Neue Medien

Alexander Geißenberger über die digitale Welt, Web 2.0 und Social Media

Fachinterview mit dem Online-Marketing- und SEO-Experten Alexander Geißenberger über die digitale Welt, Web 2.0 und Social Media. Im ersten Teil des Interviews werden die Themen Meilensteine der digitalen Revolution, soziale Medien und deren Entwicklung, Auswirkungen auf die Geschäftswelt und virale Kampagnen besprochen.

AGITANO: Schönen guten Tag Herr Geißenberger. Unser heutiges Interview dreht sich um die Fragen, wie die digitale Welt, Web 2.0 und Social Media die Welt verändern und eine neue Gesellschaft prägen. Aber bevor wir damit anfangen, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Guten Tag Herr Foitzik. Mein Name ist Alexander Geißenberger. Ich verantworte die Business Unit Online-Marketing bei der inecc.one GmbH und bin Geschäftsführer der xpose 414 ug. Beide Firmen beschäftigen sich ausschließlich mit Online-Marketing, die xpose 414 legt dabei ihr Augenmerk auf Search Engine Optimierung (SEO).

AGITANO: Sie setzten sich intensiv mit den Auswirkungen der neuen Medien auf unsere Gesellschaft auseinander. Man kann auch von einer digitalen Revolution in diesem Bereich sprechen. Was sind nun aus ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine dieser digitalen Revolution?

Ein ganz klarer Meilenstein ist hier das mobile Internet, das ja anfänglich vor allem Apple vor vier bis viereinhalb Jahren geprägt hat. Das mobile Internet wird immer bezahlbarer und Smartphones entwickeln sich immer schneller und werden immer besser. Wir haben die Möglichkeit, von überall aus vollwertige Internetseiten aufzurufen und haben dadurch auch die Möglichkeit, komplexe Informationsarchitekturen überall abzurufen und auch daran mitzuarbeiten. Das heißt, die Geschwindigkeit der Informationsübertragung erhöht sich ständig und das hat natürlich alles zusammengenommen auch großen Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft.

AGITANO: Nun hören wir ja gerade auch in diesem Kontext viel über die Sozialen Medien, die eine ganz zentrale Rolle spielen, wie Facebook und ganz aktuell Google+. Wie erleben Sie diese Entwicklung?

Also gerade auch Google+, was ja derzeit noch in der geschlossenen Beta-Phase ist, hat ein außerordentliches Wachstum – mit sechs Millionen Nutzern innerhalb weniger Tage so groß, wie bei keinem anderen sozialen Netzwerk bislang. Allerdings wächst auch Facebook immer noch weiter. Es gibt sowieso noch eine extrem breite Masse an Internetnutzern, die mit sozialen Netzwerken noch gar nicht, oder nur sehr wenig tangiert sind. Und das, obwohl Facebook bereits über ein Drittel aller weltweiten Internetnutzer als seine User bezeichnen kann: Auf 1,5 Milliarden Internetanschlüsse weltweit entfallen 600 Millionen Facebook-User. Und dennoch wächst Facebook weiter. Wahrscheinlich wird es die Hälfte aller Nutzer, wenn nicht sogar mehr, erreichen. Und davon profitieren auch weitere soziale Netzwerke, da ja vor allem der Erstkontakt mit einem solchen Netzwerk erst einmal eine Hürde darstellt.

AGITANO: Wie sehen denn in diesem Kontext nun die Auswirkungen auf die Geschäftswelt aus?

In meinen Augen tangiert Social Media die Geschäftswelt hauptsächlich im Marketing und im Produktmanagement. Man kann ein Facebook-Profil vor allem für die Kundenkommunikation nutzen, man ist dadurch „nahbarer“, also auf einer Ebene mit dem Kunden. Man kann andererseits über Bewertungen etc. Kundenmeinungen einholen, um diese dann meiner Produktentwicklung weiterzugeben und diese dann zu verbessern.

AGITANO: Das ist immer leicht gesagt, die Umsetzung, zum Beispiel Fans zu gewinnen, ist allerdings meist schwieriger und, wie beispielsweise bei viralen Kampagnen, mit unter auch kostspielig. Was sehen Sie hier für Möglichkeiten?

