Wirtschaft

Informationsdienst Wirtschaft und Unternehmen: 24.11.2010

1. US-Wachstum gut, aber Aussichten nach unten korrigiert:
2. Binnenkonjunktur legt zu und trägt Wachstum ebenso stark wie der Export:
3. Haushaltsberatungen 2011 sehen trotz Aufschwung Rekordneuverschuldung vor:
4. Finanzaufsicht BaFin stockt Personal um 13% auf:
5. Schufa bietet Auskünfte zur Zahlungsfähigkeit von 1,5 Millionen Betrieben:
6. Großrazzien gegen Hedgefonds im größten Insiderskandal der Wall Street:
7. Oracle-SAP-Prozess endet mit 1,3 Mrd. Dollar Schadensersatz:
8. HP steigert Gewinn auf 8,8 Mrd. Dollar und erhöht Forschung um 20%:
9. Porsche und Audi ringen um Sportwagenführung im VW-Konzern:
10. VW-Kleinkraftwerke gehen in Serienproduktion:
11. Indische Mahindra kauft insolventen koreanischen Autobauer Ssangyong:
12. K+S übernimmt kanadischen Explorationsspezialisten Potash One:
13. Metro zieht sich aus Marokko zurück:

 

US-Wachstum gut, aber Aussichten nach unten korrigiert:
Das US-Wirtschaftswachstum hat sich nach der Schwäche im Frühjahr besser erholt als erwartet. Aufs Jahr hochgerechnet wuchs die US-Wirtschaft im dritten Quartal um 2,5%, nach 1,7% im zweiten Quartal und 3,7% im ersten Quartal. Allerdings werde bis zu einer Normalisierung von Wachstumsraten, Arbeitslosigkeit und Inflation nach Ansicht des Offenmarktausschusses der Notenbank noch fünf bis sechs Jahre vergehen. Die Wachstumsprognose für 2011 wurde um einen halben Prozentpunkt auf 3,0 bis 3,6% zurückgenommen. Für 2012 werden 3,5 bis 4,5% erwartet. Die Arbeitslosenquote wird 2011 nach den neusten Erwartungen bei 8,9 bis 9,1 Prozent liegen, während bisher noch 8,3 bis 8,7 Prozent prognostiziert wurden. Das Konjunkturbarometer des Conference Board belegt jedoch Optimismus und stieg bereits den vierten Monat in Folge. Auch die Konsumausgaben, die zu 70% zur Wirtschaftsleistung der USA beitragen, legten wieder zu, gleichfalls die Löhne und auch der Export.

 

Binnenkonjunktur legt zu und trägt Wachstum ebenso stark wie der Export:
Der Konsumklimaindex der Nürnberger Marktforschungsgesellschaft GfK weist den höchsten Stand seit drei Jahren aus. Die zulegende Binnenkonjunktur trug im dritten Quartal mit einem Wachstum von real 0,7% ebenso viel zum Wirtschaftswachstum bei, wie der stets starke Export. Dadurch gewinne der Wachstum laut Analysten an Breite und werde stabiler. Den Grund für die höhere Binnennachfrage liege laut Michael Bräuninger vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) vor allem in der positiven Beschäftigungs- und Lohnentwicklung. Die Wirtschaftsweisen erwarten dementsprechend sogar, dass die Konsumausgaben 2011 mit 1,6% noch stärker zulegen werden. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP): „Von der Außenwirtschaft angestoßen, wird er nun immer stärker von der Binnenwirtschaft getragen.“ Es werde wieder investiert, die Einkommen stiegen und der private Konsum trage zunehmend das Wachstum in Deutschland. Nun erwartet der Handel zunächst ein üppiges Weihnachtsgeschäft. Laut GfK-Erhebungen wollen die Deutschen im Durchschnitt 245 Euro für Geschenke ausgeben, insgesamt rund 14 Milliarden Euro. Auf Bekleidung/Accessoires entfallen dabei 1,74 Milliarden, auf Spielwaren 1,57 Milliarden, auf Bücher 1 Milliarde, auf Lebensmittel 650 Millionen und auf Schmuck und Uhren 640 Millionen Euro. Der Handel macht traditionell ein Fünftel des Jahresumsatzes in den Weihnachtsmonaten. Bei typischen Geschenken wie Spielwaren oder Uhren und Schmuck sind es sogar bis zu 30%. Auch das „Angstsparen“ sei rückläufig: Die Sparquote fiel im dritten Quartal auf 9,6%, nach 15,2% zu Jahresbeginn und 11,0% im Frühjahrsquartal.

