Technologie

Informationsdienst Technologie und Innovationen: KW 46

1. IT | Schnellster Supercomputer der Welt steht nun in China:
2. Transgene Mücken rotten eigene Population aus:
3. Analysegerät für Kaffeeduft wird hochsensibler Sprengstoffdetektor:
4. Ein Netzwerk privater Notebooks soll Erdbebenhilfe unterstützen:
5. Facebook verbindet Email, Facebook-Nachrichten, Chat und SMS
6. Stuxnet-Wurm entschlüsselt – hoch spezialisiert gegen iranische Atomanlage:
7. AMD, Intel, Nokia – gemeinsames Betriebssystem auf Linux-Basis:
8. Millionen-Förderung für neue Superkondensatoren:
9. Intelligente lichtdurchlässige Textilien helfen Heizkosten sparen:
10. Spezial-Pflanzen zur Behandlung arsenbelasteter Böden:

 

IT | Schnellster Supercomputer der Welt steht nun in China
Auf der zwei Mal im Jahr veröffentlichten Liste über die schnellsten Rechner der Welt hat der im Oktober vorgestellte Tianhe 1A („Milchstraße“) im chinesischen Tianjin den ersten Platz übernommen und damit den bisherigen Spitzenreiter aus den USA auf den zweiten Rang verwiesen (1,75 Petaflops). Der chinesische Supercomputer, der für die wissenschaftliche Forschung eingesetzt werden soll, wurde von der Nationalen Universität für Verteidigungstechnologie entwickelt und verfügt über eine Leistung von 2,57 Petaflops (Billiarden Rechenschritte pro Sekunde). Platz drei ging ebenfalls an China, mit dem Supercomputer-Zentrum im südchinesischen Shenzen, das eine Spitzenleistung von 1,27 Petaflops erreicht. Der vierte Platz ging an Japan. Der deutsche Supercomputer Jugene in Jülich gehört mit 825 Teraflops (Billionen Rechenschritte pro Sekunde) immer noch zu den zehn schnellsten Rechnern der Welt (von Platz fünf auf Platz neun abgerutscht), wurde aber von dem französischen Tera-100 der französischen Atomenergiebehörde als schnellster Computer Europas abgelöst.

 

Transgene Mücken rotten eigene Population aus:
Auf den Cayman-Inseln wurden dieses Jahr in einem Feldversuch rund drei Millionen gentechnisch veränderter Gelbfiebermücken freigesetzt, um das Denguefieber zu bekämpfen, gegen den es noch keinen Impfstoff gibt. Bei den freigesetzten Mücken handelte es sich um Männchen, die ein zusätzliches Gen besitzen. Das dadurch erzeugte Protein ist für den von ihnen gezeugten Nachwuchs tödlich und lässt ihn noch im Larvenstadium absterben. Durch die hohe Zahl an transgenen Männchen konnte die Population auf ein Fünftel gesenkt werden – und damit die Wahrscheinlichkeit, mit der gefährlichen Krankheit angesteckt zu werden.

 

Analysegerät für Kaffeeduft wird hochsensibler Sprengstoffdetektor:
Innsbrucker Physiker haben eine bereits Anfang 2008 entwickelte, hochsensible Sensortechnologie zum Aufspüren gefährlicher Stoffe wie Sprengstoff (jüngste Paketbombenfunde) und chemische Kampfmittel weiter verbessert, so dass selbst geringste Konzentrationswerte entdeckt werden. Der PTR-MS-Sensor (verpackt in einen rund 50 kg schweren Rollcontainer) entdeckt dabei in Echtzeit ein einzelnes Stoffteilchen unter 10.000 Milliarden Luftmolekülen. Die Firma Ionicon Analytik, eine Uni-Ausgründung, hatte das Gerät ursprünglich mit Nestlé zum Kaffeetesten entwickelt, als naturwissenschaftliches Modell zur Bewertung von Kaffeeduft, um eine Vorauswahl von Kaffeesorten und Röstungsvarianten zu treffen.

