Wirtschaft

Italiens Risikozinsen steigen auf 5,28%, Schuldenstand bei 120% des BIP

Angesichts eines Schuldenstandes von rund 120% des BIP und Gerüchten über einen Rücktritt des amtierenden Wirtschaftsministers Giulio Tremonti reagierten die Finanzmärkte zurückhaltend auf neue italienische Anleihen. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen stiegen auf 5,28%, das sind 2,45% über dem deutschen Kurs. Die italienische Volkswirtschaft wächst in diesem Jahr mit nur 0,9% ausgesprochen langsam, zudem gibt es in dem aktuellen Haushaltsentwurf auch keinerlei wachstumsfördernde Maßnahmen – allerdings sollen wie kürzlich per Nachtragshaushalt beschlossen 47 Milliarden Euro bis 2014 eingespart werden. Ein Großteil dieser Einsparungen wird jedoch erst ab 2013 greifen. Ein ungenannter Notenbanker der Europäischen Zentralbank EZB forderte daher eine Verdopplung des bestehenden Euro-Rettungsschirms: „Der bestehende Schirm in Europa reicht nicht aus, um eine glaubwürdige Schutzmauer um Italien zu bauen. Dafür war er nie angelegt.“ Demnach gebe es für einen solcher Schritt im EZB-Rat bereits ein breiter Konsens. Der Notenbanker wird weiter zitiert, dass das schlechte Krisenmanagement der europäischen Regierungen dafür sorge, dass sich die Kosten der Rettung ständig erhöhen.

Insgesamt hatten 14 Euro-Länder zum Jahreswechsel 2010/11 eine Verschuldungsquote von über 60% des BIP (Maastrichtkriterien). Allen voran Griechenland mit 142,8%, vor Italien (119%), Belgien (96,8%), Irland (96,2%), Portugal (93%) und Deutschland (83,2% ). Die weiteren Staaten Oberhalb der 60-Prozent-Verschuldungsgrenze sind Frankreich, Ungarn, Großbritannien, Österreich, Malta, die Niederlande, Zypern und Spanien. Insgesamt kletterte die Verschuldung in der Eurozone im Vergleich zu 2009 von 79,3% des BIP auf 85,1%. Den höchsten Fehlbetrag wies 2010 Irland aus (32,4% des BIP), vor Griechenland (10,5%), Großbritannien (10,4%), Spanien (9,2%) und Portugal (9,1%). Einzig Estland erzielte ein positives Ergebnis, Schweden konnte einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Der Durchschnitt der Neuverschuldung sank in der Euro-Zone von 6,3 auf 6,0% des BIP und in der EU von 6,8 auf 6,4%.

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