Energie & Umwelt

Teil 3: Die ökonomischen Auswirkungen des ansteigenden Meeresspiegels

Schwerpunktthema Klimakonferenz von Cancun (Mexiko), Teil 3:

Die ökonomischen Auswirkungen des ansteigenden Meeresspiegels:

 

Während der Erdgeschichte änderte sich der Meeresspiegel ständig. In der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren war der Meeresspiegel weit niedriger als heute, da sehr viel Wasser in Form von Eis gebunden war (um rund 120 Meter niedriger). In der letzten Warmperiode vor 120.000 Jahren lag er jedoch mit 2-6 Metern deutlich über dem heutigen Stand. Vor drei Millionen Jahren (Pliozän) lag er sogar rund 25-30 Meter über dem heutigen Level. Seit der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren steigt der Meeresspiegel nun wieder naturgemäß kontinuierlich an. Dieser Anstieg hat – neben meteorologischen Effekten – in erster Linie Auswirkungen auf die Küstenregionen.

 

Seit je her sind die Küstenregionen, zusammen mit den großen Flüssen, die dicht besiedelsten Regionen der Erde. Hier fand der Seehandel statt, der vielen Kulturen zur Blüte verhalf. Der Eroberung des Landesinneren fand dahingegen erst vergleichsweise spät statt. In den zumindest zum Teil direkt vom Klimawandel bedrohten Küstenregionen liegen heute zwei Drittel der Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern. Als gefährdet gelten dabei allgemein Gebiete, die weniger als zehn Meter über Normalnull liegen. China trägt mit 143 Millionen Küstenbewohnern das größte Risiko, gefolgt von Indien, Bangladesch, Vietnam, Indonesien, Japan, Ägypten und den USA.

 

Aus diesem Grund soll im Folgenden einerseits der Anstieg des Meeresspiegels im Laufe dieses Jahrhunderts thematisiert werden, als auch andererseits die prognostizierten ökonomischen Kosten in Folge von heftigeren Sturmfluten dargelegt werden.

 

Hintergrund:

 

Laut Zahlen des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, welches das „Educational Network on Climate“ koordiniert, stieg der Meeresspiegel über die letzten 6000 Jahre im Durchschnitt um etwa 0,5 bis 1 mm pro Jahr. Während der letzten 3000 Jahre verlangsamte sich das Tempo auf etwa 0,1 bis 0,2 mm pro Jahr. Im 20. Jahrhundert verzehnfachte sich der Wert jedoch wieder auf 1 bis 2 mm und beschleunigte sich dann seit 1993 auf rund 3 mm pro Jahr. Für jeden Zentimeter, den das Meer ansteigt, geht etwa ein Meter an Küstenland verloren.

 

Für den Anstieg des Meeresspiegels sind folgende Faktoren verantwortlich: Die Ausdehnung des Wassers aufgrund ansteigender Temperaturen, das Abschmelzen der Gletscher und vor allem des Grönländischen Eisschilds sowie der exzessive Verbrauch der Grundwasserreserven, die dann letztendlich im Meer landen.

 

–    Würde die gesamte Eismasse der Antarktis und von Grönland schmelzen, so würde der Meeresspiegel um 64 Meter steigen.
–    Würde das restliche Eis der Gletscher weltweit schmelzen, würde der Meeresspiegel um einen halben Meter ansteigen.
–    Da auch das Grundwasser letztendlich in den Ozeanen landet, wenn mehr entzogen wird, als sich bilden kann, ist aufgrund des exzessiven Verbrauchs dieser Ressource insgesamt rund ein Viertel des globalen Meeresspiegelanstiegs auf diesen Effekt zurückzuführen (0,8 von 3,1 Millimetern pro Jahr).

 

Das Abschmelzen von Schelfeis (Packeis) beeinflusst den Meeresspiegel hingegen nicht, da es bereits vorher auf dem Ozean schwamm und daher mit seinem Gewicht eine entsprechende Verdrängung ausübte. Allerdings bewirkt das Abschmelzen des Schelfeises, dass nachfolgende Gletscher (Grönländischer Eisschild) schneller ins Meer abrutschen können.