 

Ein Netzwerk privater Notebooks soll Erdbebenhilfe unterstützen:
Erdbebenforscher haben einen Weg gefunden, gängige Notebooks als Erdbebensensoren zu verwenden. Damit können speziell ärmere Entwicklungsländer, die sich keine flächendeckenden Hightech-Geräte leisten können, so genannte Breitband-Seismometer, kostengünstig einen schnellen Überblick über die Schäden eines Bebens bekommen – eine Grundvoraussetzung für schnelle und zielgerichtete Hilfe, die vielen Menschen das Leben retten kann. Möglich ist dies, da jedes Notebook einen mikroelektromechanischer Sensor hat (MEMS). Dieser registriert Beschleunigungen, um bei Stürzen die Festplatte rechtzeitig auszuschalten und dadurch die Daten zu sichern. Diese Sensoren können allerdings auch Erdbeben registrieren und mit der geeigneten Software auch aufzeichnen, wodurch die Wissenschaftler und Rettungskräfte die benötigten Daten erhalten. Voraussetzung dafür sind lediglich eine Internetverbindung und ein spezielles Programm. In dem Bündnis "Quake Catcher Network" (QCN) versuchen die Wissenschaftler nun, möglichst viele Freiwillige als Hobby-Seismologen zu gewinnen.

 

Facebook verbindet Email, Facebook-Nachrichten, Chat und SMS
Das soziale Netzwerk Facebook hat den Start einer integrierten Nachrichtenplattform bekannt gegeben und will damit Emails ins 21. Jahrhundert bringen. Hintergrund ist, dass Nutzer Emails vielfach als „zu langsam“ bezeichneten und stattdessen SMS, Instant Messaging oder Facebook bevorzugen. Der neue Ansatz ist nun ein zentraler, diensteübergreifender Posteingang. In diesem Ordner können alle Nachrichten, Chats aber auch SMS oder Emails gesammelt werden – Voraussetzung ist allerdings, dass der Nutzer in seinen Privatsphäre-Einstellungen die jeweiligen Posteingänge freigegeben hat. Gruppenkonversationen sollen ebenso möglich sein, wie das Erstellen einer Historie einer Konversation mit allen Postings. Ein Problem könnte der Datenschutz werden, da alle Mail-Adressen von Personen gesammelt werden müssen, die mit Facebook-Nutzern kommunizieren, damit das Produkt funktioniere. Auch auf der neuen Nachrichtenseite sollen analog zu den anderen Facebook-Seiten Werbeanzeigen placiert werden.

 

Stuxnet-Wurm entschlüsselt – hoch spezialisiert gegen iranische Atomanlage:
Vor fünf Monaten hatte das Schadprogramm Stuxnet weltweit industrielle Steuerungsanlagen befallen. Experten des Sicherheitsdienstleisters Symantec haben den Code nun entschlüsselt und sind sich nahezu sicher: Stuxnet war zur Sabotage der iranischen Atomindustrie, insbesondere der Urananreicherungsanlagen des Landes, konzipiert und in Umlauf gebracht worden. Der Schädling ist nicht vergleichbar mit anderen Viren oder Trojanern, die weltweit im Umlauf sind, sondern ein ganz anderes Kaliber.Er ist hoch spezialisiert – sein Ziel ist eine spezielle Steuerungssoftware von Industrieanlagen. Im Detail geht es um Aggregate zur Urananreicherung wie sie in der vom Schadprogramm angesprochenen Form weltweit nur in Finnland und im Iran eingesetzt werden. Für diese Art von Manipulation ist immenses Detailwissen vonnöten, von den Steuerungsrechnern ebenso wie von den Industrieanlagen. Vermutungen gehen von amerikanischen oder israelischen Geheimdienstkreisen aus. Stuxnet kann Großindustrie-Anlagen sabotieren, massive Schäden anrichten, aber auch digitale Dokumente entwenden. Zunächst hatte Stuxnet Windows-Computer infiziert. Als Einfallstor in einen Windows-PC diente ein USB-Stick. Stuxnet nutzte eine Sicherheitslücke in der Autostart-Funktion, die ein angeschlossener Stick auslöst. Anschließend verschaffte sich der Wurm Administratorrechte und verbreitet sich im lokalen Netzwerk. Schließlich drang er in sein Ziel ein, eine spezielle Steuerungssoftware, mit der hoch spezialisierte Industrieanlagen programmiert werden – in dem Fall des AKW im Iran war das die Urananreicherungs-Zentrifuge, dessen Steuerungsrechner ist eine Siemens-Spezialanfertigung. Stuxnet war dann in der Lage, die programmierte Drehzahl der Zentrifuge unbemerkt zu ändern. Dadurch wird die Qualität des Produkts beeinflusst, es lässt sich aber auch der Verschleiß der Anlagen erhöhen und sogar soweit manipulieren, dass sie außer Kontrolle geraten und sich nicht mehr abschalten lassen. Symantec berichtet, dass Stuxnet weltweit über 100.000 System befallen hat, davon befinden sich über 60 Prozent im Iran, gefolgt von Indonesien und Indien. Auch in den USA, Großbritannien und einigen ehemaligen Sowjet-Republiken konnte sich der Schädling einnisten.

