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Wie MyArcana der Beziehung hilft – Interview mit Anna-Sophie Wagner

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Intimes Privatleben: Was sollte Tabuthema sein und was nicht? Viele befinden sich in der Situation, dass sie geheime Sehnsüchte zwar haben, diese aber unausgesprochen bleiben. Gerade was körperliche Nähe betrifft, schweigen auch Paare sich oft an. Anna-Sophie Wagner ist Gründungsmitglieds eines Start-ups, das sich genau diesem Problem annimmt: myArcana hilft Paaren, das Schweigen zu brechen und dabei peinliche Momente zu umgehen. Im Interview spricht sie über die Idee dahinter und das Konzept, über die Resonanz und den Weg, auf den das Unternehmen zurückschauen kann.

Wie myArcana unerfüllte Wünsche zur Erfüllung bringt – Anna-Sophie Wagner im Interview

Schönen guten Tag Frau Wagner, Sie sind die Mitgründerin von myArcana, einer Webseite, die sich mit den verborgenen Wünschen von Paaren befasst. Wie sind Sie zu dieser Idee gekommen und mit welcher Motivation haben Sie Ihr Startup aufgebaut?

Die Idee zu myArcana entwickelte sich aus ganz persönlichem Bedarf. Wie die meisten Menschen hatte ich in meiner Beziehung in erotischer Hinsicht unerfüllte Wünsche und habe mich gefragt, was mein Partner wohl zu meinen Fantasien sagen würde. Allerdings habe ich mich nicht getraut, das offen anzusprechen und deshalb nach Wegen gesucht, wie ich elegant herausfinden könnte, ob er meine geheimen Vorlieben erfüllen würde oder nicht.

Bei dieser Recherche bin ich darauf gestoßen, dass es zu diesem Thema zwar viele Studien gibt, aber noch keine einfache Lösung für das Problem.

Eine Studie der Universität Göttingen mit 2.300 Paaren zeigt beispielsweise, dass durchschnittlich nur rund 40 Prozent der sexuellen Wünsche vom Partner erfüllt werden, während etwa 60 Prozent der Wünsche unerfüllt bleiben. Durch eine getrennte Befragung der Studienteilnehmer stellte sich jedoch heraus, dass die Partner den größten Teil der bislang unerfüllten Wünsche sehr wohl erfüllen würden, wenn sie nur davon wüssten. Auf diese Weise ließe sich der Anteil erfüllter sexueller Fantasien bei Paaren durchschnittlich sogar verdoppeln. Würden die Paare also ganz offen über ihre unerfüllten Wünsche und Fantasien sprechen, hätten sie eine wesentlich erfülltere Sexualität miteinander.

Leider wird über dieses Thema in Partnerschaften aber eben nicht offen gesprochen – und das obwohl 78 Prozent der Menschen in Partnerschaften unzufrieden darüber sind, dass der Partner ihre Bedürfnisse nicht erfüllt (Institut Mindline Media). Für mehr als jeden zweiten Deutschen ist schlechter Sex sogar ein Trennungsgrund (Studie im Auftrag der Zeitschrift Cosmopolitan).

Die am häufigsten genannten Gründe dafür, dass Sex immer noch ein Tabuthema in Partnerschaften ist, sind laut dem Institut Innofact die „Angst vor der Reaktion des Partners“, „Sex ist generell ein schwieriges Thema“ und „Sexuelle Wünsche lassen sich nur schwer in Worte fassen“.

Bei einem Glas Wein habe ich dieses Thema dann mit meinem Partner und zwei befreundeten Pärchen besprochen und wir haben dann beschlossen, dafür eine Lösung zu entwickeln. So kam es zu myArcana.

Bei dem englischen Wort „arcana“ handelt es sich um geheimes Wissen, das im täglichen Leben selten oder eben gar nicht ausgesprochen wird. Um das Brechen von genau diesem Stillschweigen geht es ja. Wie würden Sie den Ablauf, begonnen beim ersten Besuch auf Ihrer Seite, zusammengefasst beschreiben? Wie baut das Geschäftsmodell von myArcana konkret darauf auf?

myArcana nutzt die Vorzüge des digitalen Zeitalters um genau das in Minutenschnelle zu machen, was die Göttinger Studienforscher durch langwierige Einzelinterviews herausgefunden haben. Zunächst gibt der Nutzer seine E-Mail-Adresse an um seinen eigenen kostenlosen Zugang zu seiner persönlichen Befragung zu bekommen. Der interaktive Online-Test von myArcana stellt den Nutzern dann die beliebtesten sexuellen Fantasien vor und befragt sie dazu, welche sie ihrem Partner erfüllen würden und welche nicht. Wir haben besonders darauf geachtet, dass dieser digitale Fragebogen durch fantasievoll gestaltete Illustrationen und eine positive Sprache sowohl unterhaltsam als auch anregend gestaltet ist.

