Wirtschaft

Bankmanager sorgen sich um Euroschwäche

Umfrage unter Banken in Deutschland


Positive Geschäftsentwicklung im Bankensektor / Gute Aussichten im Firmenkundengeschäft / Aber Eintrübung der Perspektiven in den anderen Geschäftsbereichen / Eurokrise dämpft Konjunkturerwartungen / Zweifel an Lösung der Schuldenkrise / Kritik an Bankenabgabe

 

Trotz überwiegend guter Geschäftslage blicken Deutschlands Bankmanager wieder mit wachsender Besorgnis in die nähere Zukunft. Die anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten und die schwelende Eurokrise lassen die Hoffnungen auf eine nachhaltige Beruhigung der Märkte und einen robusten Konjunkturaufschwung schrumpfen. Die eigenen Geschäftserwartungen bleiben davon allerdings noch weitgehend unberührt. Die Prognose für die meisten Geschäftsbereiche fällt weiterhin positiv aus, wobei die größten Hoffnungen auf dem Firmenkundengeschäft ruhen. Das sind Ergebnisse des vierten „Bankenbarometers“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Die Studie basiert auf einer Umfrage bei Führungskräften von 120 Banken in Deutschland.

 

Gute Geschäftslage

 

Trotz der neuerlichen Turbulenzen an den Finanzmärkten hat sich die Geschäftslage im deutschen Bankensektor nicht nennenswert verschlechtert. 93 Prozent der Banken bezeichnen ihre aktuelle operative Geschäftslage als eher gut oder gut – nur 13 Prozent allerdings äußern sich uneingeschränkt zufrieden. Ende des Jahres 2009 lag dieser Anteil noch bei 20 Prozent. Auch die Geschäftsprognosen fallen überwiegend optimistisch aus: Der Anteil der Banken mit ungetrübt positivem Geschäftsausblick sinkt zwar von 14 auf 7 Prozent. Immerhin 85 Prozent prognostizieren aber eine eingeschränkt positive Entwicklung.

 

Unsicherheit an den Finanzmärkten überschattet Aufschwung

 

Hoffnungen auf eine weitere Verbesserung der Lage könnten sich allerdings angesichts der wieder deutlich gestiegenen Verunsicherung an den Finanzmärkten als verfrüht erweisen. Aus Sicht jedes zweiten Bankmanagers hat sich die Lage auf den Finanzmärkten in den vergangenen Monaten verschlechtert. Und auch die Prognose für die zweite Jahreshälfte hat sich deutlich eingetrübt: Der Anteil der Manager, die eine positive Entwicklung an den Finanzmärkten erwarten, geht von 65 auf 39 Prozent zurück. Immerhin 29 Prozent prognostizieren sogar eine Verschlechterung der Lage.

 

Die Schuldenkrise in Europa und die immer wieder aufflammenden Spekulationen über die Zahlungsunfähigkeit von Euro-Ländern stellen aus Sicht vieler Banken eine ernsthafte Gefahr dar: 60 Prozent der Bankmanager halten es für möglich, dass die Euro-Krise den Aufschwung in Deutschland gefährden wird. Und ein Ende der Spekulationen gegen die europäische Gemeinschaftswährung ist wohl vorerst nicht in Sicht: So glaubt immerhin knapp jeder zweite Banker (47 Prozent), dass die angeschlagenen Euro-Staaten ihre Verschuldung nicht in den Griff bekommen werden. Damit erweisen sich die Banker allerdings immer noch als optimistischer als die übrigen Manager in Deutschland, von denen im Rahmen des Ernst & Young-Vertrauensindex nur 37 Prozent eine Lösung des Schuldenproblems der südlichen Euro-Länder für wahrscheinlich erklären1.

 

„An den Kreditmärkten herrscht nach wie vor ein großes Misstrauen gegenüber einigen Euro-Ländern.

