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Unter Dampf – Das Geschäft mit Vape-Shops und E-Zigaretten floriert

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Vor wenigen Jahren hat Oxford Dictionaries den englischen Begriff „Vape“ zum Wort des Jahres gewählt. „Vape“ werden manche vielleicht schon einmal gehört haben, besonders, wenn er oder sie raucht – oder besser gesagt: dampft. Denn genau das meint das gewählte Wort: Das Inhalieren von Wasserdampf, wie sie sogenannte E-Zigaretten produzieren. Der Trend E-Zigarette zeigt sich auch in der Tatsache, dass immer mehr in das Geschäft mit Liquids und Equipment für Vaper einsteigen.

Jung, urban, hip und selbstbewusst

Dampf ist der neue Rauch, nur besser. Zumindest, wenn man den Anhängern der E-Zigarette glauben darf. Immer mehr vor allem junge Menschen tauschen diese gegen die klassische Tabakzigarette ein. Der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) kennt laut seiner Studie genauere Zahlen: Rund 3,5 Millionen Menschen sollen im vergangenen Jahr in Deutschland E-Zigaretten konsumiert haben. Der Zigarettenverkauf ist weiterhin rückläufig, sogenannte Vape- oder Dampf-Shops schießen wie Pilze aus dem Boden.

E-Zigaretten sind keinesfalls „einfach besser für die Gesundheit“

Dass E-Zigaretten „besser“ oder „gesünder“ seien als Tabakkonsum, gegen diese Vereinfachung kämpft nicht nur die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sondern auch Kardiologen oder die Stiftung Warentest. Auch die E-Zigarette kann schädliche Nebenwirkungen haben, oder – laut ihren Kritikern – auch eine potenzielle Einstiegsdroge zum Tabakkonsum werden. Nichtsdestotrotz steigen viele Raucher zunächst hauptsächlich aus gesundheitlichen Gründen auf die E-Zigarette um.

Dampf statt Verbrennung

E-Zigaretten – und das ist einer der wichtigsten Unterschiede zur Tabakzigarette – funktionieren nicht mit einer Verbrennung, sondern mit Nassdampf. Dabei wird, stark verkürzt gesagt, eine Flüssigkeit durch einen akkubetriebenen Verdampfer erhitzt. Der entstehende Dampf wird vom Nutzer inhaliert. Dieser Dampf ist nicht direkt Wasserdampf, sondern ein Gemisch aus Propylenglycol, Glycerindämpfen und Nikotin, sofern sich der Dampfer nicht für nikotinfreies Liquid entschieden hat. Durch diese Stoffe, die als Geschmacksträger fungieren, können die im Liquid enthaltenden Aromen geschmeckt werden. Die Technik selbst stammt aus den 1960er Jahren, marktreif wurde sie allerdings erst vor rund zehn Jahren.

Warum ist Dampfen so attraktiv?

Neben dem Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es für die Nutzer noch viele andere Gründe, von der Tabakzigarette auf die E-Zigarette umzusatteln. Viele angegebene Gründe sind interessanterweise ästhetisch oder sozial motiviert:

  • E-Zigaretten riechen deutlich besser als Tabakzigaretten; und die Liquids weisen eine große Bandbreite von Geschmacksrichtungen auf.
  • Die Liquids sind im Verhältnis deutlich günstiger als Tabakzigaretten.
  • E-Zigaretten können auch an Orten konsumiert werden, an denen Tabakzigaretten verboten sind – dadurch fühlen sich Dampfer weniger sozial ausgegrenzt als Raucher.
  • Liquids gibt es mit Nikotin für Raucher, die sich langsam entwöhnen wollen, aber auch komplett ohne Nikotin.
  • Der Dampf von E-Zigaretten verfärbt die Zähne nicht, wie es bei Nikotin passiert, und auch der Atem bleibt frisch.

Das Selbstbewusstsein der Genuss-Vaper

Ein besonders wichtiges Argument für das Dampfen scheint aber zu sein, dass sich der Trend allmählich zu einem Hobby beziehungsweise Lifestyle ausweitet. Das zeigt sich zum einen in den neu entstehenden Foren, Magazinen und dem Merchandise-Markt, mit dessen Produkten sich Vaper (oder: Dampfer) auch nach außen hin selbstbewusst zu ihrem Hobby bekennen. Diese wachsende Szene ist jung, urban und sieht sich als Genießer mit einem besonderen Lebensstil: „Darth Vaper“, „Keep Calm and Vape On“ oder „Proud to Vape“ heißen die neuen Slogans der Szene.

