Technologie

Bionische Kontaktlinse projiziert Informationen direkt auf die Netzhaut

Ein Forscherteam der Universität von Washington in Seattle (USA) und der finnischen Aalto-Universität in Espoo haben gemeinsam eine bionische Kontaktlinse entwickelt. Sie ist auf den ersten Blick eine ganz normale Kontaktlinse, in ihr verbirgt sich jedoch jede Menge High-Tech: Sie soll künftig Bildschirme ersetzen, indem die Informationen direkt auf die Netzhaut projiziert werden. Das lichtdurchlässige Display in Kontaktlinsenformat erhält seine Informationen per Funk und projiziert die Bilder dann direkt ins Auge. Die größte Herausforderung war dabei, die elektronischen Komponenten so auf der Kontaktlinse unterzubringen, dass sie den Träger nicht stören oder das Auge sogar verletzen. Der beteiligte Forscher Babak Parviz: „Zum ersten Mal haben wir es geschafft, das Display in einem lebenden Auge zu steuern und es kabellos mit Energie zu versorgen. Wenn Sie durch die fertige Linse schauen, können Sie das, was das Display anzeigt, als Überlagerung auf der Welt da draußen sehen.“ Dies sei zwar erst ein sehr kleiner Schritt auf dem Weg zu dem Ziel, allerdings ein sehr vielversprechender.

Das Forscherteam hat bislang sieben Jahre Arbeit in das Vorhaben investiert. Die Stromversorgung erfolgt drahtlos mittels Hochfrequenzstrahlung, die von einer eingebauten Mini-Antenne eingefangen und an den Chip weitergegeben wird. An Versuchstieren wurde das gefahrlose tragen der bionischen Linsen bereits erfolgreich getestet. Bis es zu einer alltagstauglichen Entwicklung beispielsweise als Navigationsgerät kommt, dürften allerdings noch einmal einige Jahre vergehen. Zudem könnte man auch Textnachrichten lesen, Nachrichten-Videos sehen, weit entfernte Objekte näher heran zoomen oder sich mittels virtuellen Assistenten und einer „augmented reality“ nützliche Informationen zusätzlich zu der realen Wirklichkeit anzeigen lassen. Auch eine Zielerfassung (Fadenkreuz) ist möglich, ohne Kimme und Korn bemühen zu müssen. Die potentiellen Anwendungsmöglichkeiten sind also äußert vielseitig. Bis dahin müssen nun noch ein Display mit einer hohen Auflösung und in voller Farbe entwickelt werden – bislang besteht das Display lediglich aus einem einzigen Pixel. Parviz: „Unser Ziel ist es, die grundlegende Technologie zu demonstrieren und sicher zu stellen, dass alles funktioniert und ungefährlich ist.“ Die Weiterentwicklung der Technologie obliege anderen Forschern.

 

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