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Hautnah-Interview Nr.41 mit Andreas Fornefett, Vorstand der EPOTECH AG

Interview mit Andreas Fornefett, Vorstand und einer der Hauptaktionäre der EPOTECH AG. Die EPOTECH AG hat kürzlich ein alternatives Finanzierungsportal für mittelständische Unternehmen eröffnet. Mittels eines „integrierten Ansatzes zur multivariaten Steuerung“ bietet das Beratungsunternehmen zudem die Zusammenführung von Projektmanagement- mit Prozesssteuerungs- und Prozessüberwachungsfunktionalitäten. (Zum Audio-Podcast.)


Schönen guten Tag Herr Fonefett. Sie sind Vorstand und einer der Hauptaktionäre der EPOTECH AG. Im Rahmen Ihrer Mehr-Marken-Strategie haben Sie kürzlich das Finanzportal „Finanzierungsboot.de“ eröffnet, über das Unternehmen direkt – oder auch über Ihren Bankpartner -, miteinander Finanzgeschäfte tätigen können. Das „Finanzierungsboot“ ist damit eine Alternative für mittelständische Unternehmen zur traditionellen Bankenfinanzierung. Bislang hatte es hier bankrechtliche Schwierigkeiten gegeben. Bitte erläutern Sie uns die Besonderheit dieses Konzepts.

 

Wenn ein Unternehmen sich über irgendeine Beteiligungsform hinaus einen Kredit von einer Nicht-Bank gewähren lassen möchte, so verstößt es als Kreditnehmer mit diesem sogenannten Einlagengeschäft gegen das KWG. Ein Unternehmen, das – ohne Bank zu sein -, einen Kredit gewährt, würde gegen das Verbot des Kreditgeschäfts verstoßen. Um diese Probleme zu umgehen nutzen wir die Zwischenschaltung unseres Bankpartners, die Commerzbank. Sollten die Parteien allerdings mit der Finanzierung über eine besondere Form der stillen Beteiligung einverstanden sein, so benötigen wir die Zwischenschaltung unseres Bankpartners nicht. Der Chefvolkswirt des Bundesverbands der Mittelständischen Wirtschaft, Dr. Vogelsang, bemüht sich diesbezüglich um eine Änderung des KWG, um dort bis zu einer gewissen Höhe, 700.000 Euro, eine Freigrenze zu erreichen bis zu der künftig Unternehmen auch untereinander Kredite gewähren können, ohne dadurch gegen das KWG zu verstoßen.

 

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu diesem Geschäftsbereich?

 

Unser Lizenzgeber hatte einige Jahre vergeblich Investoren für das Konzept gesucht, bis er sich an uns gewendet hat. Wir haben es als Lizenznehmer dann mit ihm gemeinsam auf die Schiene gebracht.


Wie machen Sie die Unternehmen auf Ihr Angebot aufmerksam? Wie funktioniert Ihr Marketing?

 

Selbstverständlich benutzen auch wir zunächst einmal die klassischen Marketinginstrumente. Wir werben zudem über und mit unseren Partnern Commerzbank, Creditreform und BVMW. Der Beobachtungszeitraum von 3-4 Monaten ist wohl noch etwas kurz, um über den Erfolg eine Wertung abzugeben. Unser Marketing- und Vertriebsteam, das wir mit der Marke 4-senses im Januar hinzuerworben haben, arbeitet aber bereits an einer innovativen Strategie auch für das Finanzierungsboot.

 

Haben Sie zur Unternehmensgründung eine besondere Unterstützung oder Förderung erhalten? Gab es vielleicht auch Stolpersteine, die Sie rückblickend umgehen könnten?

 

Besondere Unterstützung haben wir von unseren Beratungs- wie auch von unseren Vertriebs-Partnern erfahren. In unseren Erwartungen enttäuscht wurden wir im Bereich des Sponsoring. Viele der angesprochenen Sponsoren für unsere Website www.finanzierungsboot.de wollten die Entwicklung der Seite zunächst einmal abwarten, bevor sie darüber werben mögen. Wir haben aber schließlich doch einige namhafte Sponsoren für die Seite gewinnen können und werden diese besondere Unterstützung in der Startphase ganz sicher belohnen.