Vape-Shops florieren

Kein Wunder, dass die dazugehörigen Produkte nicht nur im Online-Handel bestellt werden können, sondern auch in stylischen E-Zigaretten-Shops zelebriert werden. Diese Ladenlokale zeichnen sich meist durch ihren betont urbanen Style aus, der vor allem trendbewusste Großstädter anzieht, die in entspanntem Ambiente genießen wollen und gerne Neues ausprobieren. Und diese Branche hat Wachstumspotenzial: Der VdeH zählt in ganz Deutschland circa 500 spezialisierte E-Zigaretten-Fachgeschäfte, und es werden ständig mehr, auch durch das Franchise-Konzept.

Zubehör und Design als Wachstumsmarkt

Zu kaufen gibt es dort alles, was man als Vaper benötigt, insbesondere Liquids, aber auch Zubehör und E-Zigaretten. Zunehmend wird auch das Design der E-Zigarette ein Thema bei den Dampfern. War die E-Zigarette anfänglich noch dem Aussehen der Tabakzigarette nachempfunden, hat sich die konkrete Aufmachen im Laufe der Zeit weiterentwickelt und zunehmend individualisiert. Neben Funktionalität wird gerade die Optik immer wichtiger. Hersteller wie Vaptio tragen dem Rechnung und haben für ihre Kunden zum Beispiel Starter Kits designt, die etwa mit einer auffallenden Farbgebung punkten. Die E-Zigarette ist zu einem Designobjekt geworden.

Liquids für alle Geschmäcker

Am größten ist die Auswahl der Vape-Shops allerdings bei den aromatisierten Liquids. Neben klassischen Fruchtaromen wie Erdbeere oder Mango gibt es fast alles, was schmeckt, und dem Ausprobieren und Kreieren scheinen keine Grenzen gesetzt. Dementsprechend kreativ sind auch die Namen der Sorten: Bitter Wizard und Cool Dreams werden angeboten, aber auch abenteuerliche Aromen wie Bratwurst oder Christstollen. Viele mischen natürlich eigene Kreationen. Aller Voraussicht nach geht der Trend Dampfen auch in nächster Zeit weiter.

Beate Greisel

5 Kommentare zu “Unter Dampf – Das Geschäft mit Vape-Shops und E-Zigaretten floriert

  1. E-Zigaretten sind keinesfalls „gesünder“ heisst es in dem Absatz. Und weiter heißt es: „kann“ schädliche Nebenwirkungen enthalten.
    Warum im Konjunktiv, wenn es zuerst heisst keinesfalls?
    Warum wird von der englischen Gesundheitsbehörde die E Zigarette als 95% weniger schädlich angepriesen?
    Oder möchte man, oder soll, Verunsicherung bei den Rauchern verbreitet werden.
    Die e Zigarette hat nichts mit Tabakzigaretten zu tun.
    Schädliche Auswirkungen kann so viel im Leben haben. Sorry aber recherchiert erst richtig mal, bevor man Artikel über Dinge verfasst wovon man keine Ahnung hat.

      1. Hallo Klaus, hallo Kaschi,
        vielen Dank für das Feedback. Gerne möchte ich gerne auf Deine / Eure Punkte eingehen. Die Formulierung „weniger schädlich“ würde es recht genau treffen. Aus unserer Sicht schließen sich jedoch die Aussagen „keinesfalls ‚gesünder‘“ und „kann schädliche Nebenwirkungen haben“ nicht unmittelbar aus, zumal im Absatz danach die Unterscheidung angesprochen wird, dass es Liquids mit sowie ohne Nikotin gibt; auch die Langzeitwirkung konnte bislang noch nicht ausreichend genug untersucht werden, weshalb eine Indikativ-Formulierung ebenfalls nicht zu 100 Prozent gepasst hätte. An dieser Stelle lohnt sich sicherlich ein Blick auf einen aktuellen Artikels in The Guardian, der unter anderem auf potenzielle Risiken von E-Zigaretten für Dritte in direkter Nähe sowie ‚toxische metallische Nanopartikel‘ eingeht, die in E-Zigaretten enthalten sein können. (Zu finden unter: https://www.theguardian.com/society/2017/oct/24/e-cigarette-bans-highlight-public-health-divide-between-us-and-uk-researchers) Zur Ergänzung haben wir diesen Link nun auch im Text als Link eingebaut (Linktext: „kann schädliche Nebenwirkungen haben“).
        Auch Deine Feststellung, dass die E-Zigarette nichts mit Tabakzigaretten zu tun hat, stimme ich zu: Im Beitrag werden immer wieder die Unterschiede aufgegriffen – vorrangig die zur Funktionsweise, jedoch auch zum Design, das sich zunehmend vom anfänglichen Vorbild entfernt.
        Prinzipiell geht es in diesem Artikel keineswegs darum, Verunsicherung bei den Rauchern oder Dampfern beziehungsweise Vapern auszulösen, sondern weitere Hintergrundinformationen zum Thema zu geben..

