Wirtschaft

Demokratie-Preis für Franz Alt

„Eine freie Gesellschaft kann nur frei bleiben, wenn sie Voraussetzungen für Wohlstand schaffen kann. Eine Demokratie funktioniert nur dann, wenn die Ökonomie funktioniert“. Dies betonte der Journalist und Buchautor Franz Alt, der in einer Feierstunde mit dem diesjährigen Martinipreis der südpfälzischen SPD ausgezeichnet wurde.

In seiner Dankesrede, die immer wieder von spontanem Beifall unterbrochen wurde, betonte Alt, dass die Klimafrage und die Energie die größten Probleme der Menschheit in den nächsten 1000 Jahren seien. „Wenn das Klima kippt, ist Leben auf der Erde nicht mehr möglich und wir haben Gott ins Handwerk gepfuscht“, erklärte Franz Alt.

Er wies darauf hin, dass Kriege auch weiterhin um Ressourcen geführt werden. Die Sonne hingegen garantiere Frieden, da um man um die Energie der Sonne keine Kriege führen könne. Die Sonne sei die eigentliche Energiequelle und daher gebe es auch von Natur aus keine Energieprobleme, obwohl uns die Energiekonzerne dies immer wieder glaubhaft machen wollten. Erneuerbare Energien böten Chancen für Gerechtigkeit, erklärte Alt, da auch die armen Länder dieser Erde über sie verfügten. Sie müssten nur sinnvoll eingesetzt werden.

Der Martinipreisträger fühlte sich geehrt, weil er als ehemaliges CDU-Mitglied den Preis von der SPD erhalte. Franz Alt führte in seinem sehr unterhaltsamen Vortrag eine Vielzahl von Beispielen an, wie man erneuerbare Energien wirkungsvoll einsetzen kann. Er lobte Rheinland-Pfalz, dass ein Vorreiter in Sachen Energiewende sei. Er hoffe, dass die Landesregierung ihre Pläne umsetzen werde. Franz Alt betonte: „Deutschland ist erneuerbar, Europa ist erneuerbar, die Welt ist erneuerbar.“

Zu Beginn der Feierstunde im Bayerischen Hof in Wörth hatte Thomas Hitschler, der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks, in seiner Grußworten nochmals darauf hingewiesen, dass man mit Franz Alt einen Preisträger gefunden habe, der die Kriterien des Martinipreises voll und ganz erfülle. Der Martinipreis werde an Personen vergeben, die sich um Demokratie, um politische Kultur, um Aufklärung und Wahrhaftigkeit im politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben verdient gemacht habe“.

Franz Alt lege den Finger in die Wunde der Politik, sagte Hitschler, der auch daran erinnerte, dass die SPD Südpfalz sich in diesem Jahr intensiv mit dem Thema erneuerbare Energien auseinandergesetzt habe. Das Thema habe Franz Alt schon vor 20 Jahren aufgegriffen.

Die Laudatio auf Franz Alt hielt Alexander Schweitzer, Generalsekretär der rheinland-pfälzischen SPD. Die Politik brauche ein Umdenken und Erneuerung, so Schweitzer. Politikverdrossene Bürger müssten wieder spüren, dass ihre Stimme noch Auswirkungen auf das Geschehen hat. Gottseidank gebe es noch Leute, die sich interessieren, sich einsetzen und für ihre Sache demonstrieren.

„Für sie alle steht Franz Alt, der sich um die Demokratie verdient gemacht hat“, sagte Schweitzer. Das Wort des Preisträgers sei Instrument, seine Auseinandersetzung Teil und Wesen der Demokratie. Schweitzer betonte, dass Franz Alt das globale Thema „Erneuerbare Energien“ zum seinem Lebensthema gemacht habe, eine der Wurzeln seines Engagements sei Gottvertrauen. Der Laudator nannte Franz Alt einen Visionär.

Kurt Beck, Ministerpräsident und SPD-Landesvorsitzender, versprach dem Preisträger, dass man in Rheinland-Pfalz versuchen werde, seine Ideen umzusetzen. Franz Alt habe seine Zukunftsbotschaften mit Wissen und Verstand vertreten.

 

BEGRÜNDUNG: Martinipreis 2011 für „Franz Alt“

Die südpfälzische SPD vergibt dieses Jahr zum 21. Mal ihren Martini- Preis. Damit würdigen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten den vorbildlichen Einsatz von Personen und Organisationen für Demokratie und Bürgergesellschaft.

2011 war ein sehr ereignisreiches Jahr, auch für die deutsche Demokratie. Das Reaktorunglück in Fukushima im Frühjahr hat uns alle sehr bewegt. Erneut wurden uns die Grenzen menschlicher Technik und Beherrschbarkeit der Kräfte der Natur auf einschneidende Art deutlich gemacht. In Deutschland war dieses Ereignis ausschlaggebend, die jahrzehntelange gesellschaftliche Auseinandersetzung um die Frage der Atomkraftnutzung zu einem Konsens zu bringen.

Auch der Druck der engagierten Bürgerinnen und Bürger, die zu Zehntausenden auf den Straßen gegen Atomkraft demonstrierten, haben einen großen Anteil an der Entscheidung des Atomausstiegs. Dies war ein Sieg des langjährigen, generationenübergreifenden Einsatzes der Zivilgesellschaft – ein Sieg der Demokratie.

Franz Alt forderte in seinem Buch „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“ schon vor fast zwanzig Jahren den Atomausstieg. Mit einem enormen Schaffensgeist setzt er sich für die „solare Weltrevolution“ ein und vergisst dabei auch nicht die soziale Dimension der Energiewende, als deren Vordenker und Vorkämpfer er agiert. Schon damals scheute er sich nicht, den Konflikt mit den Mächtigen zu suchen.

Im Spätjahr sind es nun andere Krisen, die uns zunehmend beschäftigen: Finanzkrise, Euro- Krise, Schuldenkrise, Wirtschaftskrise. Während in vielen Ländern harte Einschnitte vor allem die Ärmeren treffen, verbreitet sich Unmut darüber, dass die Mitschuldigen der Krise scheinbar ungeschoren davon kommen.

Regulierung der Finanzmärkte und eine Finanztransaktionssteuer bleiben bisher Sonntagsreden, weiterhin wird gegen ganze Staaten gewettet und spekuliert. Dies schafft auch eine Vertrauenskrise in die Möglichkeiten der Politik und den Zustand unserer Demokratie – und lässt Millionen Menschen weltweit gegen das Finanzsystem und für „echte Demokratie“ protestieren.

Franz Alt engagiert sich seit Jahrzehnten für die Demokratie. Dieses Engagement hält bis heute ungebrochen an. In einer Rede auf der „Occupy“- Großdemonstration in Stuttgart am 15. Oktober dieses Jahres kritisierte Alt die „Zeiten des Finanz- Extremismus, in denen Politiker nur noch die Getriebenen der Finanz- Haie sind“ und forderte mehr Gerechtigkeit, mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung und eine Erneuerung der Demokratie im Sinne Willy Brandts.

Auch in Fragen der Friedenspolitik, der weltweiten Armuts- und Hungerbekämpfung und nachhaltigem Wirtschaften zeigt sich Franz Alt heute noch als Vordenker, der sich mit den Missständen auf dieser Welt nicht zufrieden gibt.

Unsere Demokratie ist auf solche Menschen angewiesen. Franz Alt erfüllt in besonderem Maße die Voraussetzungen unseres Martinipreises.

 

Quelle: Herbert Berberich 2011 / Franz Alt 2011

 

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