International

Creditreform: Unternehmensinsolvenzen in Europa 2012/ 2013

Leichte Beruhigung beim Bausektor zu verzeichnen

Mehr als zwei Drittel der westeuropäischen Unternehmensinsolvenzen gehören zum Handel und zum Dienstleistungsbereich. Während der Handel (inkl. Hotel- und Gaststättensektor) einen Anteil von 30,4 Prozent hält, sind es im Dienstleistungsbereich sogar 38,2 Prozent. Ein weiteres Fünftel des Insolvenzgeschehens wird vom Bau (20,8 Prozent), ein Zehntel (10,5 Prozent) vom Verarbeitenden Gewerbe getragen. Während der Anteil des Baugewerbes von 21,4 auf 20,8 Prozent binnen Jahresfrist leicht abnahm und sich auch der Handel von 31,2 auf 30,4 Prozent ein wenig stabilisierte, zeigt der Dienstleistungssektor einen Zugang gegenüber dem Vorjahr von 36,9 auf 38,2 Prozent.

Die Finanzierung entscheidet

Um 0,6 Prozentpunkte, von 27,4 auf 28,0 Prozent, hat die Zahl der Unternehmen insgesamt leicht zugenommen, die ein negatives EBIT, also keinerlei Erträge bezogen auf den Umsatz, erreichen. Dürftige Ertragslagen registrieren auch die Klassen bis fünf Prozent (2011: 24,3 Prozent; 2010: 24,7 Prozent) und bis zehn Prozent (2011: 15,9 Prozent; 2010: 16,2 Prozent) auf. Einen geringfügigen Zuwachs gibt es auch bei der EBIT-Marge von mehr als 25 Prozent. 15,0 Prozent der europäischen Unternehmen erfreuen sich einer so kraftvollen Ertragssituation – im Vorjahr waren es 14,8 Prozent. Insgesamt zeigen die Zahlen zur EBIT-Marge nur eine geringe Veränderung.

Zu wenig Eigenkapital macht insolvenzanfällig

Im Durchschnitt aller ausgewerteten westeuropäischen Länder beträgt der Anteil unterkapitalisierter Unternehmen mit einer EK-Quote von unter zehn Prozent 24,7 Prozent. Dieser Anteil ist gegenüber 2010 gesunken; damals betrug er noch 25,9 Prozent. Staaten, die einen unterdurchschnittlichen  Anteil an Unternehmen mit dürftiger Eigenkapitalversorgung verzeichnen, sind auch diejenigen, die eine positive Insolvenzentwicklung zeigen. Nur Finnland (20,1 Prozent mit einer EK-Quote von unter zehn Prozent), Belgien (22,5 Prozent) und die Niederlande (24,2 Prozent) weisen eine – allerdings nur geringe – Steigerung bei den Insolvenzzahlen auf (Ausnahme ist die Niederlande mit einer Steigerung von 19,4 Prozent bei den Unternehmensinsolvenzen).

Dagegen sind die sieben westeuropäischen Länder, die einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Betrieben mit dürftigem Eigenkapital haben, bis auf eine Ausnahme unter den Ländern mit zum Teil massiven Insolvenzsteigerungen zu finden. Nur Großbritannien (27,9 Prozent mit einer EK-Quote von unter zehn Prozent) hat einen leichten Rückgang der Insolvenzen von minus 3,9 Prozent. Die gefährdeten Peripherie-Länder von Portugal über Spanien, bis zu Irland und Italien bilanzieren auch eine entsprechend schwache Eigenkapitalversorgung.

Erfahren Sie auf Seite 3 mehr über das Zahlungsverhalten in den einzelnen Staaten und die Situation in den Vereinigten Staaten.

Christoph Schroeder

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