Wirtschaft

Börsenmakler gibt Einblick in die Finanzwelt: Goldman regiert die Welt

Eine BBC-Sprecherin wurde gestern sprachlos als ein Börsenhändler im Interview (26.09.2011) unverblümt die Wahrheit ausspricht: Er kümmert sich nicht um Nachhaltigkeit, sein Ziel und das seiner Kollegen ist einzig und allein viel, viel Geld zu verdienen, er träumt von der nächsten Rezession, denn damit lässt sich richtig viel Geld verdienen, wenn man vorbereitet ist, und die Regierungen sind machtlos, denn nicht sie sondern Goldman Sachs regiert die Welt. (Link zu dem 3-Min.-Interview: hier.)

Erst vor wenigen Tagen hat die Universität St. Gallen eine Studie vorgelegt, die diese Denkweise objektiv und wissenschaftlich einordnet: Der typische Börsenmakler rangiert von seiner Fähigkeit her, ein zuverlässiges Mitglied der Gemeinschaft zu sein, noch hinter waschechten Psychopathen. Untersuchungsgegenstand war die Kooperationsbereitschaft und der Egoismus von Profi-Börsenhändlern. Thomas Noll, Vollzugsleiter des Schweizer Gefängnisses Pöschwies: Die Börsenmakler verhielten sich im Ergebnis „zum Beispiel noch egoistischer und risikobereiter als eine Gruppe von Psychopathen, die den gleichen Test absolvierte.“ Dies führe zu höchst seltsamen Verhaltensweisen, die die wirtschaftsliberalen Theorien über die freien Marktmechanismen ad absurdum führen: Statt der Theorie entsprechend rein rational den höchsten Profit anzustreben, „ging es den Händlern vor allem darum, mehr zu bekommen als ihr Gegenspieler. (…) Und sie brachten viel Energie auf, um diese zu schädigen.“ Noll weiter: Es sei in etwa so gewesen, als hätte der Nachbar das gleiche Auto, „und man geht mit dem Baseballschläger darauf los, um selbst besser dazustehen“. Die Wissenschaftler können den festgestellten Hang zur Zerstörung nicht erklären, vor allem, da die Aktienhändler mit ihrem destruktiven Verhalten noch nicht einmal mehr Gewinn als die Vergleichsgruppen erzielten. Das Verhalten ist höchst irrational und widerspricht auch dem wirtschaftstheoretisch wichtigem Postulat des Homo oeconomicus (weitere Beispiele aus dem Bereich der Spieltheorie: hier).

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