Wirtschaft

Afghanistan verklagt Deloitte, PWC und Bearing Point

Wegen der Beinahe-Pleite der Kabul Bank verklagt die afghanische Regierung die international tätigen Beratungsunternehmen Deloitte, PricewaterhouseCoopers (PWC) und Bearing Point. Die Situation um das marode Bankensystem war im letzten Herbst eskaliert, als Gerüchte um Missmanagements, Vetternwirtschaft und fragwürdiger Kreditvergabepraxis die Kabuler Bank ins Trudeln brachten und die Kunden innerhalb von zwei Tagen mehr als 150 Millionen Dollar abzogen. Dabei war es auch zu Prügeleien vor den Filialen gekommen, die Polizei setzte Schlagstöcke ein und es gab zahlreiche Verletzte. Insgesamt hatte die Kabul Bank 850 Mio. Dollar, das sind  97 Prozent des gesamten ausstehenden Kreditvolumens, an ihre Anteilseigner und Spitzenpolitiker ausgereicht – alles zinslos und ohne Sicherheiten. Derartig mit kostenlosem Geld ausgestattet hat sich die (Abzocker-)„Elite“ des Landes mit Immobilien in Kabul eingedeckt, oder anderweitige Wirtschaftsprojekte und Gründungen finanziert. Die US-Entwicklungshilfebehörde (Agency for international Development) hatte bereits im Februar 2011 ihren 92-Millionen-Dollar-Beratervertrag mit Deloitte gekündigt. Auch wenn Deloitte die Betrügereien der Bank nicht hätte stoppen können, hätte die Beratungsfirma dennoch Hinweise auf die Machenschaften nicht weitergeleitet. Auch eine pakistanische PWC-Tochter hatte der Bank kurz vor Bekanntwerden des kritischen Zustanden ein solides Zeugnis ausgestellt. Präsident Karsai hat nun strafrechtliche Schritte angekündigt – sowohl gegen die sich selbst bereichernde Elite, insofern sie die unrechtmäßigen Kredite nicht umgehend zurückzahle, sowie gegen die drei international tätigen Beratungsunternehmen: „Diese Individuen und Organisationen haben hunderte Millionen Dollar erhalten, um uns mit dem Bankensystem unseres Landes zu helfen, und sie haben dabei vollkommen versagt.“ Die Beratungsunternehmen sind zudem ausgesprochen teuer. So hält beispielsweise auch der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Frank Mattern, eine Umsatzrendite von über 30% für gerechtfertigt und bezeichnet dies als Kernelement der Firmenstrategie. Dazu passt dann auch die Intransparenz: McKinsey veröffentlicht schon seit Jahren keine Zahlen zu Umsatz und Gewinn. Das übertrifft sogar das umstrittene 25 Prozent Ziel der Deutschen Bank (Der Spiegel: „Scharfe Kritik am Deutsche-Bank-Chef: Der frühere IWF-Chefökonom Simon Johnson hält Josef Ackermann für ‚einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt’. Sein berüchtigtes Renditeziel von 25 Prozent ermögliche allein der deutsche Steuerzahler – weil er notfalls für eine Pleite hafte.“). Solche Mondrenditen übertriffen das in der Wirtschaft allgemein üblich und normalerweise mögliche um ein Vielfaches: Laut den statistischen Daten der Bundesbank liegt der Durchschnitt der Bruttoumsatzrendite der deutschen Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft bei 4,25 Prozent (2009), der Höchststand wurde 2007 mit 5,25 Prozent erreicht. Die Nettoumsatzrendite lag 2009 bei 3,25 Prozent und 2007 bei 4 Prozent.
 

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