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Kroatien ist 28. EU-Mitgliedstaat: Hintergrund und Überblick

Kroatien, EU
[Bild: SpeedyGonsales / wikimedia / CC BY 3.0]

Am 9. Dezember 2011 fand in Brüssel die feierliche Unterzeichnung des Beitrittsvertrags zwischen der Europäischen Union und Kroatien statt. Zum 1. Juli 2013 wird Kroatien nun offiziell der 28. Mitgliedstaat der Europäischen Union. Aus der EU27 wird somit die EU 28. Im Folgenden eine Auswahl an Wirtschafts- und Sozialindikatoren, um den neuen Mitgliedstaat näher vorzustellen.

Geographie und Bevölkerung

Kroatien liegt in der Übergangszone zwischen Mitteleuropa und Südosteuropa. Der Großteil des Landes liegt auf der Balkanhalbinsel. Mit einer Landfläche von 56.500 Quadratkilometern ist es in etwa doppelt so groß wie Brandenburg. Aufgrund der langen Küstenlinie zum adriatischen Meer und seinen 1246 Inseln spielt der Tourismus eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft des Landes.

Im Jahr 2011 wies Kroatien eine Einwohnerzahl von 4,29 Millionen aus, Tendenz aufgrund der niedrigen Geburtenraten abnehmend (ca. 90% Kroaten, 4,4% Serben, 5% sonstige). Die Bevölkerung konzentriert sich dabei im Norden und entlang der Küste. Rund 86% der Bevölerung sind römisch-katholisch, 4% serbisch-orthodox, 1% muslimisch, 0,3% evangelisch und 0,01% jüdisch.

Wirtschaft

Die Staatsschulden Kroatiens lagen Ende 2010 mit 46 Milliarden Euro bei 42% des BIP und damit unterhalb der Maastrichtkriterien (60% des BIP) – Tendenz steigend. Kroatien wies zwischen 2004-2008 ein konstantes Wachstum von durchschnittlich rund 4,2% auf. Laut der Statistikbehhörde Eurostat lag das durchschnittliche BIP pro Kopf mit dem Stand 2009 bei 10.232 Euro oder 64% des EU-Durchschnitts. Damit schnitt Kroatien besser ab als die sieben EU-Mitgliedsstaaten Ungarn (63%), Estland (62%), Polen (61%), Litauen (53%), Lettland (49%), Rumänien (45%) und Schlusslicht Bulgarien (41%).

Im Krisenjahr 2009 gab es allerdings einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um -5,8% des BIP. Seitdem leidet Kroatien unter der globalen Rezession und kann seit vier Jahren in Folge kein Wirtschaftswachstum verzeichnen. Während es 2011 noch ein Nullwachstum gab, schrumpfte 2012 das BIP um weitere -2,0% im Vergleich zum Vorjahr (2011: 44,9 Mrd. Euro; 2012: 44,3 Mrd. Euro) und betrug damit je Einwohner im Jahr nur noch 9.970 Euro (vgl. den Länderbericht Kroatien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz / BMELV mit dem Stand April 2013). Damit ist das BIP pro Kopf auf 61% des EU-Durchschnitts zurückgegangen. Im Vorfeld des EU-Beitritts musste Kroatien den teilweise noch vorhandenen 0%-Satz in der Mehrwertsteuer abschaffen, was für einen kurzfristigen Preisschub gesorgt hat (Teuerungsrate, Inflation).

Löhne

Die durchschnittlichen Brutto-Monatslöhne lagen in Kroatien 2010 laut WIIW bei 1.055 Euro im Vergleich zu 750 Euro im benachbarten EU-Land Ungarn. Das starke Wachstum der Nettolöhne hat sich in Kroatien zuletzt aber zurückgebildet (2010 auf 0,5% nach 5,0 bis 7,0% in den Jahren 2007 sowie 2008). Die Lohnstückkosten sinken seit 2010 real. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 19% (2008: 8,4%) deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Wirtschaftssektoren

Bestimmender Wirtschaftssektor sind die Dienstleistungen mit einem Anteil von 70% an der Wertschöpfung. Rund ein Fünftel der Wertschöpfung des Landes erwirtschaftet der Tourismussektor. 2012 besuchten 11,8 Millionen Touristen Kroatien, 3,3% mehr als im Vorjahr, davon 1,85 Millionen deutsche Touristen, 11,5% mehr als im Vorjahr.
Der zweitgrößte Industriezweig ist der Schiffsbau, der sich derzeit in einer Umstrukturierung befindet. In der verarbeitenden Industrie dominiert die Nahrungsmittelindustrie, gefolgt von der Erdölverarbeitung, der chemischen Industrie, der Herstellung von nichtmetallischen Mineralprodukten, der Herstellung von Metallprodukten, der Verlags- und Druckindustrie, der Textilindustrie sowie der Transportmittelherstellung.

Mit offenen Karten – Kroatien an der Schwelle zu EU (12:15 min)

Deutsche Welle: Kroatien – EU-Beitritt eines Krisenkandidaten? | Made in Germany (4:53)

Weiterführende Informationen:

– BMELV: Länderbericht Kroatien
– Germany Trade & Invest: Wirtschaftstrends Kroatien
– Auswärtiges Amt: Länderinformationen Kroatien

 (mb)

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Marc Brümmer

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