Einsichten & Ansichten

Claus-Peter Schaffhauser: …die Freiheit nehm ich mir

Da finde ich doch die Idee sehr brillant, die in Berlin, der Stadt mit der größten Hundehaufendichte Deutschlands, entstanden ist. Bei der Hundemarkenausgabe wird beim Wauwau eine kleine DNA-Analyse durchgeführt, mittels der man zu einem späteren Zeitpunkt eindeutig herrenlose Hinterlassenschaften zuordnen und den Halter mit einem Ordnungsgeld belegen kann. Wenn es also in Berlin bei einem Hundehalter zweimal klingelt, ist es vielleicht nicht der Postmann, sondern der Mann vom Ordnungsamt, der einen erhöhten Obolus sofort kassiert.

Das wird natürlich einige Hunde und ihre Halter in den Untergrund treiben und als Ergebnis „Schwarzgeschäfte“ produzieren. Aber das ist mir ehrlich gesagt schei…egal. Schwund gibt es immer, aber der Anfang wäre gemacht.

Man kann wieder geradeaus gehen und „ratschen“ ohne auf „Hackengift“ achten zu müssen.

Die meisten werden dann nämlich doch lieber zum Tütchen greifen, um nicht tief in den Geldbeutel langen zu müssen. Deutschland wird sich von den bereits lieb gewonnen Haufen verabschieden müssen.

Um richtigen (!) organischen Abfall zu sehen, muss man zukünftig wahrscheinlich in die Berge fahren, oder uns besuchen kommen. Auf der Wiese des Nachbarn grasen friedlich seit Wochen sieben Kälbchen. – Zahlen die eigentlich Kuhsteuer?

Der Hund stammt ja bekanntlich vom Wolf ab. Eine Binsenweisheit, die wir uns ab und an ins Gedächtnis zurück rufen sollten. Über Jahrtausende wurde der Hund domestiziert und an Mensch und Haus gewöhnt. Doch immer noch steckt in ihm die Jagd- und Mordlust. „Mein Hund tut nix!“ hört man oft von Hundehaltern, oder „der will nur spielen!“. Nur weiß das das liebe Hunderl nicht immer, weil es darauf vergisst.

Für größere Hunde besteht Leinenzwang – innerhalb und außerhalb von geschlossenen Ortschaften. Nur scheinen dies einige Hundebesitzer, zu Gunsten der Freiheit ihrer lieben Kleinen gern zu vergessen. „Und so groß ist der doch gar nicht!“

Das Hunderl könnte ja eine Neurose kriegen, wenn es die ganze Zeit angeleint ist. Nur verwechseln manchmal die Zamperl Radfahrer, kleine Kinder und unsere Zwerghühner mit Beutetiere und darüber hinaus ihre teure und gute Erziehung. – Da hilf dann das gebrüllte „AUS!“ aus 50 Meter Entfernung leider wenig.

Mich hat einmal der Chow-Chow meines Bruders gebissen. Es war ein heißer Nachmittag. Mir war’s heiß und dem Hund wahrscheinlich mit seinem Pelzmantel noch viel heißer. Ich wollte ihn nur streicheln, um ihn über die Hundstage und die damit verbundene Hitze hinweg zu trösten. Das muss er wohl in den falschen Hals bekommen haben. Plötzlich hat er zugebissen. Mehrmals durch die zur Abwehr erhobene rechte Hand, in den Unterbauch, aber eigentlich wollte er an meinen Hals.

Auf das „Prinz! Aus!“ meines Bruders hat er merkwürdigerweise gar nicht reagiert, sondern ist weiter wie verrückt an mir hochgesprungen, um mich umzuwerfen. Wollte er vielleicht gar nicht schmusen, sondern doch Hackfleisch aus mir machen?

Mein Bruder hat später, nach Notarzt, Tetanusspritze, Nähen der Bisswunden und jeder Menge Schmerzmittel gesagt „dass er das eigentlich nicht macht, der Prinzi!“ Ich hab ihm natürlich geglaubt, denn mein Bruder lügt nicht. Ein kleines Kind, an meiner Stelle, wäre allerdings erledigt gewesen. Prinzi hat dann noch viele anderen Menschen gebissen – Erwachsene und auch Kinder. Irgendwann ist er dann an Alterschwäche gestorben und wahrscheinlich in die Hundehölle gekommen.

Kinder sind unsere Zukunft und auch Radler und Spaziergänger kein Freiwild. Es wäre deshalb mehr als nett, wenn die Hunde ausschließlich angeleint laufen würden.

Nach dem ersten Biss ist so mancher Hund erst richtig auf den Geschmack gekommen und möchte mehr. Ist wahrscheinlich wie der erste Kuss. Und ich kann mir auch vorstellen, dass so ein gut genährter Zweibeiner auch besser schmeckt, als Matzinger Hundeflocken.

Wie weit das Hunderl geht, liegt an der Erziehung. Von Hund und Halter. Prinz hatte sogar ein Diplom von der Hundeschule – nur konnte er es selbst nicht lesen. „Der blöde Hund“ war mit Verlaub mein Bruder, denn der Hund stammt nun mal vom Wolf ab.

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Über den Autor:

Claus-Peter SchaffhauserClaus-Peter Schaffhauser war in mehreren Unternehmen verschiedener Branchen (Elektronik – Siemens, Informationstechnologie – HP, Befestigungstechnik – HILTI) in unterschiedlichen Führungspositionen tätig (u.a. EDV, Logistik, Vertrieb, Revision). Er berät seit 17 Jahren Kunden verschiedener Branchen in der Optimierung von Logistikprozessen (Lieferantenanbindung, Aufbau- und Ablauforganisation, Reklamationsmanagement) und in der Baustellenlogistik (Optimierung letzte Meile). In seiner Freizeit schreibt er Kolumnen und arbeitet als Künstler.

Christoph Schroeder

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