Schleswig-Holstein

Wissenschaftler der Schmerzklinik Kiel entschlüsseln Migräne

Wissenschaftler der Schmerzklinik Kiel haben dazu beigetragen die Ursache von Migräne zu entschlüsseln. Die Forscher fanden die Antwort in den Genen. In der bisher weltweit umfassendsten Migränestudie hat ein internationales Forscherkonsortium fünf neue Genregionen entdeckt, die für die Entstehung von Migräne mitverantwortlich gemacht werden.

Gezielt in die Entstehungsmechanismen eingreifen

Die Studie öffnet neue Türen für das Verständnis der Ursachen und biologischen Auslöser von Migräneattacken. „Die jetzt neu entdeckten Gene sind für die Nervenzellsignalübertragung, den Energieumsatz von Nervenzellen und die Gedächtnisverarbeitung im Gehirn funktionell bedeutsam“, erklärt Coautor der Studie, Prof. Dr. Hartmut Göbel vom Migräne- und Kopfschmerzzentrum der Schmerzklinik Kiel. „Auf dieser Grundlage kann nun gezielt die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden erfolgen, die präzise in die Entstehungsmechanismen der Migräne eingreifen können“. Das internationale Forscherteam identifizierte zwölf Regionen im Erbgut von Migränepatienten, welche für das Risiko, an Migräne zu erkranken, mitverantwortlich sind. Acht dieser Regionen wurden in der Nähe von Genen entdeckt, die eine Rolle in der Kontrolle von Hirnschaltkreisen spielen. Zwei der Genregionen sind für die Aufrechterhaltung der normalen Hirn- und Nervenzellfunktion verantwortlich.

14 Prozent leiden unter Migräne

Die Steuerung dieser Schaltkreise wird als bedeutsam für das genetische Risiko angesehen, an Migräne zu erkranken. Migräne ist eine schwere behindernde Erkrankung, die etwa 14 Prozent der erwachsenen Bevölkerung betrifft. Das internationale Forscherteam entdeckte die zugrunde liegenden genetischen Risikofaktoren, indem sie die Ergebnisse von über 29 verschiedenen Genom-Studien zusammenfassend analysierten und verglichen. Diese Studien schließen mehr als 100.000 untersuchte Patienten mit Migräne und Kontrollpersonen ein.

Mehr als nur Kopfschmerzen

Pia Hirn Coverbild Die Kopfschmerzen 3 Auflage 2011
Migräne – mehr als nur Kopfschmerzen (Bild: © Prof. Dr. Hartmut Göbel / www.schmerzklinik.de)

Die Volkskrankheit Migräne ist eine der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems des Menschen. Migräne verursacht eine schwere Behinderung bei den betroffenen Menschen und kann während der gesamten Lebensspanne auftreten. Der Gipfel liegt in der vierten Lebensdekade. Jede dritte Frau und jeder zwölfte Mann können betroffen sein. Die Migräne tritt episodisch in Attacken auf. Die Dauer der einzelnen Attacken beträgt bis zu drei Tage. Der Kopfschmerz ist pulsierend und pochend. Körperliche Tätigkeit verstärkt die Schmerzen, sodass meist Bettlägerigkeit entsteht. Die Attacken können mit schwerer Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit sowie mit weiteren allgemeinen und neurologischen Begleitstörungen einhergehen. Die Attackenhäufigkeit kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Besonders schwer betroffen sind Patienten mit chronischer Migräne. Dabei treten regelmäßig an mehr als 15 Tagen pro Monat Migräneattacken auf. Den betroffenen Patienten bleibt zwischen den einzelnen Anfällen kaum noch Zeit zur Erholung. Das gesamte Erleben und Verhalten kann durch die Erkrankung beeinträchtigt sein. Die Weltgesundheitsorganisation zählt sie zu den am stärksten behindernden Erkrankungen, insbesondere bei Frauen.

(SK Kiel)

ElSchnuppero

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