Energie & Umwelt

Insolventer Solarhersteller Q-Cells wird von Sachsen-Anhalt gerettet – Finanzhilfen in Aussicht gestellt

Das Finanzministerium von Sachsen-Anhalt hat dem insolventen Solarzellen-Hersteller Q-Cells Landeshilfen in Aussicht gestellt. Demnach seien verschiedene Arten der Förderung oder auch Bürgschaften denkbar, um den Fortbestand des Unternehmens in dem derzeitigen turbulenten Umfeld der laufenden außerplanmäßigen Förderkürzungen zu sichern. Laut Marktbeobachtern dürfte sich das Geschäftsfeld 2013 bereits wieder stabilisieren – vorausgesetzt, das Bundeswirtschaftsministerium kann sich nicht gegen die überwältigende Kritik an der extremen Höhe seiner Solar-Beschneidung durchsetzen. Demnach steht die Solarbranche nur wenige Jahre vor der Möglichkeit, gänzlich ohne Hilfen auszukommen. Die überstürzte und extrem hohen Kürzungen seitens Schwarz-Gelb drohen jedoch, die deutschen Hersteller auf den letzten Metern noch in den Ruin zu treiben und das zukunftsträchtige Geschäftsfeld der chinesischen Konkurrenz zu überlassen. Prof. Dr. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin hatte auf dem „2nd Inverter and PV System Technology Forum 2012“ Anfang des Jahres – vor Bekanntwerden der Pläne – ausgeführt, dass aufgrund des bereits stattfindenden starken Preisverfalls für Solarmodule die Einspeisevergütung für Solarstrom nur noch in den nächsten drei bis vier Jahren benötigt werden würde. Die Kosten für Solarstrom würden dann bereits unter denen für konventionellen Strom liegen. Viele deutsche Solarunternehmen werden aufgrund der verfehlten Solarpolitik der Bundesregierung diesen Moment jedoch nicht mehr erleben. Der Energieexperte Dr. Franz Alt sprach gar von einem volkswirtschaftlichen Wahnsinn.

Einst eine starke Branche

Die beiden Q-Cells-Manager Anton Milner und Reiner Lemoine waren 2005 „Entrepreneure des Jahres“. Im Juni 2011 wurden dann Übernahmegerüchte durch den chinesischen Konkurrenten LDK Solar laut. Finanzvorstand Jack Lai damals: „Wir sind sehr interessiert, bei deutschen Firmen einzusteigen. Dabei ist vor allem die Technologie wichtig. (…) Deutschland hat viel zu bieten und die Preise sind niedrig.“ Demnach sei dabei vor allem das Markenimage der deutschen Solarfirmen herausragend: Sie würden international ähnlich wie die deutschen Autos „Made in Germany“ als technologisch stark gelten. Diese Stärken gelte es daher laut LDK Solar mit den chinesischen zu bündeln. „Deutsches Image und deutsche Technik kombiniert mit chinesischen Lohnkosten. Daraus können sie einen globalen Markführer schaffen.“

Laut den Analysten von IMS Research soll es für die Solarbranche nach der derzeitigen Durststrecke ab Anfang 2013 wieder aufwärts gehen – dies war jedoch vor den jüngsten Plänen der Bundesregierung, der Branche auf den letzten Metern den Boden unter den Füssen wegzuziehen. Laut den Angaben von IMS Research mit dem Stand November 2011 sollte der Umsatz 2012 zwar um bis zu 55% einbrechen, sich jedoch auf lange Sicht wieder erholen, wenn die Unternehmen wieder in technologische Neuerungen investieren. 2015 würde der Gesamtumsatz der Branche nach dem damaligen Stand wieder über dem Wert von 2011 liegen. Statt dessen müssen nun immer mehr deutsche Solarunternehmen Insolvenz anmelden (Solon, Solarhybrid, Solar Millennium und nun Q-Cells). Die Erneuerbaren Energien stellen derzeit rund 382.000 Arbeitsplätze in Deutschland.

Solarstrom führt bereits jetzt zu niedrigeren Strompreisen – allerdings nicht für alle

Laut einer Studie des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) vom Februar 2012 hat der Solarstrom an der Strombörse EPEX 2011 rund 840 Millionen Euro eingespart, das entspricht einer Ersparnis von rund 10%. Mittags, wenn die Sonne am stärksten scheint, aber auch die Verbrauchsspitzen nachfragebedingt bislang zu den teuersten Strompreisen führen, betrug die Kostenersparnis durch Solar-Strom sogar bis zu 40%. Aufgrund der Ausnahmeregelung für die Industrie und energieintensive Unternehmen bei der EEG-Umlage, müssen der private Verbraucher und die kleinen Unternehmen jedoch die Energiewende nahezu alleine schultern, so dass sie als einzige noch nicht von den positiven Effekten profitieren. Die großen vier Energieriesen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW (zusammen 80% des deutschen Energiemarktes) bangen zudem um ihre Milliardengewinne und führen einen ideologischen Kreuzzug gegen die neue dezentrale und meist bürgerliche Konkurrenz.

Die wirtschaftlichen Vorteile, die durch den Ausbau von Erneuerbaren Energien entstehen, wurden mehrfach, unter anderem in einer Studie des Instituts für ökologischen Wirtschaftsforschung, detailliert analysiert. So könnte die Wertschöpfung der chronisch klammen Kommunen durch Erneuerbare Energien von 6,8 Milliarden im Jahre 2009 auf 13,2 Milliarden im Jahre 2020 anwachsen – hinzu kommen dann noch die Effekte der daraus entstehenden Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Die Effekte der Erneuerbaren Energien auf die Kommunen sind auch in dem Kommunalatlas der Seite www.kommunal-erneuerbar.de abrufbar. Nach Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) haben regenerative Energien im Jahr 2011 allein Brennstoffimporte in Höhe von 11 Milliarden Euro ersetzt und mehr als 9 Milliarden Euro externe Kosten vermieden.

(mb)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.