Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 06.12.2010

1. IWF fordert eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms:
2. USA wollen Geldflutung zur Konjunkturstimulierung fortsetzen:
3. USA und Südkorea zeichnen Freihandelsabkommen:
4. China will Geldpolitik verschärfen und Wechselkurs flexibilisieren:
5. Syrien und EU-Aspirant Ukraine verhandeln über Freihandelsabkommen:
6. Russland 2011 eventuell wieder in den schwarzen Zahlen:
7. China investiert 1,5 Billionen Dollar in Hightech:
8. Deutsche Reeder wollen besseren Schutz vor Piraten erhalten:
9. Russische Börsen dementieren Berichte über Allianz mit der Deutschen Börse:
10. Katar stärkt als „weißer Ritter“ die Reihen Hochtiefs im Abwehrkampf:
11. VW plant 50.000 neue Stellen, 10% davon in Deutschland:
12. Anziehender Absatzmarkt beendet Rabattschlacht bei Autos:
13. Telekom plant Klage gegen Netzagentur wegen halbierten Entgeltes:
14. Änderungen im MDax und SDax:
15. Bergbau-Gigant Rio Tinto bietet 3,5 Mrd. Dollar für Riversdale:
16. Emirates Airlines nimmt Lufthansa den Titel des Langstreckenweltmeisters ab:
17. AOL erwägt eigene Zerschlagung und Fusion mit Yahoo:

 

IWF fordert eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms:
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich für eine hat sich für eine Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms ausgesprochen. Damit soll etwaigen Gerüchten oder Verunsicherungen der Märkte vorgebeugt werden. Die Schuldenkrise sei eine ernste Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung, daher solle die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Käufe von Staatsanleihen zur Stabilisierung der Märkte ausweiten.

 

USA wollen Geldflutung zur Konjunkturstimulierung fortsetzen:
US-Notenbankchef Ben Bernanke hält ein Festhalten an der Politik der Geldflutung für möglich. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sei nach wie vor prekär und der Wirtschaft fehle der nötige Schwung. Die Arbeitslosenzahlen erreichten im November mit 9,8% den höchsten Stand seit April. Laut Bernanke könnte sich dieser Zustand auch noch vier oder fünf weitere Jahre hinziehen. Eine weitere geldpolitische Lockerung sei daher „gewiss möglich“, hänge aber von der Inflation ab. Erst im November hatte die Fed angekündigt, das Gelddrucken fortzusetzen und innerhalb der nächsten acht Monate weitere 600 Mrd. Dollar auf den Markt zu werfen. Einen Rückfall in die Rezession schließt der Fed-Chef jedoch aus: in vielen Wirtschaftsbereichen wie etwa dem Häusermarkt könne es gar nicht mehr viel weiter bergab gehen.

 

USA und Südkorea zeichnen Freihandelsabkommen:
Nach drei jährigen Verhandlungen haben die Präsidenten Der USA und Südkoreas ein Freihandelsabkommen gezeichnet. Die Vereinbarung bringe beiden Ländern große wirtschaftliche Vorteile, da sie die Interessen beider Länder ausgeglichen widerspiegelt und die Grundlage für Gewinne auf beide Seiten legt, so Präsident Lee Myung-bak. Die Vereinbarung muss noch von den Parlamenten ratifiziert werden und dürfte Mitte 2011 in Kraft treten. Größter Knackpunkt waren die Verhandlungen die Automobil- und Lkw-Industrie betreffend. Demnach werden die Zölle in diesem Bereich erst innerhalb der nächsten Jahre stufenweise gesenkt. Die EU hatte ebenfalls seit 2007 mit Südkorea über eine Freihandelszone verhandelt. Das entsprechende Abkommen wurde im Oktober 2010 gezeichnet und wird ab Mitte 2011 schrittweise umgesetzt.

 

China will Geldpolitik verschärfen und Wechselkurs flexibilisieren:
Peking hat angekündigt, ab nächstem Jahr die Geldpolitik zu verschärfen, um den Inflationsdruck und die Gefahr einer Blasenbildung zu reduzieren. Gleichzeitig soll die – insbesondere von den USA geforderte – monetäre Politik flexibler und effizienter werden. Näheren Informationen zu den geplanten Schritten liegen indes noch nicht vor. Bereits im Oktober und November wurden in mehreren Schritten die Kredit- und Geldpolitik verschärft, unter anderem mit einer Erhöhung der Eigenkapitalvorschriften der Banken.

