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Wie gelingt eine gute Website – Interview mit Katarzyna Tichnowetzki

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Mit ihrem Geschäftspartner (und praktischerweise Ehemann) leitet Katarzyna Tichnowetzki das Webdesign-Studio PRIMA LINE in Berlin. Gemeinsam mit einem Team aus Freelancern erstellt sie vor allem Websites. Daneben gestaltet sie Corporate Design, Printdesign und 360° virtuelle Touren. Wir sprachen mit ihr darüber, was eine passende Außendarstellung von Unternehmen auszeichnet und wie eine gute Website gelingt.

Mit einer richtig guten Website zur passenden Außendarstellung – Interview mit Katarzyna Tichnowetzki

Frau Tichnowetzki, welchen Stellenwert besitzen analoge Präsentationsformen – zum Beispiel Flyer oder Broschüren heute überhaupt noch?

Das hängt natürlich von dem jeweiligen Geschäft und der Branche ab. Grundsätzlich aber spielen Flyer, Broschüren und ähnliches Werbematerial jetzt oft nur noch eine ergänzende Rolle in der Außendarstellung einer Firma. Man sollte nicht auf sie verzichten, um die Kundschaft auch „offline“ erreichen zu können, aber das A und O bildet eine durchdachte Internetseite. Sie ist in den meisten Fällen die Anlaufstelle für alle Interessenten. Auch diejenigen, die über einen gedruckten Flyer „gestolpert“ sind, werden sich oft erst einmal auf der Internetseite der Firma umschauen wollen, bevor sie sich für das Angebot oder die Kontaktaufnahme entscheiden. Daher ist es wichtig, dass an der Internetpräsenz alles stimmt.

Wie hat sich der Anspruch an eine gute Webpräsenz in den letzten Jahren geändert?

Wer vor zehn Jahren eine Website erstellte, hatte im Vergleich ein leichtes Spiel gehabt. Die Websites von heute – wenn sie wirklich gut sind – sind ausgeklügelte Werke, die einerseits den Besuchern die nötigen Emotionen, Erlebnisse und Informationen liefern und andererseits die Suchmaschinen „bedienen“.

Die Suchmaschinen mögen Content. Dieser soll innovativ und informativ sein. Die User suchen natürlich auch nach Informationen, haben aber oft nicht so viel Geduld, sich durch lange Textpassagen durchzuwühlen. Andererseits wertet Google es durchaus positiv, wenn die Verweildauer der Besucher hoch ausfällt, denn das gibt einen wichtigen Hinweis auf relevante und interessante Inhalte.

Aus diesem Grund sollten die Inhalte einer Website dem Besucher optisch angenehm „serviert“ werden, sodass sie zum Lesen einladen. Das Layout einer Website ist also enorm wichtig – und zwar auf allen Endgeräten. Somit sind wir schon bei dem nächsten Anspruch an eine gute Website, nämlich ihrer Optimierung für mobile Geräte (sog. Responsive Webdesign) – das ist natürlich mittlerweile ein Muss.

Wir achten beim Erstellen von Websites auf all diese Aspekte gleichermaßen: Als Webdesignerin bin ich der typische „Pixeljäger“ und möchte eine perfekte Optik der Website erreichen. Meine Freelancer-Programmierer wissen das und setzen alles genau nach Entwurf um, das rechne ich ihnen sehr hoch an. Sie achten ihrerseits natürlich darauf, dass der Code der Website den aktuellen Webstandards entspricht. Das ist ebenfalls wichtig, damit die Website für das „Rennen“ in den Suchmaschinen von Anfang an die besten Chancen hat.

Kunden, Besucher, aber auch Suchmaschinen und die aktuellen Webstandards stellen hohe Erwartungen an eine gelungene Website. Wie gelingt es, all diese Ansprüche unter einen Hut zu bekommen?

Möglicherweise komme ich jetzt manchem Kollegen zu nah, mit dem was ich sage, aber wer behauptet, dass er alles kann, kann nichts wirklich gut. Das Erstellen von Websites ist sehr komplex geworden. Wir bieten vieles aus einer Hand an, was eine Firma braucht, um sich optimal darstellen zu können (Webdesign und Programmierung, Corporate Design, 360° virtuelle Touren …), aber wir haben hier bei PRIMA LINE genau definierte Rollen: Jeder macht das, worin er spezialisiert ist. Daraus resultieren perfekte Ergebnisse.

Ich bin für die Optik und das grafische Konzept zuständig: Logo, Visitenkarten, Briefpapier, Flyer und vor allem der Entwurf einer ansprechenden Website. Natürlich muss ich mich immer darüber informieren, was aktuell technisch möglich ist und was es neues an Möglichkeiten gibt. Das bedeutet, die Trends im Webdesign nicht aus den Augen zu verlieren, sonst sehen die Websites wie aus einem anderen Jahrhundert aus.

