Management

CIO-Interview mit Ingmar Bornholz, motionet AG

Die motionet AG ist ein technologischer Dienstleister aus Düsseldorf, der sich auf die Entwicklung von Webportalen und komplexen technologischen Infrastrukturen spezialisiert hat. Die gesamte Verantwortung hinsichtlich Technologie und IT liegt in den Händen von Ingmar Bornholz, den wir für ein CIO-Interview gewinnen konnten.

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Schönen guten Tag Herr Bornholz, ich begrüße Sie ganz herzlich zu dem Fachinterview mit dem Thema „IT-Herausforderung für Unternehmen“. Sie sind der CTO und CIO beim Technologiedienstleister motionet in Düsseldorf. Wie interpretieren Sie Ihre Rolle als CIO in Ihrem Unternehmen?

Als CIO verstehe ich mich als interner Dienstleister unserer Kollegen, die IT für Ihre tägliche Arbeit benötigen. Wir sehen uns in unserer Vorstandsrolle immer als Dienstleister der Mitarbeiter und des Unternehmens. Wir sorgen dafür, entsprechende Informations- und Kommunikationsstrukturen aufzubauen und diese auf die strategische Positionierung des Unternehmens auszurichten. Daher ist meine Rolle als CIO und CTO sowohl in der strategischen Beratung der idealen Kommunikationsstrukturen als auch in der Produktentwicklung für unser Unternehmen.

Die Bezeichnung „Chief Integration Officer“ ist relativ neu und noch nicht so lange gebräuchlich. Ist das richtig?

Richtig, CIO bzw. viele der mit „C“ anfangenden Titel sind von den Grenzen her manchmal fließend. Dementsprechend kenne ich den CIO als Chief Information Officer, sehe mich in der Rolle als Integration Officer.

Um auf die IT-Herausforderung für Unternehmen zu sprechen zu kommen. Wo sehen Sie hier die größten Herausforderungen?

Ich denke, dass momentan die größten Herausforderungen daran liegen, die unterschiedlichen Teams, die bei uns sehr verteilt arbeiten, über eine zentrale IT an einen Tisch zu bekommen. Dementsprechend stellt das Thema Cloud Computing eine zentrale Herausforderung dar. Ein weiteres Thema ist die Absicherung von mobilen Geräten, die den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden, um entsprechend Datenschutz und Datensicherheit im Unternehmen gewährleisten zu können – und das kontinuierlich dem Informationsfluss angepasst.

In einigen Interviews zu Mobile Business, die wir vor kurzem durchgeführt haben, wurde das Thema „Bring your own device“ stark diskutiert. Dies bezieht eigentlich direkt auf Ihren letzten Punkt. Warum ist dies eine zentrale Herausforderung für Unternehmen und deren IT?

Ich nenne das eigentlich „Consumerization of IT“. Dieser Begriff ist auch relativ neu, wird dadurch geprägt, dass IT-Strategien zukünftig stärker in die Richtung gehen, Mitarbeiter zu motivieren, ihre eigenen Endgeräte mit im Unternehmen zu nutzen bzw. nutzen zu können und zu dürfen. Ein Beispiel ist das iPhone, das als Endkundengerät entwickelt worden ist. Es wird mehr und mehr in Arbeitsabläufe in Unternehmen mit einbezogen. Dementsprechend hat dieser Punkt für mich höchste Bedeutung. Ich setze mich intensiv mit der Frage auseinander, wie man es IT-seitig ermöglichen kann, endkundengerichtete Geräte und Programme in die Unternehmens-IT mit allen Anforderungen einzubinden und entsprechend Datenschutz und Datensicherheit zu gewährleisten.

 

Es gibt zwei zentrale Ausrichtungen in der Unternehmens-IT: die Zentralisierung und die Dezentralisierung. Sind Sie ein Verfechter der Zentralisierung oder der Dezentralisierung?

