Deutschland

Franz Alt: Hurra, die Maut ist da!

… aus dem wöchentlichen Kommentar von Dr. Franz Alt. Nach „Oettinger: Deutschland wird von Solar- & Wind „unterwandert“ folgt heute „Hurra, die Maut ist da!“. Franz Alt kommentiert in seiner bekannten Art und Weise, warum die Maut kommt und wichtig ist.

Die Maut kommt

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Die Maut kommt und ist wichtig, auch ökologisch, so Dr. Franz Alt (Bild: © Maik Schwertle / pixelio.de).

Was die Grünen und die Umweltverbände seit Jahrzehnten fordern, wird nun ausgerechnet die CSU einführen: Eine Maut für PKW auf allen Straßen. So etwas nennt man eine List der Geschichte.

Im Wahlkampf hat sich die CSU zunächst nur für eine PKW-Maut für Ausländer auf Autobahnen ausgesprochen. Weil sie allein für Ausländer aber nach EU-Recht nicht geht und allein auf Autobahnen nichts bringt außer mehr Bürokratie, wird mittelfristig aus der ursprünglichen Schnapsidee der CSU und ihres Vorsitzenden Horst Seehofer etwas richtig Vernünftiges: Eine Maut für alle – auch für Deutsche und eine Maut auf allen Straßen, nicht nur auf Autobahnen – genauso wie es die Ökos schon lange wollen.

Maut ohne Belastung für die Deutschen nur vorläufig

Zur Beruhigung sagt Minister Dobrindt zwar, dass deutsche Autofahrer einen Ausgleich über eine billigere Kfz-Steuer erhalten, aber auf Dauer wird ein solches Versprechen in der Politik nicht eingehalten. Spätestens die nächste oder übernächste Bundesregierung mit Beteiligung der Grünen wird dieses Versprechen kassieren. Der „Ausgleich“ über eine Senkung der Kfz-Steuer wird dann „reformiert“ oder „ergänzt“ werden. So und nicht anders verläuft Politik.

Diese Entwicklung ist deshalb unabwendbar, weil die Bundesregierung das Elektro-Auto favorisiert. Das aber heißt, die Einnahmen über die Mineralölsteuer gehen ständig zurück. Also werden künftig der Bau und der Unterhalt von Straßen über eine vollwertige Maut finanziert werden müssen. Wer fährt, muss zahlen, egal wo. Die E-Mobilität von morgen belastet zwar weniger die Luft, aber auch E-Autos brauchen Straßen. Deshalb wird eine einmal eingeführte PKW-Maut nie wieder abgeschafft, sondern permanent erhöht werden, „angepasst“ wird es dann heißen.

Die Maut ist unausweichlich, auch ökologisch

Warum die Maut für alle unausweichlich kommen wird? Im Koalitionsvertrag hat jede der drei Parteien ihr Herzensprojekt verankert: Die CDU die Mütterrente, die SPD den Mindestlohn und die CSU eben ihre „Maut für Ausländer“.  SPD und CDU haben ihre Lieblingsprojekte bereits durchgeboxt und nun ist die CSU mit der Maut dran. Und diese wird zwangsläufig und paradoxerweise zur Maut für alle. So spielt nun mal das Leben.

Die „Zeit“ bejubelt diese Entwicklung bereits jetzt als „echte ökologische Reform“. Vorsicht, liebe Kollegen! So weit sind wir noch nicht. Aber es kann und wird eines Tages so kommen.  Heute sind wir  davon noch weit entfernt. Der Verkehrsminister will seine Maut unabhängig von den wirklich gefahrenen Kilometern einführen, also hat die Dobrindt-Maut noch keine ökologische Lenkungswirkung.

Eine echte Ökoreform setzt jedoch voraus, dass wirklich mehr bezahlt, wer mehr fährt und weniger bezahlt, wer weniger fährt. Diese ökologische Lenkungswirkung werden wohl erst die Grünen einführen, wenn sie in der nächsten oder übernächsten Bundesregierung beteiligt sind.

Dass es ein CSU-Minister war, der 2014 die Maut überhaupt durchgeboxt hat, das wird dann kaum noch jemand interessieren. Hauptsache, die Maut kommt! Die CSU hat den Anfang gemacht. Bravo!

Quelle: © Franz Alt 2014
Portrait von Dr. Franz Alt
Dr. Franz Alt (© Bild: privat)

Über Dr. Franz Alt

Dr. Franz Alt hat politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie studiert. Er war 20 Jahre Leiter und Moderator von „Report Baden-Baden“, bis 2003 Leiter der Zukunftsredaktion des SWR sowie Leiter und Moderator des 3sat-Magazins „Grenzenlos“. In den letzten Jahren hat er sich zudem als anerkannter und leidenschaftlicher Experte für die Bereiche Erneuerbare Energien sowie Energie- und Umweltpolitik etabliert. Er wurde von der EU-Kommission mit dem „Europäischen Solarpreis für Publizistik“ ausgezeichnet und hält jährlich hunderte Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus wird er auch regelmäßig von ausländischen Regierungen gebeten, das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz vorzustellen, das international als Vorbild für eine regenerative Energiewende mit der Zielgröße der Energieautarkie gilt.

Für weiterführende Informationen siehe seine Website www.sonnenseite.com.

 

Oliver Foitzik

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