Wirtschaft

USA mit Haushaltsdefizit von 830 Mrd. Dollar in nur 6 Monaten

Die USA haben erneut ein Rekorddefizit vermeldet. In den sechs Monaten seit Beginn des Fiskaljahres im Oktober 2010 ist das Haushaltsdefizit auf rund 830 Milliarden Dollar (572,8 Milliarden Euro) angeschwollen. Allein im März betrug das Defizit 188 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr wird mit einem Rekorddefizit von vermutlich 1,5 Billionen Dollar gerechnet. Das bislang höchste Defizit wurde im Fiskaljahr 2008/09 mit 1,42 Billionen Dollar erzielt. Dem folgte dann der zweithöchste Fehlbetrag im vergangenen Haushaltsjahr mit 1,29 Billionen Dollar. Mitte Mai nun dann die derzeitige gesetzliche US-Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar überschritten zu werden. Für eine weitere Erhöhung braucht die Regierung dann die Zustimmung der republikanischen Opposition im Kongress. Der Internationale Währungsfonds IWF drängt die USA derweil zur verstärkten Haushaltskonsolidierung: Während die meisten Industrienationen ihre Haushaltsdefizite verringerten, würden die USA – und auch Japan – ein Handeln aufschieben, um ihre angeschlagenen Volkswirtschaften nicht zu belasten.  Das sieht auch Max Otte ähnlich, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms: „Das wirkliche Problem der Weltwirtschaft [sind] die Vereinigten Staaten von Amerika. Hier gibt es ein Haushaltsdefizit von 11 Prozent, was fast doppelt so hoch wie das der Euro-Zone ist.“ Die ganze Euro-Hysterie um die Schuldenstaaten in der EU-Peripherie würde nur davon ablenken. (Der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen in Deutschland, Wolfgang Franz, sieht im Kern des Euro-Rettungsschirm „letztlich ein Rettungsprogramm nicht zuletzt für deutsche und französische Banken. Die Aktion für Irland ist ebenfalls im Kern ein Bankenrettungsprogramm.“) Um von den USA abzulenken passt ganz gut dazu, dass die drei den Markt beherrschenden Ratingagenturen, die laufend die drei europäischen Schuldenstaaten Irland, Griechenland und Portugal abwerten und dadurch nicht mehr zu finanzierende Zinsen bescheren, alle ihren Sitz in den USA haben (die Marktführer Moody’s und Standard & Poor’s sind in den USA beheimatet, die drittgrößte Ratingagentur Fitch hat ihren Sitz in New York und in London). Die USA können jedoch im deutlichen Unterschied jedoch einfach 600 Milliarden Dollar neues Geld drucken („In Amerika regnet es Geld“), was es ihnen – unter anderem wegen der steigenden Inflation, aber auch durch die Funktion des Dollars als Weltreservewährung – erlaubt, ihren nationalen Schuldenberg auf Kosten anderer Staaten abzubauen.

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