Management

Anne M. Schüller: Wie sich das Führungsverhalten optimieren lässt

… aus der wöchentlichen Themenserie der Marketingspezialistin und Management-Consultant Anne M. Schüller. Nach dem letzten Beitrag “Meetingkultur – Das Positive zuerst.” folgt heute: „Wie sich das Führungsverhalten optimieren lässt“.

————-

Viele Mitarbeiter sind, wenn man entsprechenden Studien folgt, mit dem Führungsverhalten der Oberen unzufrieden. Durch ein zeitnahes Eigen- und Fremdmonitoring lassen sich zügige Verbesserungen bewirken.

Um das eigene Führungsverhalten zu monitoren und an seiner Performance als Führungskraft zu arbeiten, gibt es zum Beispiel folgende Möglichkeiten:

  • Die Selbstkontrolle der Führungskraft
  • Das interne Kollegen-Coaching
  • Das externe Gruppen-Coaching

Wie sich das im Einzelnen bewerkstelligen lässt? Hier einige konkrete Vorschläge dazu.

Helikopter-Rundflug über das eigene Tun

Die kritische Selbstreflexion zählt zu den wichtigsten Eigenschaften eines guten Managers. Monitoring durch Selbstkontrolle ist dabei der schnellste Weg. Und was heißt das genau? Versetzen Sie sich einmal in die Rolle eines Malers, der einige Schritte von seinem Bild zurücktritt, um in Ruhe sein Tageswerk betrachten zu können. Dann stellen Sie sich zum Beispiel die folgende Frage: „Hätte ich unseren besten Kunden so behandelt, wie ich heute meinen Mitarbeiter X behandelt habe?“ Oder die: „Kann ich alles, was ich heute getan habe, auch meinen Kindern erzählen?“

Ebenso sinnvoll ist es, während einer Interaktion still und leise in die Helikopter-Perspektive zu wechseln, um von einer höheren Warte aus einen Rundumblick zu wagen. Dabei verlässt man die ichbezogene Sichtweise und begibt sich in die Rolle des neutralen Betrachters. Folgende Fragen kann man sich stellen:

  • Was wird das, was ich gerade sage/tue, beim Anderen bewirken?
  • Wie wird/kann er das, was ich sage/tue, verstehen?
  • Was wird er/sie daraufhin wahrscheinlich tun?
  • Ist dies das von mir Gewünschte?
  • Was muss/kann ich verändern, damit es dem Gewünschten entspricht?
  • Lebe ich selber vor, was ich bei Anderen erreichen will?
  • Was kann ich bei mir selbst in Zukunft verbessern?

So manches kommunikative Desaster könnte vermieden werden, würde eine solche Meta-Ebene systematisch in die tägliche Arbeit eingebracht.

Hilfe von außen: das Kollegencoaching

Da man beim Selbstcoaching schnell der Selbsttäuschung erliegt und seine ‚blinden Flecken‘ nicht sieht, kann ein Kollegencoaching sehr hilfreich sein. Dabei werden Führungs-Tandems gebildet, die sich beim Interagieren gegenseitig beobachten und anschließend entsprechendes Feedback geben. Die Voraussetzungen, damit alles gut klappt: ein Vertrauensverhältnis, keine Konkurrenzsituation, keine hierarchische Abhängigkeit. Und natürlich Knowhow darüber, wie konstruktives Feedback gegeben und empfangen wird.

Eine zweite Variante ist die kollegiale Beratung. „Wir-Coaching“ nenne ich das. Dabei trifft man sich regelmäßig in einem gleichen oder auch wechselnden Kreis von etwa fünf Personen, um delikate Themen strukturiert zu besprechen. Das können Kollegen aus dem eigenen Unternehmen oder auch Führungskräfte aus anderen Unternehmen sein. Wichtig ist eine diversifizierte Zusammensetzung, also jung und alt, männlich und weiblich, und wenn sinnvoll, auch unterschiedliche Nationalitäten.