Ihre Gesellschaft bietet unter der Marke „EPOTECH – Business, Financial & Market Solutions“ im Rahmen der Unternehmensberatung kleinen und mittelständischen Unternehmen einen „integrierten Ansatz zur multivariaten Steuerung an“. Was kann man sich unter diesem Ansatz genau vorstellen?

 

Geschwindigkeit, Effizienz, Termintreue, Datenqualität und Prozesstransparenz sind zu herausragenden Erfolgsfaktoren eines jeden Unternehmens geworden, die Ihresgleichen nur noch in der industriellen Güterproduktion finden. Diese Herausforderung kann mit einem konventionellen Projektmanagement nicht mehr bewältigt werden. Erforderlich ist dazu ein prozessgesteuertes Projektmanagement mit dezentraler Projektplanung und Aufgabenverteilung, mit gemeinsamer Sicht auf einen Projektplan, mit verteilten Zuständigkeiten, mit Echtzeitsteuerung durch eine Prozess Maschine, sprich: durch ein automatisiertes Workflowsystem, es braucht permanente Kenntnis des kritischen Pfades, kontrollierte Eskalationen und vieles mehr. Die Zusammenführung von Projektmanagement- mit Prozesssteuerungs- und Prozessüberwachungsfunktionalitäten ermöglicht das Erreichen einer völlig neuen Wertschöpfungsstufe für das heutige Unternehmen in einem dynamischen, komplexen Umfeld.

 

Über was für ein prominentes Unternehmen – fiktiv gefragt – würden Sie sich aus persönlichem Interesse, so zu sagen als Herausforderung, besonders freuen?

 

Wir sind derzeit in Gesprächen mit verschiedenen Kliniken. Die Leistungsfähigkeit eines solchen Patientenmanagementsystems in einer Klinik nachzuweisen, würde sicherlich auch den letzten Zweifler davon überzeugen, dass wir rund dreißig Jahre Entwicklung integrierter und umfassender Gesamtgeschäftsprozessmanagementsysteme verschlafen haben. Aktuell können wir einen großen Versicherer als Referenzunternehmen zum Thema Fast Close vorzeigen, der seine Konzernrechnungslegung und Berichterstattung mit Hilfe einer solchen Methode nachweisbar verbessert hat. Investitionen in diesem Bereich zeigen einen Return of Investment von unter einem Jahr. Das sollte Krankenhäuser unbedingt interessieren.

 

Sie haben als Unternehmensberater ja einen besonderen Blickwinkel auf diese Thematik: Wie sieht denn Ihrer Erfahrung nach die ideale Unternehmensstruktur eines mittelständischen Unternehmens aus?

 

So wenig Hierarchie wie möglich und soviel Fokus des Managements auf die Prozesse wie nötig. Die sich immer rascher verändernde Umwelt erfordert künftig enorme Flexibilität und Belastbarkeit. Wenn der Manager früher vielleicht versuchen durfte, sein Unternehmen über die Mitarbeiter zu führen, so wird ihm dies mit zunehmender Fluktuation im Bestand nicht mehr erlaubt sein. Das Mittelständische Unternehmen muss künftig seine Prozesse so ausrichten, verknüpfen und automatisieren, dass heute Hinz und morgen Kunz diesen Geschäftsprozess unterstützen kann.

 

Mal angenommen, Sie treffen in beratender Funktion den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie ihm für den Standort Deutschland empfehlen?

 

Das, was alle fordern und jeder Minister ständig verspricht: den Abbau von Bürokratie und weniger Schutz der Banken. Was ich dem mittelständischen Unternehmen empfohlen habe, gilt für die Behörden schon lange: weniger Hierarchien und größeren Fokus auf Prozesse.

 

Herr Fornefett, vielen Dank für das Gespräch.

 

Gerne.

 

(Das Interview führte Marc Brümmer von der AGITANO-Redaktion.)
 

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