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Bernes Transaktionsanalyse deckt die Spiele der Erwachsenen auf

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Ein sperriges Wort: Transaktionsanalyse, abgekürzt TA. Als der kanadisch-US-amerikanische Psychiater Eric Berne Mitte des 20. Jahrhunderts die Transaktionsanalyse als psychotherapeutisches Verfahren entwickelte, leitete er einen Paradigmenwechsel in der Psychotherapie ein. Seine Theorie: Nicht von außen kommt die Heilung auch schwerer psychischer Störungen, jeder Patient trägt das Potenzial dafür in sich. Bernes TA geht davon aus, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, nachzudenken und seine Probleme zu lösen, dass er in seiner Ganzheit und in Schattierungen in Ordnung und in der Lage ist, sein Leben eigenverantwortlich zu gestalten (siehe http://www.soft-skills.com/transaktionsanalyse-erklaert/). Diese von Eric Berne begründete Theorie der menschlichen Persönlichkeitsstruktur wird bis heute angewandt und weiterentwickelt. Ursprünglich für die Psychotherapie entwickelt, ist sie in der Gegenwart auch eine Methode in der Beratung wie dem Coaching, der Organisationsentwicklung und der Bildung.

Was passiert genau bei der Transaktionsanalyse?

Eric Berne beobachtete die zwischenmenschliche Kommunikation. Dabei stellte er fest, dass sie aus Transaktionen besteht, bewussten und unbewussten, verbalen und nonverbalen. Diese setzte er in Beziehung zu den von den Patienten berichteten inneren Prozessen. Kommunikationsabläufe werden in den Transaktionen für den Betrachter verstehbar, beeinflussbar und veränderbar gemacht.

Ziel der TA sind integrierte, autonome Persönlichkeiten, die sich in einem sozialen Gefüge selbstbewusst bewegen können. Um dieses Ziel zu erreichen, bietet die TA sogenannte psychologische Konzepte. Damit können die Menschen ihre erlebte Wirklichkeit reflektieren, analysieren und letztendlich verändern.

Wie man rauskommt aus dem „Spiel“

Immer wieder kommt es zum Streit zwischen den Eheleuten. Keiner der beiden weiß, warum. Eine Transaktionsanalytikerin oder ein Transaktionsanalytiker jedoch würden als außenstehende Beobachter komplexe Abläufe stereotyper Transaktionsmuster erkennen. Sie werden in der TA „Spiele“ genannt. Eric Berne veröffentlichte 1964 das Buch „Spiele der Erwachsenen“, in denen er zahlreiche Beispiele für Kommunikationsmuster von verdeckten Transaktionen aufzeigte, die mit großer Unzufriedenheit oder sogar schlimmerem Ausgang wie Gewalt, Trennung, Tod oder Gefängnis endeten.

Die Doppelbödigkeit der Interaktionen zwischen den Beteiligten ist diesen nicht bewusst, so dass sie oft selbst überrascht und enttäuscht sind über die Entwicklung, die die Kommunikation nimmt. In TA geschulte Beobachter jedoch erkennen die Muster und sind in der Lage, vorherzusehen, was passieren könnte.

Mit Konzepten etwas verändern

Um gemeinsam mit ihren Patienten oder Klienten etwas an der zwischenmenschlichen Kommunikation zu verändern, können die Transaktionsanalytikerinnen und -analytiker zahlreiche Konzepte nutzen, die seit Berne ständig weiterentwickelt und ergänzt werden. Zur Veranschaulichung folgen dazu zwei Beispiele.

okay-Konzept

Das okay-Konzept geht von der Voraussetzung aus „Ich bin okay, du bist okay“. In einem Konflikt wird keinem der Partner die Schuld dafür zugewiesen. Es gilt der Grundsatz: „Ich spreche meine Konflikte an und löse sie mit demjenigen, mit dem ich sie habe.“

Konzept der Ersatzgefühle

Beim Konzept der Ersatzgefühle hat der Mensch Ersatzgefühle statt der für die Situation echten. Diese können die Kommunikation erschweren, Unzufriedenheit auslösen, das Problem bleibt ungelöst. Ein Mediator hat dafür ein Beispiel: In der Gruppensitzung war eine Teilnehmerin immer traurig und weinte sogar, wenn sie von den anderen verbal angegriffen wurde. Bis ihr der Mediator sagte, dass sie eigentlich Ärger und Wut verspüren müsste, die Traurigkeit nur ein Ersatzgefühl war. Sie akzeptierte das, ließ ihren Ärger gegen die anderen zu, wehrte sich, wurde zufriedener.

1.700 TA-Experten deutschlandweit

In Deutschland gibt es seit fast 40 Jahren die Deutsche Gesellschaft der Transaktionsanalyse. Sie zählt rund 1.700 Mitglieder. Die DGTA kümmert sich um den Austausch und die Weiterbildung, organisiert wissenschaftliche Kongresse wie die Weltkonferenz für Transaktionsanalyse, die letztes Juliwochenende 2017 in Berlin stattfand. Prof. Dr. Henning Schulze, Vorstandsvorsitzender der DGTA, sagt im Interview*, warum er von der Transaktionsanalyse überzeugt ist: Sie ist eine Individualpsychologie, die den Menschen dabei hilft, grundlegende Fragen zu beantworten, wie

  • Was passiert in mir?
  • Warum bin ich so wie ich bin?
  • Wo kommt der Ärger her?
  • Was ist das für ein Gefühl?

Menschen bekommen mit der TA eine Bewusstheit für ihre inneren Prozesse, um vielleicht beim nächsten Konflikt anders zu reagieren.

*Das vollständige Interview finden Sie unter https://www.youtube.com/watch?v=mXjUKIzyVOg.

Beate Greisel

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