 

Haushaltsberatungen 2011 sehen trotz Aufschwung Rekordneuverschuldung vor:
Im kommenden Jahr sollen mit 305,8 Milliarden Euro rund 14 Milliarden Euro weniger ausgegeben werden als in diesem Jahr (der Arbeits- und Sozialetat wird um 10% auf 130 Mrd. Euro gekürzt). Aufgrund von angeblich sinkenden Einnahmen ist jedoch eine Neuverschuldung von 48,4 Milliarden Euro vorgesehen. Das sind 9,1 Milliarden Euro weniger als in dem ersten Entwurf zu Jahresbeginn. Die Opposition kritisiert, dass die gute Konjunktur, Steuermehreinnahmen und die bessere Lage am Arbeitsmarkt nicht genutzt würden, um die Verschuldung stärker abzubauen. Bundesrechnungshof, Bundesbank und der Sachverständigenrat wurden gebeten, zum Haushaltsentwurf Stellung zu nehmen. Demnach kämen alle drei einhellig zu dem Ergebnis: Es wären weniger als 48,4 Milliarden Euro Neuschulden nötig. Der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Carsten Schneider warf daraufhin der Regierung Tricksereien vor, sowie Kredite in einer Art „Kriegskasse“ zu sammeln, um kurz vor der nächsten Bundestagswahl die Steuern senken zu können. Die Steuerschätzung von Anfang November hatte aufgrund des unerwartet robusten Aufschwungs noch Steuermehreinnahmen von 15,2 Milliarden Euro für 2010 und 22,4 Milliarden Euro für 2011 prognostiziert.

 

Finanzaufsicht BaFin stockt Personal um 13% auf:
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin will im kommenden Jahr ihr Personal um 240 Stellen aufstocken, das entspricht einem Plus von rund 13%. Dadurch sollen die ständig wachsenden Aufgaben besser wahrgenommen werden können. Im Zuge der Finanzkrise hatte die BaFin neue Kompetenzen erhalten, wie die Überwachung von Aufsichtsräten und Ratingagenturen, die Kontrolle der Vergütungssysteme von Banken und weitgehende neue Eingriffsrechte bei Kreditinstituten. Allerdings sollen mehr Stellen in der Verwaltung als in der operativen Aufsicht geplant sein. Es gilt daher als noch nicht sicher, dass der Antrag die Zustimmung des mit Politikern, Regierungsvertretern und Finanzmanagern besetzten Kontrollgremiums erhalten wird. Eine bloße Stärkung des Verwaltungsapparats widerspreche dem Interesse einer kompetenteren Aufsicht. Auch sei eines der Hauptprobleme nicht die Quantität, sondern die Qualität der Aufsicht.

 

Schufa bietet Auskünfte zur Zahlungsfähigkeit von 1,5 Millionen Betrieben:
Am Dienstag hat die Schufa ein neues Angebot aufgenommen, mit dem Privatpersonen künftig unter „meineschufa.de“ die Bonität von rund 1,5 Millionen im Handelsregister eingetragenen Betrieben online erfragen können. Ein Ampelsymbol verdeutlicht, ob ein Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten zahlungsfähig bleiben wird oder ob eine Insolvenz droht. Dies sei für Jobsuchende genauso hilfreich, wie für Häuslebauer, die abschätzen wollen, wie ihr Bauunternehmen aufgestellt ist. Einer Umfrage zufolge würden 17,9 Prozent der Bauherren mit Firmenpleiten konfrontiert, der durchschnittliche Schaden pro Hausbauer liege bei 15 000 Euro. Neben der Bonitätsauskunft bietet der Schufa-Service auch allgemeine Unternehmensinformationen wie Rechtsform, Umsatz und Stammkapital.

