Personal

Aufbruch in eine neue Arbeitskultur – „New Work Order“ Studie

Das Trendbüro, Hamburg, stellte im Rahmen der ORGATEC 2012 in Köln eine Studie mit dem Titel “New Work Order – Aufbruch in eine neue Arbeitskultur” vor. Diese beschreibt Strategien im Umgang mit der wachsenden Komplexität der Arbeit.

Continental will durch sie verlorene Flexibilität zurückgewinnen. Bei der Deutschen Bank soll sie den standortübergreifenden Wissensaustausch effizienter machen. Die Deutsche Telekom ermuntert ihre Mitarbeiter mit ihr auch Persönliches in den Arbeitsalltag einzubringen und den Axel Springer Verlag soll sie zum “coolest workplace on earth” machen – oder zumindest dazu beitragen. Die Rede ist von Social Software, von vorwiegend unternehmensintern genutzten Kommunikationsplattformen nach dem Vorbild des Web 2.0. Bereits 35,8 Prozent aller Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz experimentieren gemäß einer Erhebungen des Trendbüros und ihres Auftraggebers, des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel, Wiesbaden, mit Blogs, Unternehmens-Wikis oder intern genutzten Sozialen Netzwerken. Die bisherigen Erfahrungen sind überwiegend positiv. Trotzdem sind sich Birgit Gebhardt und Florian Häupl, die das “New Work Order”-Projekt beim Trendbüro geleitet haben, sicher: Social Software ist nicht der eigentliche Trend, sondern nur ein Instrument im Umgang mit einer wachsenden Komplexität der Arbeit. Der Wandel der Büroarbeit reicht deutlich weiter.

Vernetzung ist der Schlüssel zur Büroarbeit der Zukunft

Die Bedeutung der Kommunikation und der projektbezogenen Arbeit ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Durchschnittlich entfallen in den D/A/CH-Ländern bereits 46 Prozent der im Bürobereich geleisteten Stunden auf den kommunikativen Austausch. 35 Prozent der Zeit wird auf Projektarbeit verwendet. Charakteristisch für diese Art zu kooperieren sind der kommunikative Austausch unterschiedlicher Wissensträger und eine zunehmende interne wie externe Vernetzung. Etwa die Hälfte aller Unternehmen stellt regelmäßig neue Teams zur Bearbeitung ihrer Projekte zusammen – oftmals unterstützt durch Berater und externe Spezialisten. Das erfordert ein hohes Maß an Transparenz und Steuerung. So ist es kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen auf Soziale Software nach dem Vorbild von Facebook, Xing und Co. setzen. Denn während sich E-Mails bei der Koordination mehrstufiger Kommunikationsprozesse immer wieder als Effizienzkiller erweisen, macht die nachrückende Arbeitnehmergeneration im privaten wie im politischen Bereich längst vor, wie sich Interessengemeinschaften mit Hilfe Sozialer Netzwerke bilden und effektiv vernetzen können.

Das Büro übernimmt eine wichtige soziale Funktion

Eine Parallele zur Entwicklung der digital gestützten Kommunikation erkennen Gebhardt und Häupl in der Umgestaltung der Arbeitsumgebung. Digitale Kooperationsformen und mobile Endgeräte erhöhen den Spielraum bei der Wahl des Arbeitsortes. Im Rahmen der “New Work Order”-Studie musste deshalb auch die Frage gestellt werden, welche Rolle der Arbeitsort Büro künftig haben wird und ob er überhaupt noch gebraucht wird. Zur Freude der Auftraggeber aus der Büromöbelbranche erwarten die Interviewpartner des Trendbüros aus der Industrie und aus dem Dienstleistungsbereich, dass der gemeinsame Arbeitsort in ihren Unternehmen auch künftig eine wichtige Funktion haben wird. “Das Persönliche überwiegt das, was die Technik ermöglichen kann”, meint beispielsweise Jason Harper, der bei Google für die Gestaltung der Real Estate Projekte in Europa, dem mittleren Osten und Afrika zuständig ist. Der Wunsch nach sozialen Kontakten sei einer der Hauptgründe, warum Menschen ins Betahaus in Hamburg kommen, bestätigt Lena Schiller-Clausen. Sie ist Geschäftsführerin eines der ersten Coworking-Spaces in Deutschland, in dem sich junge, meist freischaffende Fachkräfte in einer Bürogemeinschaft auf Zeit zusammenfinden. Das Büro der Zukunft übernimmt damit wichtige soziale Funktionen, soll gleichzeitig aber auch ein Ort für effiziente Teamarbeit werden.

Auch die Anforderungen an Unternehmen und Führungskräfte verändern sich

Veränderungen bringt die “New Work Order” Studie zur Arbeitskultur zudem im Verhältnis zwischen Führungskräften und Mitarbeitern mit sich. Von den Beschäftigten erfordern die neuen Arbeitsmethoden ein hohes Maß an Engagement. Als Folge, so die Überzeugung des Trendbüros, werden sich sowohl die Rolle der Führungskräfte als auch Formen der Mitbestimmung verändern. Frank Roebers sieht das genauso. Der Vorstandsvorsitzenden des IT-Spezialisten Synaxon, einem mittelständischen Unternehmen mit 130 Beschäftigten an zwei Standorten in Deutschland und England sowie einem Netzwerk von 2.800 externen Vertriebspartnern weltweit, glaubt, dass Mitarbeiterführung künftig vor allem konsensuale und informelle Züge tragen wird. Seit Beginn dieses Jahres erprobt Synaxon eine vergleichsweise radikale Variante der internen Willensbildung. Mit Hilfe des durch die Piratenpartei bekannt gewordenen Liquid- Feedback-Tools übernehmen ihre Mitarbeiter seither einen Teil klassischer Führungsaufgaben selbst.

Im Rahmen der ORGATEC erschien die 44-seitige komprimierte Projektdokumentation “New Work Order”.

Unter dem Titel “New Work Order” untersuchte das Trendbüro, Hamburg, im Auftrag des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel, Wiesbaden, und mit Unterstützung der ORGATEC, welche Trends und Treiber neue Formen der Zusammenarbeit bestimmen, welche Rolle Kommunikation im Wertschöpfungsprozess spielt und welche Rolle der Arbeitsort Büro mit all seinen Satelliten künftig spielen wird. Der Projekttitel “New Work Order” spielt auf den derzeitigen Umbruch der Unternehmensstrukturen an. Basis der Recherche sind qualitative Experteninterviews, Interviews mit Unternehmensvertretern, Workshops und eine ebenfalls im Auftrag des bso durchgeführte quantitative Unternehmensbefragung (bso-Studie 2012).

Die Studie kann bei buero-forum bestellt und heruntergeladen werden.

Quelle: buero-forum

Oliver Foitzik

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