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Autonomes Fahren – gut oder schlecht?

Autonomes Fahren, Auto, Fahrzeug

Inzwischen ist autonomes Fahren – zumindest zu gewissen Teilen – nichts Neues mehr. Das Intelligent Drive von Mercedes Benz beispielsweise erlaubt es dem Fahrzeughalter im Falle eines Staus an einen Autopiloten zu übergeben, damit dieser das Auto – bis zu Tempo 30 – selbstständig steuert. Die einzige gesetzliche Bedingung ist, dass der Fahrer in regelmäßigen Abständen kurz das Lenkrad berührt. Generell dürfen seit Herbst 2014 Fahrzeuge autonom fahren, solange diese jederzeit von einem Menschen übersteuert oder ausgeschaltet werden können. Doch wie sinnvoll, sicher und wünschenswert sind völlig autonom fahrende Autos und welche Schwierigkeiten kommen bei der Einführung auf uns zu?

Die Vorteile des automatisierten Fahrens

Mit insgesamt 80 Millionen Euro will Alexander Dobrindt bis 2020 die Forschung für autonomes Fahren fördern. „Das automatisierte und vernetzte Fahren ist die größte Mobilitätsrevolution seit der Erfindung des Autos“, so der Verkehrsminister. Natürlich bringt die Einführung von selbstfahrenden Fahrzeugen zahlreiche positive Effekte mit sich, die nichts mit der Tatsache zu tun haben, dass der Fahrer seine Zeit während der Fahrt sinnvoll nutzen kann:

  • Durch die umfangreiche Technik fahren automatisierte Autos in der Kolonne schneller und effizienter als Fahrzeuge, die von Menschen gesteuert werden
  • Die Anzahl der Staus wird verringert
  • Treibstoff wird eingespart
  • Kaum Zeitverluste: Autonome Fahrzeuge können sich selbst einen Parkplatz suchen
  • Generell ist mit einer deutlichen Verminderung der Verkehrsunfälle zu rechnen

Fakt ist, dass ein selbstständiges Fahrzeug zahlreiche Alltagsaufgaben übernimmt, die den Menschen bislang sehr viel Zeit und Energie kosten. Aufgaben wie die Fahrt in die Waschanlage, das Abliefern und Abholen der Kinder von der Schule, Sport oder Freunden, der Weg in die Werkstatt oder der alltägliche Weg zur Arbeit, all diese Zeiträuber verwandeln sich plötzlich in Freizeit. Auch ältere und sehr junge Menschen profitieren von der Einführung dieser Technik. Beim autonomen Fahren spielt es keine Rolle, dass der „Fahrer“ durch sein Alter keine guten Reflexe mehr hat oder noch zu klein ist, um über das Lenkrad zu schauen. Man kann also deutlich sagen, dass autonome Fahrzeuge eine gewaltige Arbeitserleichterung für den Alltag sind.

Natürlich kommt noch hinzu, dass ein Computer eine wesentlich kürzere Reaktionszeit hat als ein Mensch. Bei potentiellen Gefahren könnte die Maschine also viel schneller eine Entscheidung treffen als wir selbst und damit Menschenleben retten.

Die Nachteile durch autonomes Fahren

Wie die meisten Medaillen hat auch diese zwei Seiten. Wie oben dargelegt sind die Vorteile von autonomen Autos nicht von der Hand zu weisen, doch es gibt auch einige Dinge auf der Kontraseite. Die wohl entscheidendste und bis heute ungeklärte Frage ist die nach der Schule im Falle eines Unfalls, wie ein eben solcher aus dem vergangenen Herbst zeigt. Ein Fahrer erleidet hinter seinem Steuer einen Schlaganafall und verreißt das Lenkrad. Dadurch kommt sein Fahrzeug von der Fahrbahn ab und fährt auf eine große Wiese zu. Bei einem normalen Fahrzeug wäre das bereits die ganze Geschichte und es wäre wohl niemand außer dem Fahrer verletzt worden. Hier griff jedoch der Spurhalteassistent des Wagens ein und brachte das Fahrzeug zurück auf die Straße, auf der es noch circa eineinhalb Kilometer ohne handlungsfähigen Fahrer weiterfuhr – bis es kracht und eine Frau und zwei Kinder sterben. Nun die Frage: Wer ist schuld? Der Fahrzeughersteller? Der Fahrer? Der Programmierer der Assistentensoftware?

