Energie & Umwelt

Tank UND Teller: Globales Computer-Modell soll künftige Potentiale der Bioenergie berechnen

Forschungsprojekt der Universität Hohenheim ermittelt weltweite Anbaufläche für Energiepflanzen und zeigt Wege zur effizienteren Nutzung. Bioenergie ohne verschärftes Hungerproblem: So lässt sich auf den Punkt bringen, was sich Agrarökonomen an der Universität Hohenheim vorgenommen haben. Sie analysieren deshalb weltweit verfügbare Statistiken und kalkulieren mit einem Rechenmodell, wie viel Ackerfläche weltweit für Energiepflanzen übrig bleibt, wenn die Welternährung oberste Priorität hat. In Deutschland vermuten sie ein besonders hohes Potential.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fördert das von Prof. Dr. Enno Bahrs und Prof. Dr. Jürgen Zeddies durchgeführte Forschungsprojekt mit rund 327.000 Euro. Damit gehört es zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

„Zukunftsprognosen sind sehr schwer“, gibt Dr. Nicole Schönleber, Mitarbeiterin am Lehrstuhl Landwirtschaftliche Betriebslehre, zu bedenken. Denn sehr viele verschiedene Faktoren bestimmen, wie sich die globale Nachfrage nach Lebensmitteln in Zukunft entwickelt. Das Wachstum der Weltbevölkerung spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Ernährungsgewohnheiten. „Nähme die ganze Welt unser westliches Ernährungsverhalten an, bliebe für Mais, Raps und andere Energiepflanzen gar kein Platz mehr“, mahnt Dr. Schönleber. Derzeit steige die Nachfrage nach Fleisch in China und anderen Schwellenländern auch weiter an.

Daneben soll das Modell aber auch berücksichtigen, wie viel Anbaufläche künftig in den 148 wichtigsten Agrarstaaten der Erde durch Erosion, Wüstenbildung oder Zersiedelung verloren geht. Auch mögliche Ertragssteigerungen durch neue Technik oder Erfolge in der Pflanzenzüchtung fließen in das Modell mit ein. Ebenso wie die Entwicklung des ökologischen Landbaus und der Landschaftsschutzgebiete.

Rechenmodell kalkuliert Flächennutzungspotenzial von 148 Staaten

Diese riesige Fülle an Informationen soll das Computermodell verrechnen und daraus das Flächennutzungspotenzial jedes einzelnen Landes ermitteln. Damit können die Wissenschaftler dann ganz verschiedene Zukunftsszenarien durchspielen und sehen, wie sich welche Entwicklungen und politischen Entscheidungen in der Zukunft auswirken. Aus ihren Modellergebnissen können sie dann aber auch herauslesen, welche Einflüsse besonders wichtig sind, um die hochgesteckten Klimaziele der Bundesregierung erreichen zu können.

Denn bis 2020 will die Bundesregierung den gesamten Energieverbrauch im Land zu 18 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen decken. Beim Stromverbrauch ist die Zielzahl sogar noch wesentlich höher: 35 Prozent sollen in knapp einem Jahrzehnt aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Die Europäische Union und viele andere Staaten auf der ganzen Welt haben sich ähnlich ambitionierte Ziele gesetzt.

Deutschland hat hohes Potenzial

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg: 2011 lag der Anteil der erneuerbaren Energiequellen in Deutschland erst bei 12,2 Prozent am gesamten Energieverbrauch. „Bei all diesen Vorhaben spielt die Bioenergie eine bedeutende Rolle“, sagt Dr. Schönleber.

Das Flächennutzungspotenzial ist für Deutschland und die EU vielversprechend: „Die Bundesrepublik hat eine sehr hohe Flächenproduktivität und die Bevölkerung wird laut UN-Prognose abnehmen. Das Land kann deshalb den Bioenergiesektor voraussichtlich weiter auszubauen, ohne eine weitgehend selbständige Ernährung zu gefährden und trotzdem noch größere Agrarexporte für die Welternährungssicherung bereitstellen“, fasst Dr. Schönleber die Ergebnisse zusammen.

Bioenergie effizienter und klimafreundlicher nutzen

Das deutsche Flächenpotenzial lässt sich sogar noch steigern, wenn Kraftstoffe, Strom und Wärme aus Biomasse in Zukunft effizienter erzeugt und eingesetzt werden als heute: „Wir suchen nach Wegen, wie sich die Produktionskosten senken und die Erträge steigern lassen“, sagt Dr. Schönleber.

Aber auch zu den Klimazielen kann Bioenergie mehr beitragen: „Strom, Wärme und Biokraftstoffe: Was spart am meisten CO2 ein?“ Am Ende ihrer Bilanzierungen weiß Dr. Schönleber, welche Bioenergielinie jeweils die effizienteste ist. Die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung lassen sich mit ihren Ergebnissen leichter erreichen.

Hintergrund: Forschungsprojekt

„Optimierung der Biomassenutzung nach Effizienz in Bereitstellung und Verwendung unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitszielen und Weltnährung“ lautet der volle Titel des Forschungsprojekts am Lehrstuhl für Landwirtschaftliche Betriebslehre der Universität Hohenheim. Es ist im vergangenen Herbst angelaufen und endet im Januar 2014. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fördert es mit rund 327.000 Euro.

(Text: Weik / Klebs – Universität Hohenheim)


Weiterführende Artikel:

Biosprit: Teller und Tank statt Spekulation und Müll

Stromerzeugung aus Biomasse – Endbericht erschienen

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.