Der Dreh- und Angelpunkt bei Social Media Kampagnen ist natürlich die Viralität. Also, dass ich den Usern eine Aktion, eine Kampagne an die Hand gebe, die dann automatisch oder freiwillig von den Usern verteilt wird. Es wird also niemals Sinn machen, Fake-User zu erstellen und mit diesen dann künstlich Beiträge zu verteilen, denn dadurch bekommt die Firma keinen wirklichen Mehrwert. Eher werden noch die Zahlen verfälscht. Das heißt, ich muss mir Gedanken machen, mit welcher Kampagne könnte ich meinen Usern etwas gutes tun und dadurch natürlich auch gleichzeitig einen Mehrwert für mein Unternehmen ziehen. Als Beispiel kann man eine Aktion von Priel vor kurzem aufführen. Da wurde den Usern angeboten, Priel-Flaschen zu gestalten. Allerdings wurde der Wettbewerb in diesem Fall nicht professionell durchgeführt. Es gab teilweise Fake-Rankings und die Firma Priel hatte dann versucht, das zu regulieren und hat dann selber Beiträge gelöscht, wodurch dann auch User betroffen wurden, die echte Bewertungen abgegeben hatten. Das Ganze artete dann in eine Art Social-Media-Super-GAU aus, wie wir das auch schon bei der Telekom, Vodafone und vielen Anderen Unternehmen gesehen haben. Das heißt, gut und schlecht im Online-Marketing ist, dass man es immer mit Menschen zu tun hat, dass keine Kampagne der anderen gleicht, dass die Reaktionen immer anders sind und ich auch diese niemals vorbestimmen kann. Es gibt also keine Agentur, die im Vorfeld eine Kampagne oder deren Verlauf bestimmen kann. Anders als in der klassischen Printwerbung findet der Volksaufschrei dann nicht in den Kneipen statt, sondern beim Social Media Marketing bin ich in einer direkten Kommunikation und die User haben die Möglichkeit, an der Gestaltung mitzuwirken, diese zu verteilen und damit dann eben auch ihr negatives Feedback mit zu verteilen. Genau das macht diesen Bereich so spannend und auch unberechenbar.

 

AGITANO: Glauben Sie eigentlich, dass durch sogenannte virale Boosts eine Advanced-Connectivity mit der Zielgruppe erzielt werden kann?

Das ist natürlich das eigentliche Ziel von Social Media Kampagnen. Das ist dann auch der Fall, wenn man Social Media richtig nutzt. Als Beispiele kann man da die Domain Factory oder auch 1&1 aufführen, die auf Twitter und Facebook eigens echte Mitarbeiter abstellen, die dann live auf Kundenanfragen oder negative Kritik im Netz reagieren. Und wenn man als Unternehmen versteht, dass das ein eigener Unternehmensprozess sein muss und ich dafür wirkliche, kompetente Mitarbeiter brauche, dann kann eine sogenannte Advanced-Connectivity auf jeden Fall entstehen.

AGITANO: Nun ist es ja so, dass die Viralität im Netz ja hauptsächlich vom Weitererzählen lebt, Stichwort Mund-zu-Mund-Propaganda, ganz so wie in der realen Welt auch. Wie können Unternehmen das noch stärker für sich selber nutzen?

Das A und O bei viralen Kampagnen ist – so blöd es klingen mag – dem User/Nutzer es überhaupt zu ermöglichen, Dinge zu teilen. Viele Unternehmen versuchen, virale Kampagnen zu starten und übersehen oder verstehen gar nicht, dass diese ja auch mit gewissen Buttons oder Programmen verteilt werden müssen, wie eben dem zum Teilen auf Facebook oder Twitter. Das können aber auch gut gemachte Rezensionsmöglichkeiten sein oder solche zum Weiterleiten. Ich habe schon Unternehmen erlebt, die fünf Mal in der Woche auf Ihrer Facebook-Seite gepostet haben: „Werde Fan von uns auf Facebook.“ Es liegt auf der Hand, dass ich dadurch keine virale Kampagne gestartet bekomme.

AGITANO: Jetzt haben Sie gerade vorhin die User-Bewertungen ins Spiel gebracht. Also, dass man im Internet Dinge bewertet und anderen Usern damit hilft, ob man etwas Kaufen soll oder nicht, oder ob etwas gut ist oder schlecht. User-Bewertungen beeinflussen ganz klar die Käuferentscheidungen und damit auch das Verhalten der Unternehmen. Wie sollten Unternehmen nun damit umgehen und wie kann man das positiv nutzen?

User-Bewertungen sind vor allem im Internet, wo man sich noch ein wenig anonym fühlt, die wahren und unverschleierten Meinungen eines Users. Das heißt für ein Unternehmen, welches klassische Produkte verkauft und die Zielgruppe mit diesen Produkten unzufrieden ist, dieses auch in einem sozialen Netzwerk äußert und im besten Fall auch noch Verbesserungsvorschläge anbringt, dann kann das Unternehmen ja durch so etwas nur gewinnen. Das heißt also, die Vorschläge aufzunehmen und dadurch kostenlose Produkttester zu bekommen. Den meisten Usern attestier ich hierbei dem Unternehmen gegenüber ein Wohlwollen. Dann ist das ein absolut positiver Effekt. Das Ganze dreht sich dann ins Negative, wenn Unternehmen auf diese Bewertungen nicht reagieren, oder im schlimmsten Fall auch noch löschen. Da reagieren die User zu Recht natürlich ablehnend.

 

Im zweiten Teil des Interviews, welchen Sie morgen nachlesen können, werden wir die Themen Werbung & Marketing in sozialen Netzwerken, das kostenfreie Web, digitale Revolution und der Umgang mit dem Netz behandeln.

Das Interview mit Alexander Geißenberger führte Oliver Foitzik, Gründer von AGITANO.com und Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

 

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