Wenn das grafische Konzept steht, übergebe ich den Entwurf an einen meiner Programmierer. Auch sie müssen sich stets auf dem Laufenden halten, um die sich schnell ändernden Webstandards bedienen zu können.

Wenn wir an einer Website arbeiten, beachten wir auch die Anforderungen an SEO-OnPage und Semantik. Das fängt schon in der konzeptionellen Phase an. Wenn wir allerdings mit dem Erstellen einer Website fertig sind, empfehlen wir den Kunden, dass sie sich mit unserem „im Kampf erprobten“ SEO-Partner zusammensetzen und eine langfristige SEO-Strategie für die Webpräsenz ausarbeiten.

Um also Ihre Frage zu beantworten: Den vielen Ansprüchen wird man gerecht, wenn mehrere Experten an dem Ergebnis zusammenarbeiten und jeder sein Bestes gibt.

Sie betonen, PRIMA LINE sei ein Team von Freelancern. Worin liegen die Vorteile?

Die Leistungen, die wir anbieten, haben das Niveau einer Werbeagentur, sind aber am Ende wirklich bezahlbar. Wir müssen den kostenintensiveren Apparat einer Werbeagentur nicht unterhalten und diese Kosten dann bei den Preisen auch nicht einkalkulieren.

Die Freelancer in meiner Branche brauchen nur einen Computer mit Internetanschluss und einen Schreibtisch – irgendwo auf der Welt. Um an einem Projekt gemeinsam arbeiten zu können, müssen wir nicht einmal in einem Raum sitzen, brauchen also keine Bürokosten, Reinigungskraft, feste Mitarbeiter usw. Wir arbeiten für gewöhnlich vom Home-Office aus und via Skype, Slack und Mails bleiben wir stets in Kontakt – miteinander oder mit dem Auftraggeber. Diese „Leichtigkeit“ macht sich in den Preisen bemerkbar.

Unsere Kunden haben die Freiheit, einzelne „Bausteine“ optional in Anspruch zu nehmen (den Fotografen, die Texterin usw.) und müssen nicht alles pauschal zahlen, egal ob sie die Leistung in Anspruch nehmen oder nicht. Das ist oft der Fall, wenn es sich um das große Geschöpf einer Werbeagentur handelt.

Freelancer sind auch flinker, tun sich nach Bedarf zusammen und nach Beendigung eines Projektes gehen sie wieder auseinander. Wenn dem Kunden ein Fotograf oder eine Texterin nicht zusagt – was durchaus vorkommen kann – kennen wir ja auch andere Freelancer, die für dieses Projekt in Frage kommen und müssen uns nicht auf die angestellten Mitarbeiter (siehe Werbeagentur) „versteifen“. So sind die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden unser Imperativ.

Wo liegen die Herausforderungen, ein passendes Corporate Design oder eine passende Website zu kreieren? Wie gut müssen Sie den Kunden kennenlernen, um dessen Charakter und Wünsche adäquat darstellen zu können?

Es ist oft nicht erforderlich, dass wir den Kunden wirklich „live“ kennen lernen. Die Wahrheit ist, dass wir 70 % unserer Kunden nie persönlich getroffen haben – trotzdem arbeiten wir seit Jahren erfolgreich für diese Firmen und unterstützen sie bei deren Außendarstellung.

Dank Internet kommen die Aufträge aus allen Ecken Deutschlands, aus der Schweiz oder Luxemburg. Es reicht also, wenn man sich telefonisch bzw. via Skype über das geplante Projekt ausgiebig unterhält. So machen wir uns ein Bild von dem Kunden: Wer sind die Leute, die hinter der Firma stehen? Was bietet die Firma an? Was möchte sie bei dem Angebot besonders hervorheben? Wer sind die wichtigsten Konkurrenten auf dem Markt? Gibt es spezielle Wünsche, die wir bei dem Konzept der Website berücksichtigen sollen?

Danach kommt die eigene Recherche. Wir wollen jedes Mal herausfinden, was so in der jeweiligen Branche üblich ist, welche „Sprache“ gesprochen wird. Das ist einerseits wichtig, um die Branche zu verstehen und andererseits um nichts zu kopieren, was es schon so oder so gibt. Wir wollen unserem Auftraggeber letztendlich eine wirklich individuelle Lösung anbieten.

Bei der Konzeptionierung einer Website ist es also wichtig, dass wir ein paar grundlegende Informationen über den Auftraggeber und seine Wünsche erfahren. Wenn wir die Website aber entwerfen, denken wir auch sehr intensiv darüber nach, was der Besucher dieser Website erfahren muss, um sich für das Angebot zu entscheiden.