 

Syrien und EU-Aspirant Ukraine verhandeln über Freihandelsabkommen:
Syrien und der osteuropäische EU-Beitrittskandidat Ukraine verhandeln derzeit über die Energiewirtschaft und die handelsökonomische Zusammenarbeit. Demnach sollen ukrainische Unternehmen mit der Gründung eines Joint Ventures an der Erschließung syrischer Erdölvorkommen mitarbeiten. Ein weiterer Bereich ist die Beteiligung ukrainischer Unternehmen an Projekten zur Entwicklung der Elektroenergiewirtschaft in Syrien. Erst Ende November hatte das Europaparlament die Ukraine-Resolution gebilligt, wonach Kiew berechtigt wird, die EU-Mitgliedschaft zu beantragen.

 

Russland 2011 eventuell wieder in den schwarzen Zahlen:
Laut Prognosen der US-Bank Goldman Sachs könnte der russische Haushalt bereits 2011 wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren. 2009 hatte Russland zum ersten Mal seit 1999 mit minus 5,9% einen defizitären Haushalt. 2008 hatte der Haushaltsüberschuss noch 4% betragen. Ob bereits 2011 oder wie von Moskau prognostiziert erst 2014/15 das Defizit ausgeglichen wird, hängt von der Höhe des Ölpreises ab. Moskau rechnet für die nächsten drei Jahre mit 75 bis 79 Dollar pro Barrel, Goldman Sachs hingegen mit 100 Dollar zum Jahresbeginn 2011 und 110 Dollar zum Jahreswechsel 2011/12.

 

China investiert 1,5 Billionen Dollar in Hightech:
China investiert in den kommenden fünf Jahren rund 1,5 Billionen US-Dollar in die High-Tech-Industrie. Demnach sollen jährlich 300 Mrd. Dollar (5% des BIP) für sieben strategische Sparten ausgegeben werden: Biotechnologien, Erneuerbare Energien, High-Tech-Anlagen, Informationstechnologien, neuartige Stoffe, sowie auch die Autoindustrie und Technologien zur Erhöhung der Energieeffizienz. Mit dem Investitionsprogramm soll der Aufstieg vom Billigwarenlieferanten zum Spitzenreiter auf dem High-Tech-Markt gelingen.

 

Deutsche Reeder wollen besseren Schutz vor Piraten erhalten:
Die deutschen Reeder stellen, gemessen an der Schiffsgröße, rund ein Drittel der weltweiten Containerschifffahrt. Die rund 400 deutschen Schiffe passieren etwa 1.700 mal im Jahr die Küste vor Somalia. Die Verlängerung der EU-Mission Atalanta zur Bekämpfung des Piratenproblems sei daher zwar zu begrüßen, reiche aber nicht aus. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) will nun im Januar mit dem Innen- und dem Verteidigungsministerium beraten, wie der Schutz der Schifffahrt gesichert werden kann. Allerdings ist der staatliche Schutz der Schiffe in den Gewässern vor Somalia aus verfassungsrechtlichen schwierig. Eine weitere Möglichkeit wären private Sicherheitsunternehmen.

 

Russische Börsen dementieren Berichte über Allianz mit der Deutschen Börse:
Die russischen Börsen RTS und MICEX haben den Berichten widersprochen, Gespräche mit der Deutschen Börse AG über die Gründung einer Allianz zu führen. Das Ziel der Allianz sei es laut Medienberichten, das Handelsvolumen in zunehmender Konkurrenz mit London und Hongkong aufzustocken. Die russische Börse MICEX bestätigte einen intensiv Austausch mit der Deutschen Börse, allerdings gehe es hierbei um einen Erfahrungsaustausch, von einer Fusion sei momentan keine Rede. Am Freitag hatte auch der Chef der föderalen Behörde für die Finanzmärkte Russlands, Wladimir Milowidow, geäußert, dass MICEX, RTS und die Deutsche Börse „seit einiger Zeit“ verhandeln würden und der Prozess der Gründung einer Allianz zwischen den drei Börsen aufmerksam beobachtet werde.

 

Katar stärkt als „weißer Ritter“ die Reihen Hochtiefs im Abwehrkampf:
Die Holding des Emirats Katar (Ausrichter der Fußball-WM 2022) wird nach einer Kapitalerhöhung des größten deutschen Bauunternehmens Hochtief alle neuen Aktien erwerben und damit künftig knapp 9,1% der Anteile halten. Hochtief fließen damit rund 400 Millionen Euro zu. Dadurch erhält der von einer feindlichen Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS bedrohte Baukonzern eine lang erhoffte Rückendeckung.

 

VW plant 50.000 neue Stellen, 10% davon in Deutschland:
Der VW-Konzern, Europas größter Autobauer und Nummer zwei weltweit, plant innerhalb der nächsten Jahre 50.000 neue Stellen in seinem Kerngeschäft zu schaffen, 5.000-6.000 davon in Deutschland. Zudem müssen rund 60.000 Mitarbeiter innerhalb der nächsten fünf Jahre ersetzt werden. Derzeit beschäftigt VW weltweit 400.000 Mitarbeiter. Änderungen gebe es auch bei den Leiharbeitern: VW beschäftigt weltweit rund 20.000 Leiharbeiter, davon 6.000 in Deutschland. Das seien mehr als wünschenswert. Vor kurzem wurden 400 in die Stammbelegschaft übernommen. Abhängig von der Konjunkturentwicklung werde Anfang 2011 die nächste größere Gruppe folgen.


