Einsichten & Ansichten

Labyrinthische Spiegelwelten. Eine Philosophie der Sackgasse

Irgendwo scheinen wir Menschen immer festzustecken. Das bringt dieses Durcheinander, das Labyrinth des Lebens, so mit sich. Aber ist dieses Chaos wirklich so schlimm? Heute in „QUERGEDACHT & QUERGEWORTET – Das Wort zum Freitag“ zeigt Ulrich B Wagner, warum es lohnt, sich mit der Unordnung auseinanderzusetzen, anstatt zu versuchen, sie auszugrenzen.

#Labyrinth #Suche #Scheitern

Irgendwo scheint man immer festzustecken, von Verlaufen gar nicht erst zu sprechen. Wo ist der Punkt an dem bedeutungslose, formalisierte Bildzeichen in ein gegenständliches Wiedererkennen umschlagen?

  • Was ist Gewöhnung, was ist Routine?
  • Was ist Gegenstand des Erkennens?
  • Was ist? Oder Innen und Außen vertauscht:
  • Worin besteht das Wesenhafte der Wahrnehmung?

Werden Irrwege, werden Labyrinthe aber wirklich immer nur im Verborgenen geplant? Fernab von uns? Ohne uns? Ohne unser Zutun? Ganz ohne unser Lassen und Unterlassen? Zerstöre etwa die bloße Kenntnis des labyrinthischen Anliegens, das Vorbildliche das Labyrinth per se?

Oder entsteht das Labyrinthische, von „dem“ Labyrinth an dieser Stelle ganz zu Schweigen gar erst in der raum-zeitlichen Eingrenzung der Wahrnehmung des im (vermeintlichen) Labyrinth „Gefangenen“?

Cogito ergo sum, ich denke also bin ich auch. Einverstanden, wer hat der hat oder auch nicht.

Menschen haben aber auch einen Körper und sind aber auch wiederum Körper. Bloße Körper gar? Man denke nur an Trump & Co. beispielsweise!?

Die Einheit von Körper und Geist mal vorausgesetzt. Doch worin ist sie begründet, wodurch geschweige denn sichergestellt?

Berkeleys esse est percipi (es gibt etwas, das wahrgenommen wird) und esse est percipere (es gibt etwas, das wahrnimmt) vielleicht?

Andersherum: Menschen haben also einen Körper und sind wiederum Körper. Wobei hier aber schon der französische Philosoph Maurice Merleau-Ponty mit seiner ins Labyrinth weisenden Mehrdeutigkeit von Sinn und Sinnlichkeit des Leibes durchblickt: der Körper / die Leiblichkeit als Mittel des Zur-Welt-Seins.

„Zur“ ist aber auch etwas anderes als „In“–der-Welt …. Oder doch nicht?

Beide Möglichkeiten scheinen hier und dort interessant. Einverstanden, als Leib im phänomenologischen Sinn ist der Mensch Dreh- und Angelpunkt der Perspektiven, mit denen er die reale Welt und allem anderen was er so an Dingen wahrnimmt. Ganz ohne die leibliche Perspektive ließe sich aber auch irgendwie nicht von Gegenständen, von uns (körperlich/ leiblich) getrennten sprechen. Die leibliche Perspektive ermöglicht und begrenzt daher zugleich massiv unsere Erkenntnis. Als sehender oder berührender Leib ist er selbst wiederum nicht in der Lage, selber gesehen oder berührt zu werden.

Auf einer ganz anderen Ebene formuliert: Der eigene Arsch wird erst im Spiegel in seiner Arschhaftigkeit wiedererkannt. Doch die Wahrnehmung des eigenen Spiegelbildes ist aus der eigenen (?) oder zumindest der von Anorektikern oder dem was sie von dem/ ihm Denken wohl ausreichend bekannt … . „[D]ass ich niemals ihn eigentlich vor mir habe, dass er sich nicht vor meinem Blick entfalten kann, vielmehr immer am Rand meiner Wahrnehmung bleibt und dergestalt mit mir ist“ (Merleau-Ponty, 1966, S. 115).

Diese Situation determiniert unser Weltverhältnis in dem Sinne, dass Welt und Körper unmittelbar miteinander verwoben sind. Wir hängen nun einmal in uns (unserem leiblichem Gefängnis) fest. Diese kreuzartige Verschränkung von Welt und Subjekt ist im Modus der Leibgebundenheit begründet. Sie hilft uns zwar, die Spaltung von Denken und Ich und Körper zu überwinden, doch der Körper bleibt auch weiterhin entsprechend der Erfahrung der Welt in Außen-, Innen­ und Sozialwelt strukturiert.

Einsam und doch nicht allein, durchschreiten wir mit Anderen in unserem Labyrinth gefangen, das uns umgebende Labyrinth, das wir Welt nennen.

Teilweise nur gelingt es den anderen auch so zu empfinden, als wären wir er/ sie, nicht bloß als Vorstellung, sondern auch als Sein (Leib).

Doch da wären wir auch schon bei Empathie. Lassen wir es daher hierbei bewenden. Es würde schon ausreichen, wenn wir von Zeit zu erkennen würden, das die Welt häufig leider nur das ist, was wir uns unter ihr vorzustellen glauben und nicht was sie auch in Gänze ist.

Doch wer sind Wir? Ich, Du, er, sie, es?

Vielleicht hilft es ja bereits, sich der Verwirrung, dem Durcheinander des Lebens wirklich auszusetzen, anstatt eine Eineindeutigkeit und Klarheit zu zelebrieren, in der wir uns nur von der Unordnung abkapseln, uns im Großen und Ganzen aber nicht weiterbringt.

Ausgrenzung bringt nichts. Wir sollten uns aktiv auseinandersetzen: eine schöne Anstrengung sich mit sich selbst bekannt zu machen, wie Heinrich von Kleist es in seiner Marquise O. formuliert hat.

Ihr Ulrich B Wagner

Christoph Schroeder

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