 

Großrazzien gegen Hedgefonds im größten Insiderskandal der Wall Street:
In einem der größten Skandale der US-Finanzwelt wegen Insiderhandels an der Wall Street hat das FBI nun bei einer groß angelegten Aktion die Büros von drei Hedgefonds an der Ostküste durchsucht. Die Razzien richteten sich gegen die Hedgefonds Level Global in New York, Loch Capital in Boston und Diamondback Capital in Connecticut. Am Wochenende hatte das „Wall Street Journal“ berichtet, dass die Staatsanwaltschaft und die Bundespolizei FBI bereits seit über einem Jahr in dem bislang größten Insiderhandelskandal der Wall Street ermitteln. Betroffen sind etwa drei Dutzend Institute und Firmen. Insgesamt seien mehrere zehn Millionen Dollar bei illegalen Geschäften mit Insiderwissen über Fusionen eingestrichen worden. US-Staatsanwalt Preet Bharara hat bereits vor einem Monat die grassierende Wirtschaftskriminalität an der Wall Street beklagt. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das FBI haben dementsprechend ihre Ressourcen und Truppen aufgestockt.

 

Oracle-SAP-Prozess endet mit 1,3 Mrd. Dollar Schadensersatz:
Der deutsche Softwarekonzern SAP muss im Schadenersatzprozess mit Oracle wegen Datenklaus 1,3 Milliarden Dollar zahlen. Oracle hatte gegen SAP im Jahr 2007 Klage eingereicht, da sich SAP über die ehemalige und inzwischen aufgelöste US-Tochtergesellschaft Tomorrow Now unzulässig Daten von Oracle beschafft haben soll. SAP hatte im August dieses Jahres Fehlverhalten von Tomorrow Now zugegeben. Oracle hatte den Schaden auf 4 Mrd. Dollar beziffert. Ein von Oracle beauftragter Experte setzte hingegen einen Schaden von 1,7 Mrd. Dollar an. Der SAP-Sachverständige sprach von 40,6 Mio. Dollar. SAP hat bislang 160 Millionen Dollar an Rückstellungen gebildet. SAP will nun alle Optionen prüfen, einschließlich Anträge und Revision, hofft jedoch auf eine Beilegung des Streits ohne ein zusätzliches jahrelanges Gerichtsverfahren. Oracle kommentierte, der Prozess habe deutlich gemacht, dass das führende SAP-Management von Beginn an über die illegalen Aktivitäten von TomorrowNow informiert gewesen sei.

 

HP steigert Gewinn auf 8,8 Mrd. Dollar und erhöht Forschung um 20%:
Hewlett-Packard (HP), der weltgrößte IT-Konzern, hat im Ende Oktober abgelaufenen Geschäftsjahr 2010 seinen Gewinn um 14% auf 8,8 Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) gesteigert. Vor allem die Nachfrage von Firmenkunden habe deutlich angezogen. Der Umsatz stieg um 10% auf 126 Milliarden Euro. 2011 soll er bei 132 Milliarden bis 133,5 Milliarden Dollar liegen. Der ehemalige SAP-Chef Léo Apotheker, seit November HP-Chef, kündigte zudem an, das Forschungsbudget um 20% zu erhöhen. Unter seinem Vorgänger Mark Hurd waren die Forschungsinvestitionen seit 2005 von 4,1% des Jahresumsatzes auf zuletzt nur noch 2,4% zurückgegangen – ein für IT-Unternehmen außergewöhnlich niedriger Wert. Microsoft investiert im Schnitt 6-7% des Jahresumsatzes in die Entwicklung, SAP rund 11%.

