Deutschland

Tariflöhne und Gehälter 2012: Reales Plus von 0,7 Prozent

[Bild: Marko Greitschus / pixelio.de]

Die Tarifabschlüsse lagen im vergangenen Jahr erneut über denen des Vorjahres. Die Tarifsteigerungen, die im Jahr 2012 vereinbart wurden und in Kraft traten, beliefen sich im Schnitt auf 3,9 Prozent (2011: 3,0 Prozent). Nullmonate sowie Pauschal- und Einmalzahlungen spielten nur noch eine geringe Rolle, es wurden zumeist für (fast) die gesamte Laufzeit der neuen Verträge dauerhafte Tarifanhebungen vereinbart.

Nominaler Anstieg der Tariflöhne und Gehälter um 2,7%

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Bild: Marko Greitschus / pixelio.de

Rechnet man die Abschlüsse mit ihren unterschiedlichen Laufzeiten auf das Jahr um und berücksichtigt auch die länger laufenden Abschlüsse aus dem Vorjahr, dann ergibt sich insgesamt ein kalenderjährlicher Anstieg der nominalen Tariflöhne und -gehälter 2012 von durchschnittlich 2,7 Prozent (2011: 2,0 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Bilanz der Tarifpolitik des Jahres 2012, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung heute vorlegt. Die Spannweite reicht von 3,3 Prozent im Investitionsgütergewerbe bis zu 2,0 Prozent im Finanzdienstleistungssektor (siehe Grafik 1 unten).

Diese positive Entwicklung hat sich auch auf die Entwicklung der Realeinkommen niedergeschlagen. „Anders als im Vorjahr sind die tariflichen Grundvergütungen 2012 real wieder gestiegen“, sagt Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs. Da sich die Verbraucherpreise im vergangenen Jahr um 2,0 Prozent erhöhten, ergibt sich im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt ein realer Anstieg der Tariflöhne und -gehälter um 0,7 Prozent.

Bei den effektiven Bruttoeinkommen fiel der Zuwachs fast genauso hoch aus: Die Bruttolöhne und -gehälter sind im vergangenen Jahr nominal je Arbeitnehmer/-in um 2,6 Prozent gestiegen, preisbereinigt bedeutet dies einen Anstieg um 0,6 Prozent.

Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass sich die Tariflöhne insgesamt stärker entwickelt haben als die Effektivlöhne. Allerdings ging die Reallohnsteigerung lediglich in einem Jahr über 2 Prozent hinaus (siehe Grafik 2 unten).

Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften in Deutschland im vergangenen Jahr Lohn- und Gehaltstarifverträge für gut 8,9 Mio. Beschäftigte ab, darunter etwa 7,9 Mio. in den alten und knapp 1,1 Mio. in den neuen Bundesländern. Die Laufzeit der Verträge beträgt durchschnittlich 18,0 Monate und liegt damit deutlich niedriger als im Vorjahr mit 22,8 Monaten. Für weitere 8,6 Mio. Beschäftigte traten im Jahr 2012 Erhöhungen in Kraft, die bereits 2011 oder früher vereinbart worden waren.

Die Tarifrunde 2013 hat bereits begonnen: Verhandelt wird in Kürze im öffentlichen Dienst (Länder) sowie bei der Deutschen Bahn und einigen Energiekonzernen. Im Februar folgt die Eisen- und Stahlindustrie, Ende März das Bauhauptgewerbe, das Versicherungsgewerbe und erste Bereiche des Einzel-, Groß- und Außenhandels. Ende April stehen die Verträge in der Metall- und Elektroindustrie auf dem Tarifkalender. Die vorliegenden Tarifforderungen der Gewerkschaften bewegen sich zwischen 5,0 und 6,5 Prozent.

Die ökonomische Ausgangssituation für die Tarifrunde 2013 ist nach Auffassung des WSI-Tarifexperten zurzeit noch offen. Die Prognosen deuten auf eine Abschwächung der Konjunktur im ersten Halbjahr hin, aber anschließend könnte es zu einer wirtschaftlichen Belebung kommen. „Vor diesem Hintergrund und angesichts des krisenhaften Umfeldes in vielen europäischen Ländern kommt einer dauerhaften Stärkung der Binnennachfrage gerade in Deutschland aktuell eine besondere Bedeutung zu“, sagt WSI-Tarifexperte Bispinck. „Die Tarifpolitik kann dazu einen aktiven Beitrag leisten.“

Grafik 1: Tarifsteigerung* 2012 in Prozent

* Durchschnittliche tarifliche Grundvergütung inkl. Pauschal- und Einmalzahlungen gegenüber dem Vorjahr.
Quelle: WSI-Tarifarchiv 2012

Grafik 2: Reale (preisbereinigte) Tarif- und Effektivlöhne 2003 – 2012 (Veränderung zum Vorjahr in %)

WSI-Tarifarchiv, Destatis

Quelle: WSI-Tarifarchiv, Destatis

(Hans-Böckler-Stiftung 2013)

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