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Perspektiven 2025: Zukunftsforschung über die Hightech-Textilien von morgen

Textil, Stoff, Himmel, Wolke, Cloud, Zukunft
[Bild: Rainer Sturm / pixelio.de]

Die Anwendungsmöglichkeiten für moderne Hightech-Funktionstextilien gehen weit über den Bekleidungsbereich hinaus. Einen interessanten Einblick in die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von morgen bietet die aktuelle Broschüre „Perspektiven 2025“, die soeben vom Forschungskuratorium Textil e.V. herausgegeben wude. AGITANO hat den Zukunftsforscher Dipl.-Ing. Thomas Strobel, einen der verantwortlichen Wissenschaftler, zum Thema interviewt, um das enorme Potenzial von Textilien in all seinen Facetten näher zu beleuchten.

1. Guten Tag Thomas Strobel. Sie haben als Zukunftsforscher die Textilbranche bei der Entwicklung der „Perspektiven 2025″ unterstützt. Bevor wir uns auf diese Zeitreise mit Ihren innovativen Entwicklungen begeben, stellen Sie sich und Ihren Beruf doch bitte kurz vor.

Ein Zukunftsforscher kann für seine Kunden heute am meisten Nutzen dadurch schaffen, dass er als „Zukunftslotse“ arbeitet. Dazu muss er breite Erfahrung mitbringen, wie unbekannte Gebiete in der Zukunft aus verschiedenen Blickwinkeln erkundet werden können. Grundlagen dafür sind verfügbare Studien, eigene Recherchen und der regelmäßige Austausch mit Wissensträgern unterschiedlicher Fachrichtungen. Die dauerhafte Arbeit mit Prämissen und vernetzten Trends bildet die Basis für nutzbare Wirkzusammenhänge. Der wichtigste Schritt ist dann, gemeinsam mit Vertrauenspersonen des Kunden, an aussagekräftigen Zukunftsbildern zu arbeiten. Aus der Summe der gewonnenen Erkenntnisse werden schließlich geschäftsrelevante Handlungsmöglichkeiten abgeleitet. Um im Bild zu bleiben, unterstützt der Zukunftslotse damit den Kapitän auf der Brücke seines Unternehmens bei der Planung einer sicheren Route zwischen der aktuellen Position und dem zukünftigem Unternehmensziel. Der Nutzen für den Kunden sind dabei die nachvollziehbaren Handlungsoptionen, die ihm bei Entscheidungen „vorausschauendes Fahren“ erleichtern.

2. Was ist in der Zukunftsforschung wichtiger: Das Prognostizieren gegenwärtiger Trends in die Zukunft oder ein kreativer und schöpferischer Vorgang, bei dem bislang noch nicht Gedachtes entwickelt wird?

Die richtige Mischung bringt den größten Kundennutzen. Längerfristige Trends wie Bevölkerungsentwicklung, Demografie oder Klimawandel ändern sich nicht sprunghaft. Sie können deshalb mit Vergangenheitswerten und geeigneten Prämissen für die Zukunft prognostiziert werden. Für technologische Trends, die starke Einflüsse auf Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle und Märkte haben, benötigen wir ein anderes Denkmodell. Wir entwickeln ein besseres Verständnis, wenn wir Abhängigkeiten und Wirkmechanismen mit einem Zukunftsbild aus einer neuen Perspektive betrachten können. Persönliche Erfahrungen aus unserer Vergangenheit schränken wegen unserer menschlichen Wahrnehmungsfilter den Blick stark ein. Bevorstehende Paradigmenwechsel oder Veränderungssignale blenden wir dabei oft aus. Deshalb erarbeiten wir zusammen mit unseren Kunden bewusst Prämissen und Bilder einer ferneren Zukunft. Mit deren Hilfe können wir dann in Richtung Gegenwart zurückblicken. Daraus können wir rückschließen, was im Zeitraum dazwischen mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren wird. Aus der Kombination von Prognose und Rückschau aus der Zukunft entsteht das, was wir am Ende „Bauchgefühl für morgen“ nennen.

3. Nach rund einem Jahr Arbeit wurden im Projekt „Perspektiven 2025“ ja über 250 bewertete Ideen und Lösungsvorschläge auf zehn Themenfeldern zum Einsatz technischer Textilien in Wachstumsmärkten vorgelegt. Zunächst einmal: Was sind das für zehn Themenfelder?

Die Themenfelder sind ausgewählte Blickwinkel, mit denen wir im Projekt die Welt von morgen beschrieben haben. Im Kernteam des Projektes haben wir für die Zielgruppe der späteren Nutzer zehn möglichst lebensnahe und geschäftsrelevante ausgewählt. Konkret sind das die Themenfelder Wohnen, Ernährung, Bekleidung, Mobilität, Gesundheit, Architektur, Stadt der Zukunft und Energie. Hinzu kommen noch die beiden unterstützenden Themen Produktion & Logistik sowie in der Breite wirkende Basisthemen.

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Marc Brümmer

Ein Kommentar zu “Perspektiven 2025: Zukunftsforschung über die Hightech-Textilien von morgen

  1. Beschäftige mich seit Ende der 90er Jahre mit Hightech-Textilien. Freue mich, dass es gelungen ist, durch einen Zukunftsforscher wie Herrn Strobel endlich das in den Köpfen der Textilbranche zu verankern, was längst seit Jahren Fakt ist: Hightech-Textilien haben die Textilwirtschaft aus der Krise geführt und bieten weiterhin enorme Zukunftschancen. Das zeichnete sich bereits vor zehn Jahren ab. Als Herausgeberin des im Deutschen Fachverlag erschienenen ersten Kompendiums über Zukunftstextilien mit dem Titel “Funktionstextilien” (2003) unterstützte ich als Herausgeberin die Entwicklung auch durch das gleichnamige Online-Portal und initiierte ein weiteres Kompendium, das 2006 als Herausgeberwerk unter dem Titel “Technische Textilien” erschien. Die beiden Werke gaben entscheidende Impulse für die Textilbranche, die durch Initiative der Herausgeberin bereits 2002 als Lead Market bezeichnet wurde. Die positive Entwicklung wurde ab 2005 durch die Veranstaltungsreihe HIGHTECHTEXTILIEN in Stuttgart weiter gefördert. Insgesamt sieben Nischenthemen konnten so positioniert und durch zusätzliche Fördermaßnahmen neue Technologien schneller in innovative Produkte umgesetzt werden.
    Petra Knecht
    [petra knecht] Kommunikationsberatung

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