Wirtschaft

Siemens mit weiteren Milliardeninvestitionen in Russland

Der Münchner Technologiekonzern und „Infrastrukturpionier“ Siemens hat angekündigt, innerhalb der nächsten drei Jahre erneut eine Milliarde Euro in weitere Projekte in Russland investieren zu wollen. Dies hat Siemens-Chef Peter Löscher am Montag auf der Jahressitzung des Foreign Investment Advisory Council in Moskau verkündet. Damit soll einerseits das Russlandgeschäft weiter ausgebaut werden, andererseits ist dies Kompensation für den Ausstieg der Münchner aus dem Atomgeschäft mit der russischen Atomholding Rosatom. Siemens hatte nach dem Ausstieg aus dem Gemeinschaftsprojekt im September eine verstärkte Zusammenarbeit auf anderen Gebieten angekündigt.

Siemens hatte vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima vom März 2011 eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells beschlossen. Die Atomsparte wurde eingestampft, statt dessen bemüht sich der Konzern um das Image als „grüner Infrastrukturpionier“ für den Umbau der Welt zu mehr Nachhaltigkeit. Der Ausstieg aus dem Atom-Joint-Venture mit dem französischen Nuklearpartner Areva hatte noch eine Vertragsstrafe in Höhe von 648 Millionen Euro nach sich gezogen. Ähnliches war dann zunächst auch für das vorzeitige Ende des geplanten Joint Ventures mit dem russischen Atomkonzern Rosatom befürchtet worden. Dieser ließ Siemens allerdings im Sommer ziehen, ohne dass die Münchner einen Cent bezahlen mussten. Stattdessen wurde im Gegenzug eine Kooperation „auf anderen Feldern“ vereinbart, beispielsweise die Lieferung von Siemens-Dampfturbinen, wie sie auch in anderen, konventionellen Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Die Vereinbarung wurde nun konkretisiert: Siemens investiert 700 Millionen Euro in Energieprojekte, davon 400 Millionen in neue Fertigungsanlagen für Gasturbinen und das Servicegeschäft, sowie 240 Millionen Euro in die Fertigung von Windkraftanlagen sowie von Transformatoren und Hochspannungsprodukten. Auch die Zugfabrik mit der russischen Sinara-Gruppe in Jekaterinburg wird für mehrere hundert Millionen Euro ausgebaut.

Siemens hatte bereits im August mit einem anderen Partner den Ausbau seines Gasgeschäfts in Russland angekündigt: Mit einem 65% Anteil an einem Joint Venture mit dem russischen Kraftwerksspezialisten Power Machines soll die der wachsende Markt für Gasturbinen, Gaskraftwerke und kombinierte Gas- und Dampfkraftwerke (GuD) in den ehemaligen sowjetischen Staaten bedient werden. Die Investitionskosten dürften rund 100 Millionen Euro betragen.

Siemens hält den Weltrekord in Sachen Gasturbinen: Im Mai 2011 wurden mit der SGT5-8000H-Gasturbine in dem bayerischen Kraftwerk Irsching 4 die beiden bisherigen Rekorde bei Leistung und Wirkungsgrad gebrochen. Die Gasturbine ist auf von 400 MW im reinen Gasturbinenbetrieb und 600 MW im Gas- und Dampfturbinen-Betrieb ausgelegt. Im Testbetrieb wurde bei einer Leistung von 578 MW ein Wirkungsgrad von 60,75 Prozent erzielt. Dabei verbraucht die neue Generation der GuD-Kraftwerke zudem noch ein Drittel weniger Gas pro erzeugter KWh als die bisher gängigen Anlagen. Dadurch sinken zugeleich auch die CO2-Emissionen um ein Drittel. Dabei waren Entwicklung, Bau und Betrieb der 444 Tonnen schweren Weltrekord-Prototypanlage vergleichsweise günstig: 500 Millionen Euro.

Siemens hatte 2010 einen Umsatz von 75,98 Milliarden Euro erwirtschaftet und dabei einen Gewinn nach Steuern von 4,11 Milliarden Euro realisiert. 1,2 Milliarden Euro des Umsatzes entfielen dabei auf Russland. Hier wurden zugleich auch Aufträge im Wert von 2,6 Milliarden Euro eingefahren.

ElSchnuppero

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