Derartige Unfälle ereignen sich zum Glück sehr selten. Die Technik ist sehr weit fortgeschritten und in der Regel dienen solche Systeme dazu Leben zu retten, anstatt sie zu nehmen. Solange jedoch nicht alle rechtlichen Fragen beantwortet sind, wird vollständig autonomes Fahren immer einen leicht bitteren Beigeschmack haben. Neben der rechtlichen Klärung gibt es noch weitere bedenkliche Faktoren, die eine Selbstständigkeit von Fahrzeugen mit sich bringt:

  • Autofahren wird sehr bequem, das Verkehrsaufkommen wird drastisch steigen
  • Kleine Fehler in der Programmierung, der Software oder der Elektronik können schlimme und zahlreiche Unfälle auslösen
  • Vernetzte Fahrzeuge können gehackt und leicht manipuliert werden

So oder so, selbstfahrende Autos werden kommen. Bleibt nur abzuwarten, wie sicher bis dahin die Technik ist und wie sich die Rechtslage verändert.

Markus Jergler

2 Kommentare zu “Autonomes Fahren – gut oder schlecht?

  1. Da folgen die Marketingabteilungen der Autohersteller dem Medienhype zum Automomen Fahren auf Hochtouren – wohl auch, um von den nicht beherrschten Klima-und Umwelt-Problemen der schmutzigen, veralteten Otto-bzw. Diesel-Motor-Technologien abzulenken (nicht umsonst werden die entsprechenden Vorschriften auf EU-Ebene nicht verschärft!). Da wird dann auch schon über die ersten schweren Unfälle beim Autonomen Fahren berichtet. Dumm gelaufen! Man erkennt aber mittlerweile, dass das Autonome Fahren nicht nur eine technische Herausforderung darstellt – insbesondere in Bezug auf die technische Sicherheit -, sondern mehr noch ungelöste ethische, rechtliche und Informationssicherheitstechnische Probleme mit sich bringt. Vom Stand der vergleichbaren PC- und Smartphone-Sicherheit kann jeder Nutzer ein Lied singen. Doch die Politik gebärdet sich weiterhin autohörig!

    „TaTü TaTa TaTü TaTa.
    Freude am Fahren, wenn kein Fahrer da!
    TaTü TaTa TaTü TaTa.
    Vorsprung durch Technik, wenn kein WLAN da.“

    Freud und Leid des fahrerlosen Fahrens auf den Punkt gebracht:

    http://youtu.be/fU0QDDxDcy8
    http://youtu.be/WzvpF6JR1cE

    Viel Spaß beim Anhören! Und lasst Euch die Realität nicht vermiesen!

  2. Bisher wurde noch kaum oder gar nicht die sozialpolitischen Folgen diskutiert. Mal angenommen din Fahrzeugindustrie ist technisch in der Lage vollständig autonome Fahrzeuge zu bauen und zusätzlich angenommen alle rechtlichen Fragen sind geklärt, dann gibt es für Speditionen, Bus- und Taxiunternehmen keinen Grund mehr Fahrpersonal zu beschäftigen. Das heißt viele Tausend Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, weil deren Fähigkeiten schlicht nicht mehr gebraucht werden. Es werden dann nur noch sehr wenige Menschen sowas wie einen Pannendienst machen, wenn das Fahrzeug wirklich mal stehen bleibt. Der Straßenverkehr wird wahrscheinlich stark abnehmen, weil die Fahrzeuge nun im 24/7-Modus fahren können, was vielleicht den Anwohnern viel befahrener Straßen Vorteile bietet. Beide Gedankenspiele sollten berücksichtigt werden.

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