Hier ist die Frage, auf welcher Ebene man das betrachtet. Wenn wir uns die Cloud anschauen, könnte man auch sagen, sie ist eine zentralisierte Form der IT, denn ich kümmere mich nicht mehr um Themen wie lokale Speicherung in einer Filiale, sondern speichere nur noch an einer Stelle – nämlich in die Clouds. Ich bin eher ein Verfechter der zentralen Richtung, da ich glaube, dass dadurch viele Prozesse vereinfacht und die Last für die Mitarbeiter reduziert werden kann. Am Ende ist es wichtig, dass es für die Mitarbeiter einfacher wird und Software und Geräte somit leichter zu managen sind.

Daher auch die besondere Position vom CTO und CIO im Unternehmen. Ist das richtig?

Genau. Gerade bei uns als mittelständisches Technologieunternehmen im Internetbereich verschmelzen diese beiden Positionen miteinander. Wir sind auch beratend für große Unternehmen tätig. Daher suchen und stellen wir uns natürlich auch solchen Themenstellungen.

Wie steuern Sie Ihre IT bei der motionet AG?

Wir bei der motionet AG haben versucht, die Kommunikation in synchrone und asynchrone Kommunikation zu unterteilen. Synchrone IT bedeutet bei uns, z.B. Instant Messaging, so dass alle innerhalb eines internen Messaging Systems direkt miteinander kommunizieren können. Asynchrone Kommunikation bedeutet für uns, dass wir auf ein eigenes Produkt setzen, dass wir entwickelt haben, wie man das von Facebook und Twitter kennt Es werden sog. Activity Streams mit Kurznachrichten genutzt, die man dort reinschreibt. Es hilft, Projekte zu managen, Kommentare für Kunden oder Mitarbeiter können einfach hinterlassen werden, Mitarbeiter können hinterlassen, wo sie gerade unterwegs sind bzw. an welchen Aufgaben sie gerade arbeiten

Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie dieses Messaging System selbst entwickelt und nicht auf ein bestehendes Tool zurückgegriffen haben?

Die Anforderung, gerade weil wir in vielen verteilten Teams und auch zeitlich versetzt arbeiten, hat sich nun schon vor ca. zwei Jahren gestellt. Zu dieser Zeit gab es im Enterprise-Bereich noch kein adäquates Tool, was man hätte einsetzen können. Wir haben aber schon gemerkt, dass viele unserer Kollegen, gerade aus dem privaten Umfeld, natürlich auch Facebook oder Twitter nutzen. Wir sehen heute, dass dies eine sehr gute Möglichkeit ist, nicht nur formale Kommunikation innerhalb des Unternehmens zu betreiben, sondern auch informelle Kommunikation. Unsere Kollegen verabreden sich z.B. in Laufgruppen, die sie innerhalb unseres eigenen Systems, das übrigens „HUBBER“ heißt, entsprechend anlegen und sich dann dort dazu verabreden. Es bringt natürlich auch viel für die interne Kommunikation. Kollegen lernen sich besser kennen. Gerade wir auf der Vorstandsebene schreiben auch mal öfter über private Dinge, die wir machen, z.B. Sonntagsausflüge, Feierlichkeiten, damit auch die Kollegen mehr von uns mitbekommen. Diese Möglichkeiten haben wir damals nicht gesehen, dass es dazu ein entsprechendes Tool gibt, welches unsere Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet. Wir haben uns dann dazu entschlossen, dieses selbst zu entwickeln.

Wird dieses System jetzt auch für Kunden angeboten?

Genau. „HUBBER“ wird seit März 2011 im Markt angeboten. Wir sind sehr, sehr zufrieden mit der Entwicklung dieses Tools und merken dort auch, dass wir einen Markt angestoßen bzw. angebohrt haben, der sich gerade zu entwickeln scheint. Wir haben mehrere große Kommunikationsunternehmen auf dem deutschen Markt gewinnen können, weil gerade auch dort asynchrone Kommunikation ein sehr großes Thema ist. Wir sind sehr froh darüber, dass es so gut angenommen wird.

 

Kommen wir zurück zu den IT-Herausforderungen. Spüren Sie die starke Nachfrage in den Bereichen Kommunikation und Mobility. Hat die Nachfrage nach Lösungen in letzter Zeit zugenommen?

