Empfehlung

Druck mit Resilienz meistern: Raus aus dem Schlechte-Laune-Sog


Dafür gibt es sogar eine wissenschaftliche Erklärung: die „Spiegelneuronen“. Das sind spezielle Nervenzellen in unserem Gehirn, die uns fühlen lassen, was andere fühlen. Dieser Vorgang läuft spontan und meist unbewusst ab und wird auch „Resonanzphänomen“ genannt. Wenn Sie einem Menschen begegnen, der schlecht gelaunt ist, werden Ihre Spiegelneuronen mithilfe von Neurotransmittern aktiviert und stellen eine Simulation der inneren Zustände des Gegenübers her. Eigentlich ist dieses Phänomen dafür gedacht, dass Sie in der Lage sind, sich in jemand anderen einzufühlen und dessen Stimmung nachzuvollziehen. Ihr Gehirn macht dabei nur leider keinen Unterschied, ob es sich gerade um eine für Sie hilfreiche und sinnvolle oder eher schädliche Stimmung handelt. Auch hier hilft nur, wenn Sie sich selbst helfen: Werden Sie sich dieser schlechtlaunigen Zeitgenossen bewusst, identifizieren Sie diese in Ihrem Umfeld und begrenzen Sie den Kontakt, soweit es geht, ohne unhöflich zu sein.

Oftmals allerdings können Sie diesen „Schädlingen“ nicht so leicht entkommen; Sie finden sich zwischen ihnen eingekeilt in Bus oder Bahn, im Wartezimmer eines Arztes, im Meeting oder auf einer Schulung. Manchmal fühlen Sie sich vielleicht permanent von ihnen umzingelt, überall sehen Sie in starre Gesichter ohne den Anflug eines Lächelns und erleben verkrampftes Schweigen. Was machen Sie dann?

3. Halten Sie die schlechte Laune fern … bei Passanten und Kollegen

Probieren Sie es aus, setzen Sie dem Trübsinn der anderen etwas entgegen: Lächeln und grüßen Sie, auch wenn Ihre Mitmenschen das bislang nicht getan haben, und freuen Sie sich an deren verblüfften Gesichtern, einem ersten zaghaften Lächeln und dem Gegengruß. Wenn Sie regelmäßig mit einem „Negativling“ zu tun haben, versuchen Sie, ihm zunächst freundlich und vorsichtig zu sagen, was Sie an ihm stört. Nützt das nichts, werden Sie etwas deutlicher und sprechen Sie das Verhalten höflich, aber klar an. Führen Sie ein solches Gespräch aber unbedingt unter vier Augen, sonst fühlt sich Ihr Gegenüber nur noch zusätzlich angegriffen und bloßgestellt. Sind Sie umgeben von „Schädlingen“, schotten Sie sich von deren negativem Sog ab, indem Sie Ihren Geist mit etwas beschäftigen, das Sie weiterbringt. Denken Sie über ein Thema nach, für das Sie eine Lösung suchen, oder beamen Sie sich gedanklich an den Tisch mit Freunden, mit denen Sie beim letzten gemeinsamen Essen so viel Spaß hatten. Lassen Sie sich nicht anstecken!


… beim eigenen Chef

Dem eigenen Chef gegenüber müssen natürlich andere Regeln gelten. Doch auch von seiner oder ihrer schlechten Laune müssen Sie sich nicht herunterziehen lassen, auch hier sollten Sie sich nicht alles gefallen lassen. Eine Reaktion, die Sie sich immer erlauben können und die sehr gut funktioniert, ist die gelassene Trennung zwischen Ihrer Person und der Stimmung Ihres Chefs „Oh, das war sicher ein anstrengender Tag, Herr Maier, oder? Das tut mir leid. Ich glaube, ich komme besser später noch einmal wieder.“ Oder „Frau Müller, ich denke, wir verlieren an Höhe!“ Beides höflich und ruhig ausgesprochen. Und dann den Raum verlassen. Zur Toilette dürfen Sie schließlich immer müssen.

Und wenn gar nichts mehr geht

Wenn eine nette Ansprache nicht weiterhilft oder wenn Sie feststellen, dass hinter einem Verhalten bösartige Absicht steckt, bleibt Ihnen nur noch, dem anderen Grenzen zu setzen und einen richtigen Streit in Kauf zu nehmen. Natürlich kostet eine solche Konfrontation Kraft – aber eben nur einen Bruchteil dessen, was Sie an Kraft einsetzen müssten, wenn Sie dieses Verhalten weiter hinnehmen würden. Machen Sie dem anderen klar, dass Sie nicht nachgeben werden: „Ich habe Ihr Verhalten lange Zeit ertragen. Ich habe Ihnen auf freundliche Art gesagt, wie sehr es mich stört. Sie haben das ignoriert. Jetzt ist Schluss mit lustig. Ich möchte ab sofort keinerlei Ratschläge mehr von Ihnen hören. Lassen Sie das sofort! Wenn Sie so weitermachen, werde ich richtig sauer!“ Legen Sie dabei kräftigen Nachdruck in Ihre Worte, ohne dabei das Toben anzufangen. Auch dann nicht, wenn der andere ausfallend werden sollte! Die meisten Menschen reagieren aber mit Rückzug, sobald sie merken, dass es Ihnen ernst damit ist und dass Sie sich ihr Verhalten nicht mehr bieten lassen.

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Über Katharina Maehrlein:

Katharina Maehrlein, Star wie Bambus, Soul@Work
(Foto: © Katharina Maehrlein)

Katharina Maehrlein (Taunusstein) ist Rednerin, Trainerin und Coach und hat als Expertin für innere Kraft und Resilienz in den letzten 17 Jahren rund 20.000 Menschen dabei unterstützt, ihren Job erfolgreich zu meistern.

Sie ist Bestsellerautorin (Die Bambusstrategie – Den täglichen Druck mit Resilienz meistern. GABAL Verlag, 4. Auflage), Gründerin von „Stark wie Bambus – Initiative zur Prävention von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz“ und Initiatorin und Veranstalterin von Soul@Work, dem Jahreskongress der Initiative. Nicht ganz einfache persönliche Lebensumstände haben Resilienz für Katharina Maehrlein zur eigenen „Überlebensstrategie“ werden lassen.

Mehr über Katharina Maehrlein im Internet auf www.katharina-maehrlein.de.

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Über das Buch:

Den täglichen Druck mit Resilienz meistern
(© Foto: GABAL Verlag)

In „Die Bambusstrategie“ finden Sie Tests zur Selbsteinschätzung, Checklisten, Übungen und pragmatische Tipps, um in Ihrem Inneren so stark und unabhängig zu sein wie ein Bambus und sich in den Stürmen des Arbeitsalltags gelassen biegen zu können und nicht zu zerbrechen.

Das Buch liefert die neuesten Ergebnisse aus der Resilienz- und Glücksforschung und gibt eine Anleitung, Mut, Kraft und Stehvermögen zu entwickeln, um die herausfordernden Situationen des Alltags standfest zu meistern. Ihre innere Stärke wird weiter aufgebaut, um in anstrengenden Doppelrollen sicher und gelassen agieren zu können.

Christoph Schroeder

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