Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein: Chancen der festen Fehmarnbelt-Querung

Welche wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Kräfte setzt das Großprojekt bereits heute in Bewegung? Darüber diskutierten Vertreter aus Wirtschaft und Politik am 15. April in Lübeck.

Welche Chancen ergeben sich für den neuen Wirtschaftraum und welche Risiken sind zu erwarten? Darüber diskutierten auf Einladung der schleswig-holsteinischen Landesregierung und der IHK zu Lübeck vor knapp 200 Gästen Vertreter aus Wirtschaft und Politik.

Schleswig-Holstein und Hamburg rücken stärker ins Zentrum

Ministerpräsident Torsten Albig stellte in seiner Rede die wirtschaftlichen, kulturellen und verkehrspolitischen Gesichtspunkte in den Mittelpunkt: „Wir werden die letzte große Lücke im grenzüberschreitenden Verkehrsnetz Europas schließen. Skandinavien rückt näher an Europa heran, Schleswig-Holstein und Hamburg rücken dadurch stärker ins Zentrum„, sagte Albig. Er warb daher dafür, sich jetzt schon auf diese großen Chancen in den Bereichen Wirtschaft, Arbeit und kulturelle Zusammenarbeit vorzubereiten.

Wirtschaftliche Dynamik

So habe sich schon in der Planungsphase eine wirtschaftliche Dynamik entfaltet. Viele deutsche Unternehmen seien an den Aufträgen von Femern A/S beteiligt. Doch es gebe noch mehr Potenzial: „Halten Sie Ausschau nach Chancen, die sich aus der festen Beltquerung ergeben„, sagte der Ministerpräsident. Daher sei es wichtig, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam mit den Menschen über das sprechen, was in der Schleswig-Holstein mit der festen Fehmarnbelt-Querung heranwachse.

Chancen und Risiken ausgleichen

Dabei sei die Landesregierung nicht blind für die Risiken, so der Regierungschef. Es müsse gelingen, die Chancen und Risiken soweit wie möglich auszugleichen. „Ich weiß, dass einige Menschen in der Region nicht die Hoffnungen teilen, die wir mit der Beltquerung verbinden, weil sie sich um ihre Zukunft sorgen. Deshalb sage ich Ihnen ausdrücklich: Die Landesregierung ist sich ihrer Verantwortung bewusst, dafür Sorge zu tragen, dass eine solche Verbindung nicht die Bewohner, die Unternehmen und die Natur in der Region über Gebühr belastet. Dafür wollen wir im laufenden Raumordnungsverfahren die für unser Land und die Menschen bestmögliche Schienentrasse ermitteln.

Zwei getrennte Bahntrassen

Albig sagte, er habe Bahnchef Grube schriftlich gebeten, eine zweite Bahntrasse in die Unterlagen zum Raumordnungsverfahren aufzunehmen. In einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Ramsauer habe er um Unterstützung für diese Variante zweier getrennter Trassen geworben, bei der der Güter- und Fernverkehr über eine zweite Schienentrasse abseits der Tourismusorte an der Lübecker Bucht geführt werde. „Ich sage Ihnen zu: Wir werden jede Bundesregierung, egal welcher Farbe, nach der Bundestagswahl daran erinnern„, versprach der Ministerpräsident.

Wachstumsschub für die Region

Die Präses der IHK zu Lübeck Friederike C. Kühn stellte in ihrer Rede die Chancen für die regionale Wirtschaft in den Mittelpunkt: „Die feste Fehmarnbelt-Querung wird der Region zusätzlichen Wachstumsschub geben. Das deutsch-dänische Netzwerk wird immer größer. In zahlreichen Veranstaltungen haben wir inzwischen weit über 300 Unternehmen aus Deutschland und Dänemark über den Bau der Querung und die notwendigen Voraussetzungen als Auftragnehmer in dem Projekt informiert. Hunderte Menschen haben wir auch auf gesellschaftlicher und kultureller Ebene unter anderem durch das Projekt kulturLINK zusammengebracht. Wir nehmen die Sorgen der Menschen in unserer Region ernst. Wenn Tourismusbetriebe Standortnachteile durch die Baumaßnahme befürchten, müssen Kurskorrekturen vorgenommen werden. Deshalb hat sich die IHK im Rahmen des Raumordnungsverfahrens zur Schienenanbindung frühzeitig für eine 2+1-Trassenführung, die den Neubau der Fernverkehrstrasse im Abschnitt Bad Schwartau – Neustadt/Holstein entlang der Autobahn A 1 und den Erhalt der Bestandstrasse für den Schienenpersonennahverkehr vorsieht, ausgesprochen. Uns stimmt die Reaktionen von Bundesverkehrsminister Ramsauer sehr zuversichtlich, nach der er sich ausdrücklich für eine zusätzliche Trasse für den Schienenpersonenfernverkehr sowie den Güterverkehr ausspricht.

Projektstand und Herausforderungen

Der Leiter der Unternehmenskommunikation von Femern A/S Ajs Dam berichtete auf der Tagung über den aktuellen Projektstand des Bauvorhabens und umriss die Arbeitsplatzeffekte in der Bau- und Betriebsphase. Der Vorsitzende des DGB Nord Uwe Polkaehn nahm in seinem Beitrag Stellung zu den Beschäftigungs- und strukturpolitischen Herausforderungen.

Diskussion

In einer abschließenden Diskussion stellten sich zudem Reinhard Meyer, Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie, Reinhard Sager, Matthias Schulz-Kleinfeldt, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck und Chairman des Fehmarnbelt Business Council, sowie Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer Baltic Facility Solutions, Dr. Gernot Tesch, Geschäftsführer von Scandlines Deutschland GmbH, und Volker Owerien, Vorsitzender vom Ostsee-Holstein-Tourismus e. V., den Fragen der Gäste.

(SH)

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