Anziehender Absatzmarkt beendet Rabattschlacht bei Autos:

Die Autokäufer müssen sich wieder auf höhere Preise einstellen. Aufgrund des anziehenden
Absatzmarktes sehen die Autobauer keinen Grund mehr für die Lockangebote. Diese hatten nach dem Auslaufen der Abwrackprämie ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Noch im Herbst gab es zum Teil Nachlässe bei Neuwagen von bis zu 39%. Im November gab es im Schnitt nur noch Nachlässe von 11%.

 

Telekom plant Klage gegen Netzagentur wegen halbierten Entgeltes:
Ende November hatte die Bundesnetzagentur verfügt, den Grundtarif für Handygespräche von knapp 7 Cent auf 3,4 Cent die Minute zu halbieren. Das ist die Gebühr, die die Deutsche Telekom den Wettbewerbern in Rechnung stellt, wenn Anrufe aus den Netzen der Konkurrenz bei Telekom-Kunden eingehen. Die Telekom prüfe nun eine Klage gegen diese Preisverfügung.

 

Änderungen im MDax und SDax:
Wegen der mehrheitlichen Übernahme durch die Deutsche Bank wird die Post Bank den MDax, den Index der mittelgroßen Werte, verlassen. Der Anteil der frei handelbaren Post Bank Aktien rutscht damit unter 10 Prozent, ein KO-Kriterium für die Zugehörigkeit zu Indizes wie Dax, MDax, TecDax oder SDax. Stattdessen wird die bisher im SDax gelistete Deutschen Wohnen AG in den MDax aufrücken. Dessen Nachfolger im SDax wird der Lkw-Zulieferer SAF Holland. Außerdem muss der IT-Dienstleister Teleplan wegen der Übernahme durch den niederländischen Finanzinvestor Gilde den SDax verlassen. Nachfolger wird der Weinhändler Hawesko.

 

Bergbau-Gigant Rio Tinto bietet 3,5 Mrd. Dollar für Riversdale:
Der britisch-australische Bergbau-Gigant Rio Tinto will seinen kleineren Rivalen Riversdale
für 3,5 Mrd. Dollar übernehmen. Riversdale hat zahlreiche Kokskohle-Bergwerke in Mosambik, mit einem Weltmarktanteil zwischen fünf und zehn Prozent. Rio Tintos Einkaufstour war zuletzt immer wieder verhindert worden: Kartellwächter hatten ein Joint Venture mit seinem australischen Konkurrenten BHP Billiton (Nummer zwei und Nummer drei der Welt) untersagt, die Übernahme des kanadischen Düngemittelproduzenten Potash scheiterte an den kanadischen Behörden.

 

Emirates Airlines nimmt Lufthansa den Titel des Langstreckenweltmeisters ab:
Die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai hat der deutschen Lufthansa die Spitzenposition unter den Langstreckenfliegern abgenommen. Emirates hat seinen fünfzehnten Airbus A380  übernommen und verfügt jetzt mit insgesamt 155 Langstreckenflugzeugen über eine Maschine mehr als der bisherige Marktführer Lufthansa. Die Fluglinien vom persischen Golf haben zudem Kaufoptionen für 525 Großraumflugzeuge für die nächsten zehn Jahre vereinbart, die führenden europäischen Linien dagegen für nur rund 150. Moderne Flugzeuge haben einen deutlich niedrigeren Verbrauch, was sich auch auf die Kostenstruktur auswirkt. Die Emirate am persischen Golf versuchen sich auf das Post-Erdöl-Zeitalter einzustellen, in dem sie ihre Wirtschaften sukzessive differenzieren. Dabei spielt ihre Lage als Handels- und Logistikdrehscheibe eine zentrale Rolle.

 

AOL erwägt eigene Zerschlagung und Fusion mit Yahoo:
Der US-Internetkonzern AOL erwägt seine eigene Zerschlagung und eine anschließende Fusion mit Yahoo. Die Pläne sind allerdings erst in der Anfangsphase und noch nicht ausgereift. Demnach würde das traditionelle Geschäft mit Internetzugängen von der Onlinewerbung abgespaltet und letzteres mit Yahoo fusioniert. 2001 waren AOL und Time Warner für rund 100 Mrd. Dollar fusioniert („Jahrhunderthochzeit“), nach dem Platzen der Internetblase blieben gigantische Schulden. Im Dezember 2009 wurde AOL dann aus dem ehemaligen Konzern AOL Time Warner herausgelöst und an die Börse gebracht.
 

ElSchnuppero

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