Deutschland

Perspektiven 2025: Zukunftsforschung über die Hightech-Textilien von morgen

4. Welche technischen Neuerungen ermöglichen diese Entwicklungen und mit welchen Innovationen dürfen wir rechnen?

Textile Materialien ermöglichen Nutzen für zahlreiche Anwendungsfelder im Bereich der Funktionsintegration. Das beginnt bei der Verarbeitung leuchtender oder leitfähiger Garne und setzt sich über integrierte Sensorik fort; bis hin zu steuerbaren Textileigenschaften bei Heizen, Kühlen oder Energieerzeugung. Vorstellbar sind aber auch landwirtschaftliche Anwendungen für Pflanzbehälter mit regelbarer Wasser- und Nährstoffversorgung. Zahlreiche Innovationen bestehen darin, die Vielfalt bekannter textiler Verfahren für neue Anwendungen nutzbar zu machen. Beispiele dafür sind geflochtene Stents oder kettengewirkte Gefäßschläuche für den Einsatz im medizinischen Bereich. Potenzial bietet auch die gezielte Nutzung der Vorteile von Faserstrukturen in Verbundwerkstoffen, insbesondere bei hochfesten Bauteilen im Leichtbau. Allerdings werden hier auch neue Recyclinglösungen notwendig, die der Rohstoffrückgewinnung mindestens so gut sein müssen, wie das Einschmelzen von Metall. Deswegen erwarten wir, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit ein bedeutender Innovationstreiber für die Erweiterung textiler Einsatzmöglichkeiten sein wird. Für Nachhaltigkeitsbilanzen werden ressourcenschonende Produktions- und Recyclingverfahren in Verbindung mit dem Einsatz nachwachsender Rohstoffe eine zunehmend wichtigere Rolle spielen.

5. Textilien werden ja schnell zu Unrecht nur mit Bekleidung in Verbindung gebracht… was sind konkrete Beispiele für Ideen aus den von Ihnen genannten Themenbereichen? Stichpunkt Wohnen, Architektur und Stadt der Zukunft. Was hat das mit Textilien zu tun? Was wird hier im nächsten Jahrzehnt auf uns zukommen?

Durch die traditionell enge Verbindung von Textil und Mode ist Bekleidung eine schnelle Assoziation. Doch wenn wir genauer hinschauen, stoßen wir in unserer unmittelbaren Umgebung auf zahlreiche Anwendungen technischer Textilien. Beispiele dafür sind Bodenbeläge, Autositze, jede Form von Heimtextilien und Vliese für Filter und Dämmstoffe. Speziell im Bereich Wohnen sind bei der energiesparenden Temperaturregulierung sowie bei blendfreier Beleuchtung, stimmungsabhängiger Farbgestaltung und flexibler Raumnutzung neue Anwendungen erkennbar. Für die Architektur eröffnen Faserbewehrungen und „grüne“ Raumelemente die Möglichkeit für leichtere und ressourcenschonendere Bauformen mit neuen Freiheiten bei der Formgebung. Zusätzlich zwingt in Städten der Zukunft dichtere Besiedelung zu neuen Lösungssystemen bei Mobilität und Gebäudemanagement. Teilthemen darin sind Brandschutz, Schalldämmung, Feinstaubfilterung, dezentrale Energiegewinnung und der Umgang mit Trink- und Brauchwasser.

Herr Strobel, vielen Dank für das interessante Gespräch. Mehr dann in dem 2. Teil unseres Interviews am morgigen Dienstag, den 26.02.2013

(Das Interview führte Marc Brümmer von der AGITANO-Redaktion)

Die Broschüre „Perspektiven2025“, herausgegeben vom Forschungskuratorium Textil e.V., steht im Internet zur Verfügung: http://www.textilforschung.de/pdfcat/Techtex2025/

Weiterführende Informationen:

Dipl.-Ing. Thomas Strobel
FENWIS GmbH – Zukunftslandkarte, Wissensflüsse, Training
Web: www.fenwis.de
Email: thomas.strobel@fenwis.de

Marc Brümmer

Ein Kommentar zu “Perspektiven 2025: Zukunftsforschung über die Hightech-Textilien von morgen

  1. Beschäftige mich seit Ende der 90er Jahre mit Hightech-Textilien. Freue mich, dass es gelungen ist, durch einen Zukunftsforscher wie Herrn Strobel endlich das in den Köpfen der Textilbranche zu verankern, was längst seit Jahren Fakt ist: Hightech-Textilien haben die Textilwirtschaft aus der Krise geführt und bieten weiterhin enorme Zukunftschancen. Das zeichnete sich bereits vor zehn Jahren ab. Als Herausgeberin des im Deutschen Fachverlag erschienenen ersten Kompendiums über Zukunftstextilien mit dem Titel “Funktionstextilien” (2003) unterstützte ich als Herausgeberin die Entwicklung auch durch das gleichnamige Online-Portal und initiierte ein weiteres Kompendium, das 2006 als Herausgeberwerk unter dem Titel “Technische Textilien” erschien. Die beiden Werke gaben entscheidende Impulse für die Textilbranche, die durch Initiative der Herausgeberin bereits 2002 als Lead Market bezeichnet wurde. Die positive Entwicklung wurde ab 2005 durch die Veranstaltungsreihe HIGHTECHTEXTILIEN in Stuttgart weiter gefördert. Insgesamt sieben Nischenthemen konnten so positioniert und durch zusätzliche Fördermaßnahmen neue Technologien schneller in innovative Produkte umgesetzt werden.
    Petra Knecht
    [petra knecht] Kommunikationsberatung

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