Wirtschaft

Trendwende: Reallohnzuwachs von 0,5% in 2011 und 0,8% in 2012

Die Reallöhne in Deutschland dürften laut dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wirtschaftsweisen) im laufenden Jahr um durchschnittlich 0,5% steigen. Für das nächste Jahr wird ein weiterer Anstieg der Stundenlöhne um im Schnitt 2,7% erwartet, bei einer angenommenen Inflation von 1,9% bliebe dann ein Reallohnzuwachs von 0,8%. 2010 betrug der Reallohnzuwachs 0,6%.

Die Durchschnittswerte verzerren dabei allerdings das Bild: Während beispielsweise Manager der 30 Dax-Konzerne in Deutschland 2010 rund 22% mehr Lohn erhielten, sinkt der Reallohn der Geringverdiener stetig immer noch weiter ab. Durch einen Reallohnverlust von 20% für Geringverdiener seit der Jahrtausendwende hat sich Deutschland immer mehr in Richtung des angelsächsischen Kapitalismus entwickelt. Der Niedriglohnsektor ist mittlerweile so stark ausgeprägt, dass insgesamt 5 Millionen Deutsche von einem Mindestlohn von gerade einmal 8,50 Euro profitieren würden.

Insgesamt ist die deutsche Lohnentwicklung – trotz, oder gerade wegen der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Top- und Geringverdienern – die schlechteste im gesamten Industrieländervergleich: Laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO schrumpften die Reallöhne in Deutschland im letzten Jahrzehnt um -4,5%. Lediglich Japan wies noch mit -1,8% einen negativen Wert auf. Spitzenreiter sind Norwegen (+25,1%), Finnland (+22,0%) und Südkorea (+18,3%). Durch die Lohnzurückhaltung in Deutschland seien zwar laut der ILO die deutschen Unternehmen wettbewerbsfähiger geworden, die private Nachfrage wurde aber nicht gestärkt. Die Lohnentwicklung würde sich zudem nicht an der Produktivitätsentwicklung orientieren, wodurch die Einkommen umverteilt werden: Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen steigen, während das Einkommen der Arbeitnehmer sinkt. Die ILO fordert daher, eine Produktivitätssteigerung auch mit Lohnzuwächsen einhergehen zu lassen und dem Trend zu mehr Geringverdienern und Niedriglöhnen entgegenzuwirken.

 

 

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