Wirtschaft

Schweiz zieht Notbremse beim Höhenflug und koppelt Franken an Euro

Die Schweiz zeigt keine Angst vor Eingriffen in die Finanzmärkte, um die eigene Volkswirtschaft zu schützen. Nun hat die Nationalbank (SNB) auf den extremen Höhenflug des Franken reagiert und ein Mindestkurs der Schweizer Währung im Verhältnis zum Euro festgelegt, den sie mit allen Mitteln zu verteidigen gedenkt: dieser Mindestkurs beträgt 1,20 Franken für einen Euro. Mit „unbeschränkten Devisenkäufen“ will die SNB verhindern, dass der Euro unter diese Marke fällt. Seit Jahresbeginn hat sich der Schweizer Franken bereits um rund 30% gefestigt und gegenüber dem Euro im August beinahe die Parität erreicht, den Dollar hat die Schweizer Währung schon lange hinter sich gelassen. Anfang August hatte die SNB noch an die Finanzmärkte appelliert, den Franken nicht als stillen Zufluchtshafen bei den aktuellen Finanzturbulenzen (Schuldenkrise) zu betrachten, da eine stark überbewertete Währung dem Export und damit der Schweizer Volkswirtschaft zu sehr schaden würde.

Die Schweizer Presse begrüßte den SNB-Entscheid im allgemeinen als notwendig. Der „Tages-Anzeiger“ kommentierte, dass die Mindestgrenze weder höher noch tiefer als 1,20 Franken pro Euro hätte liegen dürfen, da sonst die Wettlust der Finanzmärkte ins Unermessliche gesteigert worden wäre. Das „Züricher Blatt“ schrieb, es habe „das größte Abenteuer in der Schweizer Währungspolitik seit der Freigabe der Wechselkurse begonnen.“ Mit der sich nun in Folge der Abwehrmaßnahmen deutlich erhöhenden Geldmenge drohe auch eine höhere Inflation. Der Erfolg der Intervention hängt nun vor allem vom weiteren Verhalten der Devisenhändler und der Politik ab, letzteres vor allem in dem Bereich der nach der Finanzkrise oft angesprochenen, vielfach geforderten, aber bislang noch nicht umgesetzten Regulierung der Finanzmärkte, die sich von der Realwirtschaft und der realen Wertschöpfung weitestgehend entkoppelt zu einem selbstrefferenten Casinosystem entwickelt haben. Dementsprechend warnt auch das „Ostschweizer Blatt“: Ob die Untergrenze von 1.20 Franken tatsächlich gehalten werden könne, zeige sich erst, „wenn erste Spekulanten das Bollwerk testen“ und die SNB mit Milliarden intervenieren muss, die im schlimmsten Fall in dem Nullsummenspiel an die Angreifer abfließen.

Am Dienstag legten Euro, Dollar, Pfund und Yen sowie der australische und der kanadische Dollar zum Franken zwischen 7% und 11% zu. Händler verwiesen dabei auf aggressive Frankenverkäufe der SNB in einem rekordverdächtigen Ausmaß, so dass der Franken innerhalb weniger Minuten von 1,12 auf bis zu 1,22 im Verhältnis zum Euro absank.
 

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