 

AMD, Intel, Nokia – gemeinsames mobiles Betriebssystem auf Linux-Basis:
AMD, Intel und Nokia arbeiten künftig gemeinsam an Meego, ein freies Betriebssystem auf Linux-Basis für mobile Geräte. Nokia ist zwar derzeit noch mit seinem Betriebssystem Symbian auf Open Source Basis Weltmarktführer, verliert aber gegenüber Googles Android (ebenfalls Open Source) zunehmend an Boden. Nokia denkt dabei offenbar schon an die Zeit nach Symbian. AMD argumentiert, dass die Grenzen zwischen Hard- und Software zunehmend verschwimmen – aktuelle Produkte müssen daher nicht nur aus Hardware-, sondern auch aus Softwaresicht betrachtet werden. Die im PC Segment führenden AMD und Intel sind bei Smartphones und Tablet-PCs nur geringfügig vertreten. Durch den Schulterschluss soll im mobilen Bereich Zugriff auf eine Betriebssystem-Umgebung erlangt werden.

 

Millionen-Förderung für neue Superkondensatoren:
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit 1,5 Millionen Euro und zehn neuen Stellen die Entwicklung von Superkondensatoren an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Superkondensatoren sind neue, flexible Energiespeicher, die Strom zuverlässig und schnell verfügbar halten und besonders im Bereich der schwankenden Erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen sollen. Super-Kondensatoren können deutlich größere Energiemengen speichern als andere Energiespeichersysteme und lassen sich zu einem modularen System zusammenführen, um die verfügbare Leistung bzw. die gespeicherte Energie anzupassen. Die derzeit gebräuchlichsten dezentralen Energiespeicher sind Akkumulatoren und Batterien, also elektrochemische Speicher. Dem gegenüber speichern Kondensatoren die Energie elektrostatisch also physikalisch, indem Plattenkondensatoren elektrisch aufgeladen werden.

 

Intelligente lichtdurchlässige Textilien helfen Heizkosten sparen:
Forscher der Hohenstein Institute in Bönnigheim und des ITCF Denkendorf haben intelligente textile Materialien entwickelt, die nicht nur lichtdurchlässig sind, sondern gleichzeitig in der Lage sind, ihre Wärme-Durchlässigkeit den jeweiligen Umgebungstemperaturen anzupassen. Die lichtdurchlässigen Textilien sind in der Lage, selbstständig/intelligent je nach Wärme- bzw. Kühlungsbedarf Infrarot-Strahlung hindurch zu lassen bzw. zu reflektieren und damit entscheidend zur Verringerung der Heiz- bzw. Klimatisierungskosten beizutragen. Bislang war über spezielle Verglasungstechniken entweder nur ein Wärmeschutz im Sommer und dafür höhere Heizkosten im Winter, oder umgekehrt, hohe Durchlässigkeit für Infrarotstrahlen und damit der gegenteilige Effekt möglich. Dieses Dilemma wird durch die neuartigen textilen Sonnenschutzmaterialien gelöst, die sich intelligent an die jeweiligen Jahreszeiten (Umgebungstemperaturen) anpassen.

 

Spezial-Pflanzen zur Behandlung arsenbelasteter Böden:
Eine internationale Forschungskooperation aus der Schweiz, Südkorea und den USA haben zwei Gene, welche die Akkumulation und Entgiftung von Arsen in pflanzlichen Zellen kontrollieren, identifiziert. Dies ist besonders für die Sanierung von Arsen- oder mit Schwermetallen belasteten Böden von großer Bedeutung. Grundwasserförderung aus tiefen Gesteinsschichten in Südost-Asien sowie der Bergbau in China, Thailand oder den Vereinigten Staaten, haben dazu geführt, dass in vielen Gebieten der Arsengehalt des Wassers die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Konzentration von 10 μg/L übersteigt – mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit. Die toxischen Metalle finden zudem über Pflanzen Eingang in die Nahrungskette. Die Kontrolle dieser Gene dürfte es nun ermöglichen, Pflanzen zu entwickeln, die fähig sind, den Transfer giftiger Metalle von der Wurzel bis in die Blätter und die Samen zu unterdrücken, und damit den Eintritt von Arsen in die Nahrungskette zu begrenzen. Gleichzeitig haben die Forscher eine Methode entdeckt, wie Pflanzen produziert werden können, die mehr giftige Schwermetalle aufnehmen und speichern könnten, und die sich zur Entgiftung von verschmutzten Böden verwenden liessen. Diese Pflanzen würden anschliessend in Hochöfen verbrannt, um die toxische Elemente zu eliminieren.

 

ElSchnuppero

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