Wirtschaft

Rechenfehler in Irland – 3,6 Mrd. weniger Schulden als gedacht

Nicht nur die Rechtschreibfehler im Internet nehmen immer mehr zu – auch die Rechenfehler der Finanzprofis mehren sich. Erst letzte Woche wurde bei der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) ein ebenso spektakulärer wie peinlicher Rechenfehler aufgedeckt: Bei der Berechnung der Bilanzsumme unterlief ein 55-Milliarden-Euro Fehler – so viel wie die gesamten Hartz-IV-Ausgaben für eineinhalb Jahre und fünf Millionen Menschen zusammen ausmachen. Dies wurde zunächst von keinem Finanzfachmann und keinem Kontrolleur bemerkt. Die zuständigen Manager müssen nun zum Rapport beim Finanzminister Wolfgang Schäuble antreten, um den Fehler zu klären. Durch den 55-Milliarden-Fehler sank die Schuldenquote der Bundesrepublik im laufenden Jahr um 2,6 Prozentpunkte, von 83,7 auf 81,1% des BIP. Diese Woche hat die HRE jedoch gleich noch einmal hinterher gelegt: Die Abwicklungsanstalt, oder auch Bad Bank der HRE hat beim Jahresabschluss 2010 den Überschuss um 43 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen.

Auch in Irland zeigen die Finanzprofis deutliche Rechenschwächen: Die Staatsschulden in Höhe von 157 Milliarden Euro wurden bislang rund 3,6 Milliarden Euro zu hoch ausgewiesen. Damit sinkt die Verschuldungsquote Irlands von bisher rund 100% des BIP um 2,3 Prozentpunkte. Hier hatten die Finanzfachmänner einen Betrag aus Versehen gleich an zwei Stellen als Defizit aufgeführt, wodurch er auch zweimal in die Bilanz einfloss.

Anfang September 2011 hatten die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) gemeinsam Dublin ein gutes Zeugnis bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen ausgestellt und die Fortschritte ausdrücklich gelobt. Trotz Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen hat die irische Wirtschaft nach drei Jahren sinkender Wirtschaftsleistung eine Trendumkehr geschafft und ist im ersten Quartal um 1,3% gewachsen. Für das Gesamtjahr liegt die Prognose bei einem Zuwachs von 0,6% und für 2012 bei 1,9%. Die Rekapitalisierung des für die irische Misere verantwortlichen Bankensektors habe zudem deutlich weniger Geld benötigt als zunächst noch erwartet, was den Haushalt zusätzlich entlaste und wichtige wirtschaftliche Stimuli auslösen würde. Auch die Arbeitslosenausgaben wurden durch eine starke Emigration von Iren ins Ausland geschont. Die gute Wettbewerbsfähigkeit lasse den keltischen Tiger als „Muster-Sünder“ unter den europäischen Krisenländern dastehen.

Durch ein weit überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum und damit verbundene hohen Steuereinnahmen hatte der „keltische Tiger“ (4,6 Millionen Einwohner) seine Staatsverschuldung von 1990 bis 2007 von sehr hohen 95% des BIP auf respektable 25% zurückführen können. Aufgrund der Banken- und Finanzkrise 2008, in Irland von dem Platzen der Immobilienblase begleitet, betrug das Haushaltsdefizit 2009 dann allerdings wieder 14,3% (unter Einrechnung der Bankenrettungszahlungen) und 2010 dann aufgrund der massiven weiteren Stützungszahlungen für die angeschlagenen Banken einmalig über 30% (ohne die Zahlungen an die Banken 12%). Bis 2015 will Irland den Euro-Stabilitätspakt (Maastricht-Kriterien) wieder einhalten.

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