Was ist Ihnen als Webdesignerin besonders wichtig beim Erstellen eines grafischen Konzeptes der Website?

Es gibt zwei Aspekte, die mir sehr wichtig sind: Dem Auftraggeber die Angst zu nehmen und eine klare Struktur der Website zu schaffen.

Viele Kunden, die einen Webdesigner mit dem Erstellen der Website beauftragen, haben am Anfang ein mulmiges Gefühl: Was, wenn es mir nicht gefällt? Ich verstehe das und tue alles, um diese Ängste zu mildern. Daher findet sich auf der Website von PRIMA LINE ein sehr umfangreiches Portfolio – so können sich die Kunden schon am Anfang ein Bild von meinem Stil machen. Die Regel ist: Wenn Ihnen das Portfolio eines Designers gefällt, steht die Chance sehr hoch, dass Sie auch mit Ihrem Entwurf sehr zufrieden sein werden.

Der Augenblick, in dem ich einem Kunden zum ersten Mal den Entwurf seiner neuen Website zeige und sehe oder höre, wie die Anspannung von ihm fällt, wie er strahlt und sich auf weitere Arbeitsschritte freut – das ist der beste Moment überhaupt.

Was mir bei dem Konzept einer Website ebenfalls sehr wichtig ist, ist die saubere Struktur. Google würdigt es und die Besucher brauchen es. Ich finde Websites, die nur auf tolle Bilder und Animationen setzen, dafür aber die Menüführung vernachlässigen, nicht optimal. Solch eine Website bekommt vielleicht einen Award, vergeben von anderen Webdesigner, aber ob sie wirklich den „normalen“ User für sich gewinnen können, da bin ich skeptisch.

Bei PRIMA LINE sind wir alle sehr pragmatisch veranlagt. Nach unserem Verständnis, muss eine gute Website schöne optische Eindrücke liefern, aber vor allem soll sie ein Geschäft konkret ankurbeln, Aktionen erzeugen, konvertieren. Daher ist das Aufräumen, Sortieren und die Optimierung der Navigationsstruktur das Allererste, was ich beim Konzipieren der Website mache.

Eine amüsante Anekdote, die ich gern erzähle, beschreibt die Reaktion eines unserer Kunden auf den Entwurf seiner neuen Website: Nachdem der Chef der Firma den Entwurf zum ersten Mal gesehen hat, rief er mich an und sagte begeistert: „Frau Tichnowetzki, erst nachdem ich Ihren Entwurf gesehen habe, habe ich endlich verstanden, was wir überhaupt anbieten!“

Im Oktober 2016 wurde eine von PRIMA LINE entworfenen Website von MyHammer zur „Handwerkerseite des Jahres“ auserkoren. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Das war eine schöne Überraschung, mit ca. 2.200 Websites aus ganz Deutschland konkurrieren zu können. Dass es sich ausgerechnet um das Thema „Handwerker“ handelt, ist irgendwie schon symbolisch. Denn wir sehen uns selbst nicht gerne als „Designer“, sondern tatsächlich als „Handwerker“.

Es ist uns sehr wichtig, dass das, was wir machen, hübsch, solide und praktisch einsetzbar ist. Kunst für Kunst liegt uns nicht. Der Gewinn dieses Wettbewerbs hat uns bestätigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir freuen uns natürlich auch sehr für unseren Kunden, den Dachdecker Adam Pilch. MyHammer hat für die Gewinner eine sehr gute Pressearbeit geleistet. Die ausgezeichneten Handwerker haben auch bei einem Werbefilm von MyHammer mitmachen dürfen. Also ein Abenteuer nach dem anderen.

Frau Tichnowetzki, vielen Dank für das interessante Gespräch zur richtigen Außendarstellung von Firmen mit der passenden Website.

 

Über Katarzyna Tichnowetzki

2008 rief Katarzyna Tichnowetzki gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner und Ehemann Michael Tichnowetzki das Werbestudio PRIMA LINE ins Leben. Mit einem Team aus Freelancern realisierten sie bereits Projekte für Alba Berlin, Füchse Berlin oder die Stiftung Charité. Mehr Informationen finden Sie unter der Website von PRIMA LINE.

 

Christoph Schroeder

Ein Kommentar zu “Wie gelingt eine gute Website – Interview mit Katarzyna Tichnowetzki

  1. Wenn man sich mit dem Thema schon etwas länger beschäftigt wird man schnell merken dass das gar nicht so einfach ist, die Inhalte sinnvoll zu strukturieren. Oftmals zerbricht man sich stundenlang den Kopf darüber, wie man nun was gestalten soll.

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