Regionales

Baden-Württemberg stellt größte Gewässerrenaturierung im Land fertig

„Auf einer Länge von 2,7 Kilometern kann sich die Donau nun wieder frei durch die Landschaft schlängeln und ihre natürliche Dynamik ausleben“, erklärte Umweltminister Franz Untersteller heute (27. April 2012) bei der Einweihung des größten Gewässerrenaturierungsprojekts in Baden-Württemberg zwischen Hundersingen und Binzwangen. „Dies verbessert die Ökologie des Gewässers sowie der Talaue und hat zudem positive Auswirkungen auf den Hochwasserschutz der Bürgerinnen und Bürger“, sagte der Umweltminister zum Abschluss der dreijährigen Bauarbeiten. Die Gesamtkosten von rund 2,6 Millionen Euro tragen zu 60 Prozent das Land; 40 Prozent stammen aus dem EU-Förderprogramm ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums).

Minister Untersteller wies darauf hin, dass die Flussauen zu den biologisch produktivsten und vielfältigsten Lebensräumen gehörten. Ziel des „Integrierten Donauprogramms“ sei es, Überschwemmungsgebiete zu sichern und möglichst zu erweitern sowie naturnahe Auebereiche zu schützen und die Strukturvielfalt wiederherzustellen. Ein Aspekt dabei ist auch, die Durchgängigkeit der Donau wiederherzustellen. „Voraussichtlich ab dem Jahr 2017 werden Fische und Kleinlebewesen die Donau von der bayerischen Grenze bei Ulm wieder über 100 Kilometer bis nach Hundersingen-Binzwangen durchwandern können.“

Regierungspräsident Hermann Strampfer betonte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Landesbetrieb Gewässer und der Abteilung Straßenbau des Regierungspräsidiums Tübingen: „Rund 120.000 Kubikmeter Kies, der für die Umsetzung der Renaturierungsmaßnahme entnommen werden musste, konnte ortsnah für den Bau der Umgehungsstraße Herbertingen eingesetzt werden.“


Ergänzende Informationen:

Allgemein zum Integrierten Donau-Programm (IDP):
Ausbau und Begradigung der Donau in den letzten 200 Jahren führten zu zahlreichen wasserwirtschaftlichen und ökologischen Problemen. Nach dem Jahrhunderthochwasser von 1990 wurde deswegen das Integrierte Donauprogramm (IDP) unter der Federführung des Regierungspräsidiums Tübingen gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Freiburg, den Fachbehörden, den Gemeinden und den Fachleuten vor Ort entwickelt und von der Landesregierung Anfang 1992 beschlossen. Mit dem IDP soll der Natur- und Lebensraum an der baden-württembergischen Donau durch Vernetzung von Ökologie und Hochwasserschutz weiterentwickelt werden. Ziel ist es, Hochwassergefahren für bebaute Gebiete zu verringern sowie Überschwemmungsgebiete für die Rückhaltung von Hochwasser zu sichern und – wo möglich – zu erweitern. Naturnahe Auebereiche sollen geschützt und naturferne Donauabschnitte renaturiert werden. Der Lebensraum Donau soll als Natur- und Kulturerbe erhalten und entwickelt werden.

Das IDP umfasst insgesamt mehr als 190 Einzelmaßnahmen, darunter rund 70 Hochwasserschutzmaßnahmen und über 120 ökologische Maßnahmen. Der Hochwasserschutz im IDP ist in großen Teilen realisiert. Hier ist vor allem das seit 2006 im Bau befindliche Hochwasserrückhaltebecken Wolterdingen zu nennen (öffentliche Einweihung voraussichtlich am 29. Juni 2012).

Aus heutiger Sicht wird davon ausgegangen, dass das Integrierte Donau-Programm bis zum Jahr 2027 umgesetzt sein wird. Bisher wurden rund 40 Millionen Euro hierfür investiert. Für die noch ausstehenden Maßnahmen wird der Investitionsbedarf auf circa 30 Millionen Euro geschätzt.

Weitere Informationen auf der Homepage des Regierungspräsidiums Tübingen (www.rp-tuebingen.de) unter „Themen – Umwelt – Gewässer – Integriertes Donau-Programm“.

Zur Renaturierung zwischen Hundersingen und Binzwangen:
Die Begradigungen der Oberen Donau seit Anfang des 19. Jahrhunderts führten zu einer starken Verkürzung und Einengung des Gewässerlaufs. Infolgedessen tiefte sich die Sohle der Donau zwischen Hundersingen und Binzwangen um bis zu drei Meter ein, so dass unter anderem der Grundwasserspiegel sank. Dies machte eine Sanierung der Donau in diesem Abschnitt erforderlich.

Das Regierungspräsidium Tübingen hat im Rahmen des Integrierten Donauprogramms sowie zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in den Jahren 2009 bis 2011 das Renaturierungsvorhaben „Donausanierung zwischen Hundersingen und Binzwangen” umgesetzt. Auf einer Länge von 2,7 Kilometern erhielt die Donau ein neues, naturnahes Flussbett. Das „alte“ Bett wurde teilweise verfüllt, um ein Durchbrechen des neuen in den alten Lauf zu verhindern. Die neue Flusssohle liegt bis zu 2,5 Meter höher als im bisherigen eingetieften Zustand. Das Sohlgefälle des neuen um circa 400 Meter längeren und circa 40 Meter breiten Gewässers wurde von circa 2 ‰ auf circa 1 ‰ reduziert. Die entstandene Höhendifferenz zum vorhandenen Donaubett wird durch ein naturnah und ökologisch durchgängig gestaltetes Rampenbauwerk überwunden.

Um den Flussabschnitt im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinien ökologisch aufzuwerten, werden zudem gewässerbegleitende Vegetationsstrukturen und auentypische Lebensräume geschaffen, sowie gewässermorphologische Prozesse gefördert. Dabei soll der Talraum auch als Kulturlandschaft und Lebens-, Erholungs- und Wirtschaftsraum für den Menschen erhalten werden.

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