 

Porsche und Audi ringen um Sportwagenführung im VW-Konzern:
VW-Patriarch Ferdinand Piëch hatte schon vor einigen Monaten einen internen Wettkampf um die Führung im Sportwagengeschäft zwischen den Vorzeigetöchtern ausgerufen. VW-Chef Martin Winterkorn ließ nun offen, wer die Federführung bei den Sportwagen übernehmen soll, mit einer Entscheidung wird jedoch in den nächsten Wochen gerechnet. Durch einen hohen Grad der Standardisierung sollen Synergien und damit Kostenersparnisse von mindestens 20 Prozent geschaffen werden. Porsche kündigte nun eine Investitionsoffensive an: In Weissach bei Stuttgart entsteht für 150. Mio. Euro ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum mit einem Windkanal, ein Designzentrum und ein Elektronikzentrum und mit mehr als 100 neuen Ingenieuren. Geplant sind unter anderem zwei zusätzliche Modelle, eines unterhalb des Geländewagen Cayenne sowie eines unterhalb des kleinen Boxster.

 

VW-Kleinkraftwerke gehen in Serienproduktion:
VW startet die Serienproduktion kleiner Energieanlagen für Firmen, Praxen und Wohnhäuser, die mit gängigen VW-Motoren laufen. Bereits im September 2009 hatten VW und der Stromanbieter Lichtblick angekündigt, Kleinkraftwerke bauen zu wollen. Die Blockheizkraftwerke laufen mit Zwei-Liter-Gasmotoren der VW-Modelle Caddy und Touran, werden mit Erdgas befeuert und erzeugen 19 KW elektrische Leistung. 100.000 dieser Kleinkraftwerke sollen bundesweit installiert und virtuell vernetzt werden, wodurch Deutschlands größtes virtuelles Gaskraftwerk mit der Kapazität von zwei Atomkraftwerken entstehen soll. Der Strom aus den Anlagen soll die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne ergänzen. Die entstehende Wärme wird für Heizung und Warmwasser in den Gebäuden genutzt. VW sieht in der Kooperation zukunftsfähige Beschäftigungsfelder im automobilnahen Bereich, da jede Anlage langfristig Arbeitsplätze bei VW sichere.

 

Indische Mahindra kauft insolventen koreanischen Autobauer Ssangyong:
Ssangyong, der kleinste der fünf koreanischen Autohersteller und Spezialist für Geländewagen, war im Februar 2009 unter Gläubigerschutz gestellt worden. Nun wird er von dem indischen Nutzfahrzeugbauer Mahindra & Mahindra übernommen. Mahindra zahlt für einen Mehrheitsanteils von 70 Prozent rund 463 Mio. Dollar. Mahindra verschafft sich damit Zugang zum globalen Netzwerk von Ssangyong und dessen Know-how bei Geländewagen. Aufgrund der schlechten Straßen in dem boomenden Automarkt Indien sind robuste, anspruchlose und geländegängige Autos sehr gefragt.

 

K+S übernimmt kanadischen Explorationsspezialisten Potash One:
Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S will mit dem Kauf des Explorationsspezialisten Potash One (311 Mio. Euro) mehrere Kali-Minen in Kanada erschließen und damit sein Düngemittelgeschäft stärken. Potash One hat mehrere Lizenzen zur Ausbeutung von Kali-Lagerstätten in der Provinz Saskatchewan, ein Projekt sei bereits weit fortgeschritten. Zur Erschließung der Vorkommen muss K+S nach eigenen Angaben rund 2,5 Milliarden Dollar investieren. Die Förderung kann dann frühestens ab 2015 mit 2,7 Millionen Tonnen Kaliumchlorid pro Jahr beginnen. Die deutschen Kali-Vorkommen von K+S sind Prognosen zu Folge in 30 bis 40 Jahren erschöpft.

 

Metro zieht sich aus Marokko zurück:
Deutschlands größter Handelskonzern Metro verkauft seine Filialen in Marokko für 120 Mio. Euro an das einheimische Handelsunternehmen Label Vie und zieht sich aus dem Land zurück. Metro sehe für sein Großhandelsmodell in Marokko keine nachhaltige Expansions- und Wachstumsperspektive. Metro setzt damit die Bereinigung seines Unternehmensportfolios fort, das konsequent an Ertragszielen gemessen wird. Auch der Verkauf seiner französischen Elektrofachmärkte wird derzeit überlegt.

 

ElSchnuppero

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