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Wikileaks veröffentlicht Email-Korrespondenz des Geheimdienstes Stratfor

Das US-Unternehmen Stratfor ist eine Sicherheitsfirma und ein privater Geheimdienst. Der Konzern ist vorwiegend für die USA, Israel und mehrere multinationale Konzerne tätig. Im Dezember hatte Anonymous 850.000 Datensätze des Sicherheitsdienstleisters in einem Hack erbeutet und anschließend weitergegeben. Heute hat Wikileaks nun damit begonnen, die Emailkorrespondenz von Stratfor zu veröffentlichen.

Nach Angaben von Wikileaks enthalten die Emails detaillierte Informationen über die Arbeitsweise und die Netzwerke des US-Konzerns. Die bekanntesten Kunden der Sicherheitsfirma sind u.a. Dow Chemical Co., Lockheed Martin, Northrop Grumman, Raytheon und Coca Cola. Auch staatlichen Stellen sind mit Stratfor in Kooperation: das Heimatschutzministerium, die US-Marines und die Defense Intelligence Agency.

Die Emails bieten demnach eine Sichtweise auf verschiedene Ziele von Stratfor. So beobachtete und analysierte der Konzern bspw. die Bhopal-Aktivisten. In Bhopal verursachte eine Fabrik der Firma Dow Chemical Co/Union Carbide einen gigantischen Gasunfall, bei dem mehrere tausend Menschen starben, mehrere Hunderttausende verletzt wurden und bis zum heutigen Tag schwere Umweltschäden zurückblieben. Die Bhopal-Aktivisten kämpfen bis heute für eine angemessene Entschädigung der Opfer und eine Beseitigung der Schäden. Für den Getränkegiganten Coca Cola spionierte Stratfor der Tierschutzorganisation PETA hinterher.

Auch das Netzwerk aus Informanten in den Bereichen Politik, Journalismus und Wirtschaft wird in den Emails näher beleuchtet und bspw. die Zahlungsweise offengelegt. Diese laufe anonym über mehrere Schweizer Banken und im Vorweg bezahlte Kreditkarten.

Zudem zeigen die Emails die Kontakte von Stratfor zum Geldinstitut Goldman Sachs. Gemeinsam sollte ein auf Insider-Handel spezialisierter Investment Funds kreiert werden. Das StratCap genannte Unternehmen solle nach außen autonom und unabhängig auftreten. Ziel sei es, auf den von Stratfor gewonnenen Informationen aufbauend mit "geopolitischen Instrumenten" zu handeln. Damit sind vor allem Regierungsanleihen und Währungen gemeint. Weitere Investment Portfolios dienten der Verschleierung.

Stratfor selbst bezeichnete den bisherigen Verlauf als kriminell und will sich nicht zu den bald aufkommenden Vorwürfen äußern, das würde dazu führen: „…dass man sich noch einmal in einer Opferrolle wiederfinden würde.“ Jedoch verspricht Stratfor seinen Kunden momentan eine sichere Serverinfrastruktur.

(sm)

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