Ja, sie hat auf jeden Fall zugenommen. Was wir vor allen Dingen merken ist, dass es im Unternehmen oftmals sehr viele IT-Systeme gibt und die Nutzer langsam aber sicher davon überfordert sind. Es gibt endlos lange Email-Verteiler und keiner weiß mehr genau, wann, wo, welche Email gelandet ist und es auch keine Nachvollziehbarkeit mehr gibt. Aber wir sehen auch, dass ganz normale User in Großunternehmen sich in bis zu 40, 50 IT-Systemen auskennen und diese bedienen müssen, um die entsprechenden Prozesse im Unternehmen überhaupt abwickeln und ihre tägliche Arbeit machen zu können. Hier sehen wir erhöhten Bedarf, gerade an schneller, zuverlässiger Kommunikation. Wichtig ist dabei, den Menschen wieder ein Stück weit die Arbeit abzunehmen und zu erleichtern und dass Sie untereinander vernünftig kommunizieren können.

Es kostet sicher auch sehr viel Zeit, sich mit vielen verschiedenen IT-Systemen auseinander setzen zu müssen. Ist dies so?

Genau. Was wir aus verschiedenen internen Studien, die wir aus unseren Projekten herausgefunden haben ist, dass man mit geeigneter Software, die diese IT-Systeme miteinander verbindet, tatsächlich 20 bis 30 % an Fragen reduzieren kann. Beispielsweise im Intranet, damit Kollegen Informationen entsprechend schneller finden. Hintergrund dessen ist, dass es in den meisten Unternehmen in ausgeprägter Form im Internet Aufstellungen gibt, wo sich die ganzen Tools befinden. Alle Informationen sind irgendwo im Unternehmen zu finden, aber sie liegen meist sehr verstreut und kein Mensch findet sie mehr. Wenn man nun ein Tool wie „HUBBER“ nutzt, dann hat man die Möglichkeit, den Suchaufwand, um relevante Informationen zu finden, um 20 bis 30 % zu reduzieren.

Dies ist ein ziemlich hohes Einsparpotential. Können Sie ungefähr abschätzen, wie lange es dauert, bis sich die Investitionen in die Homogenisierung der eigenen IT-Landschaft amortisiert? Gibt es hier Zahlen?

Konkrete Zahlen gibt es an dem Punkt noch nicht. Was wir merken, ist, dass sich alte Kommunikationsformen, wie die klassische Email, das angehängte Word-Dokument, eingeschliffen haben. Erst wenn sich diese eingeschliffene Standard-Kommunikation ein Stück verändert, also auch die Bereitschaft der Kollegen da ist, auf neue Tools zurückzugreifen. Dann glaube ich, dass sich dies im gesamten Einsparpotential auch rechnet. Was wir jedoch merken ist, dass wenn jemand auf ein Tool wie „HUBBER“ zurückgreift, die Lernquote relativ hoch ist. Das heißt, man fängt damit an zu arbeiten und ist in relativ kurzer Zeit drin, da es vom Aufbau her ähnlich ist wie private Systeme, die die Nutzer sowieso zu Hause nutzen, wie z.B. Facebook und Twitter.

Geben Sie mir doch bitte noch einen persönlichen Einblick in Ihren Tätigkeitsbereich. Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe als CIO und IT-Verantwortlicher besonders?

Wenn man als Techniker, wie ich aufgewachsen bin, das heißt vom C64 über Atari und Amiga und sein ganzes Leben mit IT zu tun hatte, gibt es natürlich eine gewisse Grundfaszination. Auf der anderen Seite ist es so, dass die Entwicklung uns dazu hinführt, das Leben und immer mehr Bereiche des Arbeitsalltages mit IT-Systemen zu unterstützen. Das macht es unglaublich spannend, diesem zu folgen und immer anderen eine Nasenlänge voraus zu sein, um entsprechend neue Produkte, wie z.B. „HUBBER“ entwickeln zu können und diese am Markt entsprechend zu platzieren.

Herr Bornholz, ich bedanke mich für diese interessanten Einblicke.

Sehr gerne, vielen Dank!

 

Das Interview hat Marc Brümmer (Redaktionsleiter AGITANO) geführt.

 

 

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