 

Zu beachten ist weiterhin, dass die Erwärmung der Ozeane ein sich selbst verstärkender Prozess ist: Wenn sich Wasser erwärmt, sinkt seine Dichte. Dadurch nimmt das Volumen des Wassers zu und es dehnt sich aus (thermische Ausdehnung). Der Anstieg des Meeresspiegels ist dann die einzige Möglichkeit für die Weltmeere, auf diese Volumenzunahme zu reagieren. Allerdings löst sich Kohlendioxid in kaltem Wasser besser als in warmem. Wärmeres Wasser kann also weniger Kohlendioxid aufnehmen, wodurch sich der Treibhauseffekt jedoch weiter verstärkt und wodurch sich wiederum das Wasser stärker erwärmt.

 

Aus der Komplexität der notwendigen Berechnungen, der Variabilität der einzelnen Parameter (wie schnell und wie stark erwärmt sich die Erde? Wie schnell schmilzt Grönland?) und der sich gegenseitig beeinflussenden Prozesse ist eine genaue Vorhersage des Anstiegs des Meeresspiegels derzeit nicht möglich. Aus Computermodellen ergibt sch jedoch eine gewisse Bandbreite:

 

–    Der Weltklimarat ging noch in seinem Sachstandsbericht vom Februar 2007 von einem Anstieg des Meeresspiegels um 18 bis 59 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts aus.
–    Laut aktuelleren Berechnungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Technischen Universität Helsinki im Vorfeld des Klimagipfels von Kopenhagen Ende 2009 könnte uns ein weitaus stärker Anstieg bevorstehen: Die Studie geht von 75 bis 190 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts aus.
–    Auf dem „Sturmflutkongress 2010“ in Hamburg gingen Forscher und Wissenschaftler aus 30 Ländern von einem mittleren Anstieg des Meeresspiegels von 30 bis 110 Zentimeter aus.

 

Ökonomische Folgen für die Küstenregionen:

 

Auf dem zuletzt erwähnten „Sturmflutkongress 2010“ vom September in Hamburg wurde auch das wachsende Risiko dramatischer Sturmfluten aufgrund des ansteigenden Meeresspiegels thematisiert. Die Prognosen gehen dabei von immer höheren Schadenswerten aus. Neben dem steigenden Meeresspiegel liegt das auch an dem nach wie vor ungebrochenen Wachstum der Küstenmetropolen und der zunehmend intensiveren Nutzung und Bebauung des Küstenraumes in aller Welt. Besonders gefährdet von immer stärkeren Sturmfluten sind laut den Experten nun die großen Hafenstädte und die großen Flussdelta-Regionen: Derzeit sind dies rund 40 Millionen Menschen in den großen Küstenmetropolen. Die Zahl dürfte bis 2070 auf rund 150 Millionen Menschen anwachsen. Zu den dann im Jahr 2070 bedrohtesten Küstenmetropolen zählen Kolkata und Mumbai in Indien, Dhaka in Bangladesch, Guangzhou und Shanghai (China) und Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam). Nach Berechnungen waren 2005 drei Billionen US-Dollar an Vermögenswerten durch potenzielle Sturmfluten bedroht. Dieser Betrag könnte bis 2070 um das Zehnfache anwachsen – dies sind 30 Billionen Dollar (zum Vergleich: die Kosten der Finanzkrise hat sich laut Handelsblatt auf schwer zu schätzende 10 Bio. Dollar belaufen). Die höchsten Vermögenswerte dürften dann 2070 in den Metropolen Miami und New York (USA), Guangzhou und Shanghai (China), sowie Kolkata (Indien) bedroht sein.

 

Laut Hans von Storch, Leiter am GKSS-Institut für Küstenforschung in Geesthacht, gilt für die Deutsche Bucht zumindest noch bis 2030 Entwarnung. Bis dahin müssten die bestehenden Einrichtungen und Konzepte für den Küstenschutz einschließlich der Elbe und ihres Verlaufs so wirksam sein wie heute. Spätestens dann muss allerdings auch hier über weitergehende „Abwehrmaßnahmen“ nachgedacht werden.

 

Dringlichste Aufgabe ist es allerdings, den Temperaturanstieg auf ein Minimum des Möglichen zu begrenzen. Allgemein wird hierbei von einer Erwärmung um höchstens 2 Grad Celsius ausgegangen.
 

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