvorteilen der Elektromobilität. Zudem wird ein Überblick über aktuelle Forschungsprojekte gegeben.

 

Photovoltaik wächst 2011 weltweit um 42,3%:
Die weltweite Photovoltaik-Leistung wird Prognosen zufolge (Wirtschaftsinstitut iSuppli) im Jahr 2011 um 42,3% wachsen und sich somit auf insgesamt 20,2 GW Gesamtleistung erhöhen. Bis 2014 wird eine Leistung von weltweit 40 GW angenommen. Deutschland ist mit knapp 50% immer noch der wichtigste Absatzmarkt, könnte aber durch die schwarz-gelben Kürzungen zunehmend ins Hintertreffen geraten und seine Technologieführerschaft in diesem wichtigen und stark wachsenden Bereich aufs Spiel setzen. Die Photovoltaikindustrie ist Jobmaschine, Technologie-Treiber und steigert kontinuierlich ihren Anteil an der Wertschöpfung unserer Volkswirtschaft.

 

China forciert „grüne“ Technologien, darunter massiv die Atomkraft:
China hat derzeit ein Energieproblem. Zwar werden die Kapazitäten rasend schnell ausgebaut, allerdings wachsen die Wirtschaft und der private Energieverbrauch noch schneller. Drei Viertel des Stroms wird aus Kohlekraftwerken gewonnen, die 13 Atomkraftwerke mit rund 10 GW tragen 2% zur Erzeugung bei. Der Rest entfällt größtenteils auf die Wasserkraft (170 GW / rund 20%) und die Windenergie (25 GW). Solarstrom ist mit einer installierten Leistung von rund 500 MW noch weitgehend unbedeutend. Peking plant, den gewaltigen Energiehunger des Reichs der Mitte durch CO2-arme Technologie aufzufangen. Bis 2020 soll die Energieeffizienz um 40-45% im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum zulegen, dafür werden 740 Mrd. Dollar investiert. Nun hat China angekündigt, auch sein Atomprogramm weiter aufzustocken. Derzeit befinden sich 24 AKWs im Bau, so dass bis 2020 die installierte Leistung von 10 GW auf rund 40 GW steigen wird. In einem neuen Energiekonzept, das in den kommenden Monaten vorgestellt werden soll, dürfte der Zielwert dann auf 70-90 GW in 2020 hochgeschraubt werden (ein modernes AKW leistet in der Regel zwischen 1 bis 1,5 GW). Dabei will China seine Kraftwerke künftig nicht mehr vom Ausland bauen lassen, sondern größtenteils mit eigener Technologie verwirklichen. Das Atomkraftwerks-Know-how soll dann auch als Exportgeschäft betrieben werden. Erst vor wenigen Wochen wurde der langjährige Chef des zivilen und militärischen Atomprogramms, der Generaldirektor des Staatsunternehmens „China National Nuclear Corporation“ (CNNC) mit Ministerrang, wegen Korruption (727.000 Euro) zu lebenslanger Haft verurteilt.

 

Stadtwerke in NRW schließen sich zusammen:
Die Stadtwerke der Städte Bochum, Oberhausen, Essen, Duisburg und Dortmund wollen sich zusammenschließen und damit den beiden Energieriesen Eon und RWE in ihren Heimatmärkten die Stirn bieten. Durch den Zusammenschluss erhöht sich die Marktmacht der kommunalen Versorger. Zusammen will das Konsortium zunächst Anteile am Energieversorger Steag in Höhe von 51% übernehmen und damit die größte Erzeugungsplattform im konventionellen und regenerativen Bereich in Deutschland schaffen. Auch soll die Zusammenarbeit mit RWE bei den Konzessionen für die Stromnetze nicht fortgesetzt werden.

 

Leistungsstabilität von Photovoltaik-Modulen nachgewiesen:
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat mit einer Leistungsmessung die Leistungsstabilität von Photovoltaikmodulen der Firma SCHOTT Solar nachgewiesen. Nach einer Betriebszeit von 26 Jahren erzielten diese immer noch 92% ihrer ursprünglichen Leistung. Die damalige Leistungsgarantie (1984) lag bei 90% nach zehn Jahren.

 

Umweltbundesamt zu Quecksilber aus zerbrochenen Energiesparlampen:
Energiesparlampen verbrauchen rund 80% weniger Strom und haben eine weitaus höhere Lebensdauer. Nachteil ist, sie enthalten Quecksilber. Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) ergaben, dass unmittelbar nach einem Bruch die Quecksilber-Belastung um das 20-fache über dem Richtwert für Innenräume liegen kann. Sowohl nach fünf Minuten als auch nach fünf Stunden wurden – wenn die Bruchstücke länger liegen bleiben – in einem Meter über dem Fußboden Konzentrationen an Quecksilber gemessen, die die Gesundheit von Schwangeren, kleinen Kindern und empfindlichen Personen beeinträchtigen können. Untersuchungen anderer Institutionen zeigen jedoch, dass die Quecksilber-Konzentration im Innenraum nach ordnungsgemäßer Beseitigung der zerbrochenen Energiesparlampe schnell wieder deutlich abnimmt (Lüften ist wichtig). Daher rät das UBA, für Kinderzimmer und Orte, an denen ein erhöhtes Bruchrisiko vorliegt, Energiesparlampen einzusetzen, die mit einer Kunststoffummantelung oder anderen Schutzmaßnahmen gegen Zerbrechen gesichert sind. UBA-Präsident Jochen Flasbarth: „Das Quecksilber ist die Achillesferse der Energiesparlampen. Daher brauchen wir mittelfristig eine Lampentechnik, von der keine Quecksilberbelastung ausgeht.“ Hier sei die Industrie gefragt. Geschehe dies nicht freiwillig, müsse die EU das gesetzlich vorschreiben. Auch sollte die Industrie verpflichtet werden, Warn- und Beseitigungshinweise den Verpackungen beizufügen. Zudem fordert das UBA den Handel auf, freiwillig ein einheitliches und flächendeckendes Rücknahmesystem einzurichten. Sollte dies nicht zügig gelingen, soll der Gesetzgeber die haushaltsnahe Rücknahmepflicht gesetzlich vorschreiben. Wegen des Quecksilberanteils dürfen Energiesparlampen keinesfalls in den Hausmüll oder in den Altglascontainer. Bislang müssen sie an den Recyclinghöfen abgegeben werden. Dies sei jedoch für die Verbraucher unzumutbar.

 

Solarworld will Lithium im Erzgebirge abbauen:
Das Photovoltaik-Unternehmen Solarworld will zusammen mit der Bergakademie Freiberg im Erzgebirge das seltene Metall Lithium abbauen. Lithium wird vor allem für die Herstellung von modernen Hochleistungsbatterien beispielsweise für Elektroautos und Handys benötigt. Bislang wird das Metall in Deutschland ausnahmslos importiert. Die Lagerstätte Zinnwald-Georgenstadt im Erzgebirge gilt unter Forschern mit bis zu 50.000 Tonnen als eine der größten der Welt.
 

ElSchnuppero

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.