Themenserien

Freche Frauen führen besser

7 – Delegation – Können Frauen delegieren?

 

In der vorigen Kolumne haben wir gesehen, wie wichtig Nein sagen ist. Aber es genügt nicht, Nein zu sagen. Frau muss auch klar sagen, wer die abgelehnte Aufgabe tatsächlich übernimmt. Genau das ist für viele Frauen ein Riesenproblem.

 

Nein zur Mäuschen-Delegation

 

Die meisten Frauen sind nur mittelmäßig bis gar nicht erfolgreich bei der Delegation. Sie bedienen sich untauglicher, zaghafter Formulierungen und sind perfekte Vertreterinnen der „Mäuschen-Delegation“. Wie kleine Mäuschen fragen Sie piepsend beim Elefanten an und wundern sich, wenn der ablehnt. Aber warum verfallen Frauen in diese Delegations-Selbstsabotage? Weil sie sich nicht trauen, klipp und klar zu sagen, was sie möchten. Weil sie sich besonders beziehungsfreundlich ausdrücken möchten. Das ist löblich, funktioniert aber nicht. Männern muss man direkt sagen, was sie tun sollen. Die brauchen das und DAS ist dann wirklich beziehungsfreundliche Kommunikation.

 

Eine Delegation muss freundlich, aber bestimmt sein. Sie ist dann gelungen, wenn es nicht den geringsten Anlass zu Missverständnissen gibt. „Jürgen, bitte hole Du heute mal die Sitzungsgetränke“. Jürgen wird zwar erstaunt sein, aber er wird nach der direkten Ansprache lostraben.

 

Nur keine Opfer-Delegation

 

Diese ist besonders peinlich, aber leider von Frauen oft verwendet. „ … Ich muss doch noch…, ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll, könntest Du nicht … „ So reden Opfer. Die Mitleidsmasche mag eine gute Erfolgsquote haben, aber wie steht es um Ihre Wirkung? Wer auf Mitleid macht, kriegt Mitleid, keine Anerkennung. Opfer werden nicht befördert oder in interessante Objekte eingebunden. Streichen Sie alle „muss“, „soll“ und „schaffe ich nicht“ aus Ihrem Wortschatz. Richtig ist die folgende Ansprache: „Jürgen, ich möchte mich noch um den Beamer kümmern. Bitte druck Du die Unterlagen für die Teilnehmer aus.“ Diese selbstbewusste Haltung kommt nicht über Nacht, aber sie kommt nach und nach, wenn Sie daran arbeiten.

 

Schluss mit Mehrarbeit durch Klebe-Delegation

 

Es fällt auf, dass  Frauen sehr viel mehr arbeiten als die meisten Männer in derselben Position. Sie können meist nicht nur nicht delegieren, sie wollen es in vielen Fällen gar nicht, weil sie sich von manchen Arbeiten nicht trennen  wollen. Oder einige Aufgaben einfach nicht loswerden können. Manche Aufgabe erledigen diese Frauen dann schon seit langen Jahren in der Firma und schleppen diese trotz Beförderungen in höhere Positionen immer noch mit. Hier müssen Sie Klartext reden, sich Ihre Rolle als Führungskraft ins Bewusstsein bringen und diese Aufgaben klar und eindeutig delegieren. Schließlich haben Sie diese Aufgabe lange genug erfüllt. Nun ist ein anderer dran.

 

Vermeiden Sie Nacharbeiten

 

Der, der nun dran ist, sieht das meist nicht so. Und erledigt die Aufgaben unwillig und fehlerhaft. Oder hat einfach nicht denselben Perfektionsstandard wie Sie selbst. Was immer der Grund ist, tappen Sie nicht in die Falle des Nacharbeitens. Mutterinstinkt und Harmoniebedürfnis haben hier nichts verloren. Es kann nicht sein, dass Sie regelmäßig Berichte Ihres Teams überarbeiten und verbessern müssen. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihrem Mitarbeiter gleich direkt sagen, er habe Mist gebaut. Sie picken etwas heraus, was wirklich gut gelungen ist, eröffnen die Kommunikation mit dieser positiven Aussage und enden dann „ … Und wenn Sie jetzt noch die Quartalszahlen einfügen, ist für die Vorlage bei der Geschäftsführung morgen Vormittag alles perfekt.“ Machen Sie sich nicht zur Sachbearbeiterin des Teams, das Sie führen sollen!

 

Lassen Sie „Rückdelegation“ niemals zu

 

Jetzt, meine Damen, haben Sie begonnen, erfolgreich zu delegieren und Sie werden besser und besser im sinnvollen Weitergeben von Aufgaben. Nun ist es ganz wichtig, dass Sie nicht auf plumpe Versuche der „Rückdelegation“ hereinfallen. Darin sind Männer ganz groß. Sie lassen dann Aufgaben einfach liegen und hoffen, dass Sie sie als Chefin selber erledigen, weil Sie die Geduld verlieren oder wirklich glauben, der Arme wäre zeitlich überfordert. Das Helfer-Syndrom, unter dem Frauen oft leiden, darf hier nicht durchbrechen. Durchschauen Sie Rückdelegation mit klarem Blick und kontern Sie entsprechend. Verwenden Sie dazu die Taktik des „Einblendens“ und führen Sie Ihrem Mitarbeiter vor Augen, was er in der Vergangenheit schon alles an Aufgaben gelöst hat, fragen Sie ihn aktiv nach Problemlösungen. Das wird ihn anstacheln und in seiner männlichen Ehre packen. Macht er einen Vorschlag, haben Sie ihn da, wo er hingehört: Er wird die Aufgabe übernehmen, weil kein Mann seinen eigenen Vorschlag sabotiert.

 

Wenn Sie eine Weile erfolgreich delegieren, werden Sie feststellen, wie hoch Ihr Delegationsgewinn wirklich ist. Sie haben mehr Zeit, sich auf Ihre strategischen Aufgaben zu konzentrieren, werden kreativer, da weniger gehetzt an Ihre Projekte herangehen. Das wird zu einem unglaublichen Gefühl der Befreiung führen. Nutzen Sie diese gewonnene freie Zeit sinnvoll für die Verwirklichung Ihrer Träume, Wünsche und Ziele!

 

Nachdem die Delegationshürden überwunden sind, widmen wir uns ab nächster Woche dem Thema des weiblichen Führungsstils.

 

 

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Das Buch zum Thema:

Das Führungsbuch für freche Frauen

Autoren: Cornelia Topf | Rolf Gawrich

Umfang: 296 Seiten

Austattung: Broschur

Format: 16,8 x 22 cm

ISBN: 978-3-636-01466-5

 

 

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Über Cornelia Topf:

 

Seit über zwanzig Jahren unterstützt Cornelia Topf als internationale Managementtrainerin und zertifizierter Businesscoach namhafte Unternehmen aller Größen und Branchen. Zu ihren Schwerpunkten gehören zielführende Kommunikation und erfolgsorientierte Körpersprache.  Insbesondere die Förderung von Frauen liegt der promovierten Wirtschaftswissenschaftlerin am Herzen. Die Geschäftsführerin von „metatalk Kommunikation & Training“ in Augsburg ist Autorin vieler Fachbücher und Ratgeber, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Sie ist zudem eine gefragte Expertin in den Medien. www.metatalk-training.de

 

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