Auch hier braucht es eine Vertrauensbasis, Freiwilligkeit, Führungs-Knowhow und eine gleiche ‚Chemie‘. Offenheit, Ehrlichkeit und vor allem Vertraulichkeit sollten als Spielregeln vorgegeben werden. Pro Teilnehmer wird eine konkrete Interaktionssituation geschildert und die Meinung der Anderen dazu eingeholt. Während die Gruppe diskutiert und über Lösungsideen berät, ist der Fallgeber ein stiller Beobachter. Er spricht also nicht – und verteidigt sein Verhalten auch nicht.

Vielmehr folgt er dem Ganzen mit hohem Interesse. Dies öffnet den Blick für unterschiedliche Handlungsvarianten und neue Vorgehensweisen. Die Führungsarbeit der Beteiligten wird durch die Kreativität und den Erfahrungsschatz aller bereichert und professionalisiert. Übrigens ist diese Form von ‚internem Crowdsourcing‘ eine sehr kostengünstige Form der Mitarbeiterentwicklung.

Ein Veranstaltungskonzept namens „Garage“

Eine weitere Variante ist ein Veranstaltungskonzept namens „Garage“, das es inzwischen in einigen deutschen Städten gibt. Zwanglos treffen sich dort Unternehmer, um mit Hilfe von professionellen Moderatoren Ideen zu entwickeln und sich bei Management- und Führungsthemen zu unterstützen. Dazu haben die Teilnehmer jeweils im Vorfeld konkrete Fragestellungen eingereicht, die dann gemeinsam betrachtet und besprochen werden.

Auch hier bleibt der Fragesteller ein stiller Beobachter, diskutiert also nicht mit. So erhält er offenes und ehrliches Feedback, kann Hürden oder Blockaden erkennen und wird bei der Lösungssuche unterstützt. „Eine Garage“, so Mitinitiatorin Elita Wiegand vom Businessclub innovativ-in, „ist dazu gedacht, ungewöhnliche Ideen zu finden, Synergien zu nutzen, Netzwerke zu schaffen und durch den Blick über den Tellerrand neue Perspektiven zu gewinnen. Dabei profitiert jeder vom Wissen und den Erfahrungen der Teilnehmer, die aus unterschiedlichen Berufen und Branchen kommen.“

————-

Seminartipp: Erfolgsmacher Empfehlungsmarketing am 12.09.2013 in Köln

Werben Sie noch oder empfiehlt man Sie schon? Empfehler sind bekanntlich die besten Verkäufer. Und Empfehlungsmarketing ist das kostengünstigste Marketing. Wie das gelingt, zeigt ein praxisnahes Tagesseminar am 12. September in Köln mit Anne M. Schüller, führende Expertin für das neue Empfehlungsmarketing. Die Teilnehmer erhalten darin Schritt für Schritt das komplette Knowhow sowie das notwendige Handwerkszeug. Infos und Buchung: www.semigator.de/empfehlungsmarketing

————-

Das Buch zum Thema

Schüller, Buch, TouchpointsAnne M. Schüller: Touchpoints
Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute
Managementstrategien für unsere neue Businesswelt
Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Gunter Dueck
Gabal, 3. aktualisierte Auflage, 350 S., 29,90 Euro, 47.90 CHF
ISBN: 978-3-86936-330-1
Ausgezeichnet als Mittelstandsbuch des Jahres und mit dem
Deutschen Trainerbuchpreis 2012

—————————————–

Das Hörbuch zum Thema

Anne M. Schüller HörbuchAnne M. Schüller:
Touchpoints
Auf Tuchfühlung mit dem Kunden von heute
Managementstrategien für unsere neue Businesswelt
ungekürzte Hörbuchfassung, 8 CDs
ISBN 978-3-86936-501-5, € 49,90 / CHF 62.50

—————————————–

Über die Autorin

Anne M. Schüller
Anne M. Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing und ein kundenfokussiertes Management. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum. Sie ist Gastdozentin an mehreren Hochschulen. Wenn es um das Thema Kunde geht, gehört sie zu den meistzitierten Experten. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft. Mehr unter www.anneschueller.com und und www.touchpoint-management.de.

Christoph Schroeder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.