So lange dieses Misstrauen nicht ausgeräumt ist, werden die Turbulenzen anhalten“, konstatiert Claus-Peter Wagner, Leiter des Bereiches Financial Services bei Ernst & Young. Die anhaltende Nervosität an den Märkten könne sich zu einer ernsthaften Bedrohung für die weitere konjunkturelle Erholung entwickeln, so Wagner. „Die Eurokrise hat die Erholung des Vertrauens gestoppt und setzt nun ein großes Fragezeichen hinter den aktuellen Aufschwung. Auch wenn vieles für eine robuste Erholung der Wirtschaft spricht – die ungelöste Schuldenkrise in der Eurozone schwebt wie ein Damoklesschwert über der Konjunkturerholung“, fasst Wagner zusammen.

 

Die Eurokrise könnte auch negative Auswirkungen auf das eigene Geschäft haben, befürchten die Banken: Mehr als die Hälfte der befragten Banker erwarten direkte oder indirekte Einbußen. „Die Kursrisiken sind trotz des Ankaufprogramms der EZB und trotz des Rettungsschirms in Höhe von 750 Milliarden Euro nicht ausgestanden“, stellt Wagner fest.

 

Gute Aussichten im Firmenkundengeschäft – keine Kreditklemme

 

Unbeirrt von den Unsicherheiten an den Finanzmärkten setzen die Banken in Deutschland aber vorerst weiter auf eine Verbesserung der eigenen Geschäftslage. So stehen auch Kostensenkungsmaßnahmen nicht mehr ganz oben auf der Agenda der Bankmanager: Nachdem zu Jahresbeginn noch 73 Prozent der Befragten Kostensenkungen eine große Bedeutung beigemessen hatten, liegt der Anteil inzwischen nur noch bei 58 Prozent. Zudem dürfte der Stellenabbau im Bankensektor vorerst abgeschlossen sein. Zwar wollen 18 Prozent der Banken in den kommenden sechs Monaten die Zahl der Mitarbeiter reduzieren, aber nur geringfügig weniger – 14 Prozent – wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Die große Mehrheit der Institute plant somit, die Beschäftigung stabil zu halten.

 

„Die Geschäftslage ist stabil, die heftigsten Auswirkungen der Krise sind inzwischen verarbeitet, wir erleben eine Rückkehr zur Normalität, zum Business as Usual – allerdings unter dem Vorbehalt, dass es nicht zu einer weiteren Verschärfung der Schuldenkrise kommt“, konstatiert Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei Ernst & Young.

 

Die Konjunkturerholung führt auch dazu, dass die Aussichten im Firmenkundengeschäft positiver beurteilt werden. Derzeit bezeichnen insgesamt 95 Prozent die Perspektiven in diesem Segment als positiv, 39 Prozent sogar als uneingeschränkt gut. Vor sechs Monaten hatten 82 Prozent dem Firmenkundengeschäft gute Perspektiven bescheinigt. In den meisten anderen Geschäftsbereichen hat sich der Ausblick allerdings eingetrübt. Vor allem die Prognosen für den Wertpapierhandel und die Transaktionsberatung fallen deutlich weniger positiv aus als noch vor sechs Monaten.

 

Angesichts der verbesserten Wirtschaftslage scheint auch der Negativtrend bei der Kreditvergabe an Unternehmen gestoppt zu sein. Zwar gehen 26 Prozent der Bankmanager davon aus, dass die Banken die Kreditvergabe zukünftig restriktiver handhaben werden als bislang, immerhin elf Prozent sehen aber eine gegenläufige Tendenz. Und die Mehrheit der Bankmanager sieht keine Notwendigkeit, die Kreditvergabepolitik restriktiver zu gestalten. Zu Jahresbeginn hatten noch 38 Prozent der Befragten eine Einschränkung der Kreditvergabe erwartet, im Juni 2009 lag der Anteil sogar bei 57 Prozent. „Zwar ist Situation bei relativ vielen Unternehmen immer noch kritisch, und die Zahl der Insolvenzen steigt nach wie vor an – der Höhepunkt der Wirtschaftskrise liegt aber eindeutig hinter uns, der Aufschwung ist überraschend stark, die Konjunkturerwartungen haben sich merklich aufgehellt. Darauf stellen sich nun auch die Banken ein. Sie tun zwar gut daran, trotz des Aufschwungs Vorsicht walten zu lassen, sich auf weitere Kreditausfälle einzustellen und vorerst ihre Risikovorsorge moderat weiter zu erhöhen. Hält der Aufschwung aber an, werden wir bald vielleicht sogar wieder eine Lockerung bei der Kreditvergabe sehen. Eine Kreditklemme ist jedenfalls nicht absehbar“, stellt Müller-Tronnier fest.