Die Antworten der Nutzer werden nach erfolgreicher Befragung dann automatisch in einem persönlichen Code verschlüsselt. Auf unserer Webseite könne die Nutzer dann ihre Codes – also den eigenen und den des Partners – eingeben und es werden dann alle Vorlieben, Fantasien und Wünsche angezeigt, die sich die Beiden gegenseitig erfüllen würden. Fantasien, die einer von Beiden nicht erfüllen würde, werden hierbei erst gar nicht angezeigt. Die Vorlieben, die der Partner ohnehin nicht erfüllen würde, bleiben also weiterhin geheim und peinliche Situationen sind damit ausgeschlossen. Die Paare können sich auf diese Weise voll auf die neu entdeckten gemeinsamen Fantasien konzentrieren. Das sind wie gesagt durchschnittlich doppelt so viele wie vor dem Test.

Also in Kurzform: Zuerst den kostenlosen Zugangslink anfordern, dann die myArcana-Fragen beantworten und zuletzt den eigenen Code mit dem des Partners vergleichen. Bevor die Ergebnisse direkt online angezeigt werden, muss der eigene Code noch gegen eine geringe Gebühr einmalig freigeschaltet werden. Darauf weist das System automatisch hin und nimmt dieses Freischaltung auf Wunsch des Nutzers auch innerhalb einer Minute vor.

Alles in allem erfährt man also innerhalb weniger Minuten, welche der eigenen geheimen Fantasien vom Partner erfüllt würden, und kann sich die Ergebnisse auch beliebig oft anzeigen lassen.

In dieser Branche gibt es ja doch einige unseriöse, fast schon „zwielichtige“ Anbieter und Unternehmen. Wie seriös ist das Vorgehen Ihres Unternehmens, womit rechtfertigen Sie das Vertrauen von Ihren Usern? Was hebt myArcana von anderen Anbietern in der Branche ab?

Ich denke es ist nicht mehr zeitgemäß, das Thema „Sexualität in der Partnerschaft“ in eine zwielichtige Ecke zu stellen. Die großen Onlineshops wie Eis.de, Beate Uhse und Amorelie machen vor, dass der Wunsch nach einer erfüllten Sexualität nichts ist, für das wir uns schämen müssen. Es gibt einen großen Markt rund um dieses Thema, also warum sollte man sich als seriöses Unternehmen dem nicht widmen? Und genau das passiert zurzeit auch immer mehr, wie man unter anderem an Angeboten wie Fit2Love.de oder Sexapy.de erkennen kann.

Uns zeichnet besonders aus, dass wir uns sehr konstruktiv mit dem Thema befassen. Für rund 90 Prozent der Paare spielt Sex eine sehr wichtige Rolle in ihrem gemeinsamen Leben. Mit myArcana können wir dazu beitragen, dass anstatt sexuellem Frust eine Bereicherung der Beziehung entsteht. Eine moderne „Chance für die Liebe“ sozusagen.

Aber zum Thema Seriosität kommen ja auch noch ein paar rechtliche Aspekte. Natürlich agiert myArcana konsequent im Hinblick auf die gesetzlichen Datenschutzrichtlinien. Da wir weder Namen, noch Adresse der Nutzer kennen, basieren alle Prozesse auf anonymisierten Datenbanken. Selbst im Bezahlvorgang werden in unseren Systemen lediglich anonyme Codes freigeschaltet. Der Zahlungsvorgang selbst wird technisch über einen der größten deutschen Zahlungsdienstleister, PAYONE, abgewickelt, die wiederum keinen Bezug zu unserem Produkt herstellen können, sondern lediglich den Zahlungsvorgang verarbeiten. Darüber hinaus erbringen wir jährlich mittels PCI-Sicherheitszertifizierung den Nachweis über die Konformität mit den gesetzlichen Datensicherheitsrichtlinien. Unsere Nutzer können also ganz sicher sein, dass ihre Geheimnisse bei uns gut aufgehoben sind.

Auf Ihrer Webseite finden sich keinerlei Hinweise oder Einschränkungen, dass nur bestimmte Personengruppen Ihren Service in Anspruch nehmen können oder sollten. Welchen Eindruck haben Sie, wie Ihr Service angenommen wird?

