Energie & Umwelt

Deutschland baut 2012-2014 Atommüll-Entsorgungszentrum in Nordrussland

Für rund 174 Millionen Euro baut Deutschland von 2012 an bis 2014 in der Saida-Bucht unweit des russischen Marinehafens Murmansk gemeinsam mit Russland ein Atommüll-Entsorgungszentrum. In der Anlage sollen nukleare Abfälle wiederverwertet und zwischengelagert werden. Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt 300 Millionen Euro. Bereits seit 2003 helfen Spezialisten der Energiewerke Nord (EWN) aus Lubmin bei Greifswald bei der Demontage und Einlagerung von 150 ausgemusterten Atom-U-Booten und 28 weiteren atomgetriebenen Schiffen der russischen Marine, die in der Saida-Bucht abgewrackt werden. Die Ausstattung des geplanten russischen nuklearen Entsorgungszentrums für schwach- und mittelradioaktiven Abfall soll mit dem Zwischenlager Nord (ZLN) in Lubmin vergleichbar sein. Das Zwischenlager werde neben fünf Lagerhallen eine Zerlegehalle für Großteile sowie einen Bereich mit modernen Anlagen zur Dekontamination umfassen. Stellvertretende Projektleiter der EWN, Detlef Mietann: „Das nach den höchsten internationalen Standards geplante Lager bedeutet für Russland einen Quantensprung für die Entsorgung atomarer Altlasten.“ Bislang hatten drei Frachter im Murmansker Hafen als provisorisches Zwischenlager gedient – etliche ausgemusterte und vor sich hin rostende Atom-U-Boote haben auch noch ihre vollständigen Reaktoren im Rumpf. Die radioaktiven Bestandteile sollen 70 Jahre in dem Zwischenlager abklingen, bis die Strahlenbelastung soweit zurückgegangen ist, dass eine Demontage möglich wird – ein Endlager existiert weltweit noch kein einziges. 2005 hatte „Der Spiegel“ berichtet, dass in dem Gebiet Murmansk rund 20.000 Brennelemente und 12.000 Kubikmeter atomarer Abfall lagern. 11.000 Container seien damals bereits von der Marine in die Barents-See und die Kara-See im Nördlichen Eismeer gekippt worden. Zwischen den Inseln Nowaja und Sewernaja Semlja wurden zudem 13 Atom-U-Boote absichtlich auf Grund gesetzt, sechs davon komplett mit Reaktoren und Brennstäben. Präsident Wladimir Putin hatte damals eingeräumt, dass die Entsorgungstechnik „unzureichend entwickelt“ sei. Die USA gaben sich bislang damit zufrieden, dass bei den ausgemusterten russischen Atom-U-Booten die Nuklearraketen aus dem Torpedoraum entfernt und vernichtet werden. Für Europa stellen jedoch auch die verrottenden Reaktoren ein unkalkulierbares Risiko dar. Deswegen beteiligen sich Norwegen, Italien, Großbritannien und Deutschland finanziell an der Entsorgung.

 

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