 

Aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage fällt auch das Urteil der Banken über die Automobilindustrie etwas milder aus als noch zu Jahresbeginn: Zwar stufen immer noch 59 Prozent der Bankmanager die Automobilwirtschaft als kritisch ein und sehen hier eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit von Kreditausfällen – Anfang 2010 hatte der Anteil allerdings bei 85 Prozent gelegen. Verbessert hat sich auch die Beurteilung des Maschinenbaus, dessen Kredite 26 (37) Prozent der befragten Manager als besonders ausfallgefährdet ansehen. Geringfügig verschlechtert hat sich hingegen die Beurteilung der Bauwirtschaft, wo die Lage aus Sicht von 46 (32) Prozent relativ kritisch ist.

 

Skepsis gegenüber Bankenabgabe

 

Die von der Bundesregierung geplante Bankenabgabe, mit der die Kreditwirtschaft an den Kosten künftiger Finanzkrisen beteiligt werden soll, stößt bei den Bankmanagern mehrheitlich auf Ablehnung. 61 Prozent halten sie für unnötig. Zukünftige Krisen werden sich auf diese Weise zudem nicht verhindern lassen – so die fast einhellige Meinung der Branche (94 Prozent).

 

Insgesamt 1,2 Milliarden Euro will die Bundesregierung jährlich von Deutschlands Banken für einen Notfallfonds kassieren – die Expertengruppe der Bundesregierung um den früheren Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, hält sogar eine noch höhere Bankenabgabe für nötig. Dabei soll sich die Höhe der Abgabe am systemischen Risiko eines Instituts – also seiner Bedeutung für die Branche und die Volkswirtschaft – orientieren.

 

Konkret sollte sich die Höhe der Abgabe aus Sicht der Befragten an dem Derivatevolumen und/oder dem Handelsergebnis der jeweiligen Institute bemessen – so die Meinung von 71 bzw. 64 Prozent der Banker. Zudem fordert die große Mehrheit der Bankmanager, dass auch Versicherungen die Abgabe entrichten sollten – das allerdings ist derzeit nicht geplant.

 

Konkretere Anforderungen an die Vergütungssysteme der Banken

 

Mit der Neufassung der "Mindestanforderungen an das Risikomanagement" (MaRisk) vom August 2009 hat die BaF in die Anforderungen an die Vergütungssysteme der Banken deutlich konkretisiert.

Aggressive Vergütungssysteme sollen nun der Vergangenheit angehören. Künftig dürfen kurzfristige Renditen bei den variablen Bestandteilen der Vergütung von Bankmanagern keine Rolle mehr spielen.

 

Diese Neuregelung findet grundsätzlich die Zustimmung der Branche – 70 Prozent der Befragten halten sie für notwendig –, lässt aber noch viele Fragen offen. So bezeichnet jeder zweite Bankmanager die neuen Vorgaben als nicht eindeutig genug. Und fast ebenso viele Befragte (46 Prozent) finden, dass sie nicht weit genug gehen. Dass sie den gewünschten Effekt haben werden, bezweifelt ebenfalls immerhin fast jeder zweite Bankmanager. „Vielfach war gefordert worden, die vermeintlichen Auswüchse der bisherigen Gehaltssysteme zu beschneiden. Auch die Mehrheit der Bankmanager begrüßt zwar eine Regelung, allerdings gibt es hinsichtlich der Praktikabilität des konkret vorliegenden Reformwerks offensichtlich noch Defizite“, beobachtet Müller-Tronnier.

 

 

 

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Kontaktdaten:

Ernst & Young GmbH

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Dag-Stefan Rittmeister

Mittlerer Pfad 15

70499 Stuttgart

Telefon +49 (711) 9881 15980

 

 

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