Wir haben unser Angebot kürzlich überarbeitet um deutlich zu machen, dass wir einen Service für alle Paare anbieten, denen das Thema „Sexualität in der Partnerschaft“ wichtig ist. Mittlerweile wurden mit Hilfe von myArcana bereits über 600.000 geheime Sehnsüchte erfüllt. Die Resonanz der Nutzer ist äußerst positiv, teilweise sogar richtig begeistert. Wir erhalten viele E-Mails, in denen uns Nutzer zu der Idee gratulieren, die liebevolle Umsetzung loben und von ihren positiven Erfahrungen berichten.

Ab und an bekommen wir die Anfrage, ob wir einen passenden Partner für einen bestimmten myArcana-Code vermitteln können, aber das ist natürlich weder möglich, noch beabsichtigt. Was wir uns gut vorstellen können, ist, das Angebot in Zukunft auch für homosexuelle Paare zu optimieren. Zwar ist myArcana auch heute schon für diese Paare uneingeschränkt nutzbar, allerdings ergeben einige Fantasien aus physiologischen Gründen für gleichgeschlechtliche Paare in der aktuellen Form keinen Sinn. Die könnte man in Zukunft automatisch wegfallen lassen.

Außerdem ist es geplant, die Webseite auch in englischer und spanischer Sprachversion zur Verfügung zu stellen, was unsere Zielgruppe um ein paar hundert Millionen Menschen vergrößern würde. Abgesehen davon bietet der deutschsprachige Markt für myArcana noch jede Menge Potenzial, da die Webseite bislang noch recht unbekannt ist. Das wollen wir jetzt ändern.

Ihr Unternehmen ist im Jahr 2014 gestartet. In Anlehnung an die Entwicklung seit dem Unternehmensstart, wie gestaltet sich die Geschäftsentwicklung für die kommenden Jahre?

Das Konzept zu myArcana reifte bereits seit 2012 und die Webseite ist in ihrer ersten Version 2014 online gegangen. Damals haben wir das Projekt nebenberuflich betrieben und unser Erspartes in die Erstellung der Webseite investiert. Da wir in unseren Berufen allerdings stark eingespannt waren, ruhte das Thema in Bezug auf Marketing weitgehend in den Jahren 2015 und 2016. Seit diesem Jahr haben wir jedoch einen Investor an Bord, was uns die finanziellen und damit auch zeitlichen Spielräume gibt, das Konzept voran zu bringen und bekannter zu machen. Unser Ziel ist es, in 2017 noch die Millionenmarke im Hinblick auf die Anzahl erfüllter Sehnsüchte zu knacken.

Die Aufgabe, ein Start-up auf den Weg zu bringen, ist immer eine große Herausforderung. Je nach Geschäftsmodell und Konzept sind sie dennoch jedes Mal anders. Wenn Sie an die Gründungszeit zurückdenken: Mit welchen konkreten Herausforderungen und Besonderheiten sahen Sie sich dabei konfrontiert?

Die ersten Schritte, also die Recherche, Erstellung des Konzepts und des Businessplans, das Schützen der Marken- und Ideenrechte und die Erstellung der konkreten Umsetzungspläne sind uns noch recht leicht gefallen, da wir entsprechende berufliche Hintergründe mitbringen. Herausfordernd fanden wir dagegen, auf die technische Umsetzung unserer Ideen warten zu müssen. Da wir selbst über keine ausreichenden Programmierkenntnisse verfügen, haben wir hierfür auf Dienstleister zurückgegriffen. In diesem Prozess, der uns meist viel zu lang gedauert hat, haben wir so einige Lernkurven mehrfach durchgemacht, was nicht nur Zeit, sondern auch Geld verschlungen hat. Allerdings haben wir auf diesem Weg auch einige wirklich tolle Impulse bekommen.

Vielen Dank, Frau Wagner, für die interessanten Ausführungen zum Konzept von myArcana und der Geschichte Ihres Start-ups, das immer bekannter wird! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit, die Beziehungen von Paaren erfüllter zu gestalten.

Das Interview mit Anna-Sophie Wagner führte Oliver Foitzik, Herausgeber AGITANO und Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

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myArcana hilft Paaren bei der Erfüllung ihrer unausgesprochenen Wünsche. (Bild: © myArcana)

Über Anna-Sophie Wagner

Anna-Sophie Wagner ist eine der Gründerinnen und Mitgesellschafterin der myArcana UG (haftungsbeschränkt). Gemeinsam mit zwei befreundeten Pärchen betreiben sie die Webseite www.myArcana.com.

Sie hat Rechtswissenschaften und Psychologie studiert und lebt in einer festen Beziehung. Vor myArcana war sie Assistentin der Geschäftsführung eines großen Servicedienstleisters und betreibt nebenbei noch ein kleines Unternehmen, dass sich mit Grafik & Design befasst.

Oliver Foitzik

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