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Welche Gefahren birgt der Brexit für deutsche Exporteure?

Brexit, deutsche Exportwirtschaft

„Deutschland und Frankreich exportieren einen Großteil ihrer abgelaufenen Lebensmittel ins Vereinigte Königreich und kämpfen darum für seinen Verbleib in der EU.“ Für den Satiriker Dietmar Wischmeyer wäre der viel diskutierten Austritt Großbritanniens, der so genannten Brexit, kein wirklich großer Verlust (s. u. Video). Anders wird ein solches Szenario von Ökonomen bewertet. Zwar wären für sie die Briten selbst die größten Verlierer, doch auch für die deutsche Exportwirtschaft wäre der Austritt ein regelrechter Albtraum. Fast sieben Milliarden Euro an Exporten gingen für sie bis 2019 verloren. Doch das wäre bei weitem nicht das einzige Problem.

Ob „weicher“ oder „harter“ Brexit: Es gibt nur Verlierer

Das sehen übrigens Vertreter der britischen Wirtschaft genauso. Die Confederation of British Industry (CBI), einer der wichtigsten Arbeitgeberverbände des Vereinigten Königreichs, hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) damit beauftragt, zu untersuchen was im Falle des viel diskutierten Brexit alles auf Großbritannien zukommen würde. Die wichtigsten Ergebnisse wurden in Form einer Infografik kompakt zusammengefasst.

Brexit,deutsche Exportwirtschaft
Oben eingefügte Infografik fasst die negativen des Brexit anschaulich zusammen. (Quelle: statista.com / CC BY-ND 3.0)

Als „weichen“ Ausstieg bezeichnen die PwC-Experten einen Brexit mit anschließendem Beschluss eine Freihandelsabkommens zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union (EU). In diesem würde die britische Volkswirtschaft im Verlauf der kommenden vier Jahre „nur“ um 3,5 Prozent sinken. Ohne Freihandelsabkommen um 5,5 Prozent.

Anstieg deutscher Insolvenzen um 1,2 Prozentpunkte

Der Brexit könnte einem egal sein, wenn wir nicht in Zeiten der Globalisierung leben würden. Zwar fährt eine exportorientierte Nation wie Deutschland nicht eingleisig, sondern betreibt internationalen Handel auch mit anderen Volkswirtschaften, unter anderem mit Schwellenländern, doch ist der Handel mit diesen stets mit Unsicherheiten verbunden. Da sind die Beziehungen mit entwickelten Industriestaaten wie Großbritannien ein mindestens genauso wichtiges Standbein.

Das sehen auch Ökonomen der Kreditversicherungswirtschaft so. „Die deutschen Exporteure wären mit Abstand die größten Verlierer eines Brexits“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Besonders hart würde der Brexit die deutsche Automobilindustrie treffen. Ganze 2 Milliarden Euro fehlende Ausfuhren würden bis 2019 auf ihr Konto gehen, bei dem für die deutsche Volkswirtschaft so wichtigen Maschinenbau wären es rund eine Milliarde Euro und beim relativ stark vom britischen Markt abhängigen Chemiesektor 1,1 Milliarden Euro. „Wir erwarten für diesen Fall allein durch den Brexit einen Anstieg der Insolvenzen in Deutschland um zusätzlich rund 1,2 Prozentpunkte“, so van het Hof.

Anmerkungen der Redaktion:

Weiterführende Hinweise zum Thema haben die Experten von Euler Hermes unter den folgenden Links zusammengestellt:

Video: „Wischmeyers Brexit“

[Anmerkung der Redaktion: Das hier eingebettete Video wurde (vorübergehend) entfernt, ist jedoch womöglich weiterhin hier zu finden: comedyTube Deutschland / YouTube.]

Christoph Schroeder

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