        P.S.: Wir sind jederzeit offen für Feedback und konstruktive Kritik, jedoch sollte immer die Etikette eingehalten werden. Danke für Dein / Euer Verständnis.

  2. Wer „Anglistik, Amerikanistik und Kunst- und Kulturgeschichte“ studiert hat sollte wissen wann man medizinische Aussagen treffen kann und darf in der Presse .. und wann nicht. Niemand der Ahnung hat sagt eine E Zigarette sein „Gesund“. Alleine ihre Aussage „Dass E-Zigaretten „besser“ oder „gesünder“ seien als Tabakkonsum, gegen diese Vereinfachung kämpft nicht nur die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ zeigt 1. das das sie sich nicht wirklich mit der Fachlichen Materien befasst haben ueber eine 10 Minuten Google Recherche hinaus und 2. das ihr „Fachwissen“ Jahre veraltet und und aus 3. Hand ist geschrieben von anderen Journalisten die ebenfalls wenig ahnung davon hatten. Kein Fachman schreibt „gesünder“! Das es weniger schaedlich ist als Tabak ist bestreitet aber kein ernsthafter Mediziner. Das Ziel diverser Staatlicher Stellen dazu ist aber der totale Ausstieg aus der Sucht und nicht „Harm Reduction“ und das ist eine Politische bzw. Pseudireligioese Einstellung dazu und keine Medizinische. Aber sie ist weit weniger schaedlich als Tabak und einen anerkannten wissenschaftlichen Nachweis irgendeiner Schaedlichkeit bei normaler Anwendung gibt es bisher trotz 10+ Jahren Studien auch nicht.

    1. Hallo Marc,
      vielen Dank für Deine Rückmeldung! In der Tat war es nicht meine Intention, eine medizinische Aussage zu machen und jemanden E-Zigaretten zu überzeugen, ob nun Raucher*In oder nicht. Genauso wenig zielte dieser Artikel darauf ab, persönliche Überzeugungen vollkommen infrage zu stellen oder auf einen unangreifbaren Sockel zu erheben. Dass die E-Zigarette (wesentlich) weniger schädlich ist als Tabak, steht außer Frage. Allerdings werden auch Schadstoffe freigesetzt, die – womöglich – krebserregend sein können – siehe dazu beispielsweise auch die Stellungnahme der Redaktion am Ende dieses Beitrags auf ndr.de: http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Rauchen-So-schaedlich-sind-E-Zigaretten,ezigarette166.html
      Die Formulierung „gesünder“ sollte hier jedoch mehr auf die Abstufungen eingehen, was sich denn mehr und was weniger zuträglich für die (langfristige) Gesundheit der Konsumierenden auswirkt; zumal es in doppelten Anführungszeichen steht. Diese sollten nahelegen, eine solche Formulierung nicht wortwörtlich zu nehmen: Es trifft mehr oder weniger das, was ausgesagt werden soll, aber eben nicht ganz. Auch das Wort „gesund“ kommt im ganzen Artikel nicht vor. Im Englischen wird allerdings tatsächlich nicht „(more) healthy“, sondern „safe(r)“ verwendet. Dementsprechend haben wir nun die Formulierungen im Artikel angepasst.
      Du hast jedoch durchaus recht mit der Informationslage: Es stellt sich als vergleichsweise schwierig heraus, valide Gesundheitsinformationen zum Thema E-Zigaretten zu finden. Auch die Informationen des BZgA und seiner Initiative rauchfrei sind bereits einige Jahre alt (siehe https://www.rauchfrei-info.de/). Zudem haben wir Deinen Hinweis berücksichtigt und einige Beispiele für weitere Kritiker der doch sehr einfachen Aussage, dass E-Zigaretten „besser“ oder „gesünder“ seien, an der entsprechenden Stelle eingefügt. Doch auch in aktuellen Studien werden beispielsweise Werte von schädlichen Stoffen verglichen, die bei den entsprechenden Probanden, die keinen Tabak konsumierten, deutlich niedriger, jedoch nach wie vor vorhanden waren (wie etwa bei https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/behindtheheadlines/news/2017-02-07-long-term-vaping-far-safer-than-smoking-says-landmark-study/). Da ich allerdings wirklich weder Medizinerin noch befugt bin, wage ich es an dieser Stelle nicht, die Langzeiteffekte zu beurteilen.

      P.S.: Wir – bei AGITANO – schätzen konstruktive Kritik, die nicht die „gute“ Etikette im Netz vermissen lässt. Wir sind alle Menschen und schätzen einen respektvollen Umgang miteinander.

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